Heinrich Hiersemann Heinrich Hiersemann zeigt derzeit seine "Fetten Viecher".

Foto: M. Pfeifer

"Fette Viecher" entstehen aus der Wut heraus

Heinrich Hiersemann zeigt seine geschnitzten Kunstwerke im "Bunten Holz" - Fotos dienen als Vorlage

Hohenstein-Ernstthal. Hohenstein-Ernstthal. Heinrich Hiersemann sagt von sich selbst, er sei kein Künstler. Trotzdem hat er die Besucher der neuen Sonderausstellung im Museum Erzgebirgische Volkskunst "Buntes Holz" eines Besseren belehrt. Im Hohenstein-Ernstthaler Postgut zeigte er unter dem Titel "Arche Noah modern" seine Schnitzereien.

Die "Fetten Viecher" - so wurden die Tierfiguren während der Ausstellungseröffnung genannt. Sie sind nicht so, wie die typischen Erzgebirgischen Schnitzereien. Glatte Oberflächen und eine Portion Heiterkeit zeichnen die "Kugelkatze", das "Jamaikanische Volkskunstschwein" und den "Philosophischen Affen" aus. Ihre Entstehung ist von besonderen Arbeitsschritten geprägt. "Die Figuren werden immer glatter geschnitzt, danach mit grobem und mit immer feinerem Sandpapier bearbeitet. Zuletzt werden sie geschmirgelt und mit Bienenwachs sowie einer Kleiderbürste glatt poliert", so der 70-Jährige.

"Dank des Bienenwachses riecht man immer, wenn wieder etwas fertig ist" sagt seine Frau Petra Hiersemann. Sie ist die stellvertretende Oberbürgermeisterin von Hohenstein-Ernstthal. Dass ihr Mann, der studierter Ökonom und Informationswissenschaftler ist, zum Schnitzerwerkzeug griff, hatte einen DDR-typischen Grund. "Es war die nackte Wut", beschreibt Heinrich Hiersemann seine Eindrücke im "Haus der Erzgebirgischen Volkskunst" im damaligen Karl-Marx-Stadt. Da es dort nichts zu kaufen gab, beschloss er, die ganze Sache selbst zu machen - wie so oft in der damaligen Zeit. Aus einem Stück Lindenholz sollte eine Krippenfigur entstehen, doch diese sah am Ende irgendwie aus wie eine Katze. Hilfe fand Hobbyschnitzer Hiersemann bei seinem Nachbar, dem bekannten Schnitzer Hans Graupner. Er nahm Hiersemann 1982 mit nach Grüna in den Schnitzzirkel der Wismut, wo Roland Nestler vielen Interessierten die nötigen Fertigkeiten vermittelte.

Schnell stellte sich heraus, dass die glatten und rundlichen Figuren die besondere Linie sind, der sich Hiersemann fortan widmete. "Das hat wirklich Ausdruck", würdigte auch Hans Graupner die ausgestellten Arbeiten, die er als modern und einzigartig einschätzte. Die Tiere, über die sich Heinrich Hiersemann vor dem Schnitzen anhand von gesammelten Zeitungsfotos genau informiert, sollen vor allem Kinder ansprechen. Anfassen ist in der Ausstellung erlaubt. Nach den Ferien sollen laut Hohenstein-Ernstthals Kulturamtsleiterin Heidrun Günther die Schulen noch einmal ins Museum eingeladen werden.

Service

Die Sonderausstellung wird bis zum 19. September gezeigt. Geöffnet ist mittwochs von 11 bis 17 Uhr sowie samstags und sonntags von 13 bis 17 Uhr.

 
erschienen am 25.07.2010 ( Von Markus Pfeifer )
 
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