Nach Ansturm in Hotels: Rennfans sind ehrlich

Viele Stammgäste in Hotels in Hohenstein-Ernstthal und Lichtenstein - Übers Jahr gesehen bekommt Manches Beine

Hohenstein-Ernstthal. Hohenstein-Ernstthal. Rennsportfans sind ein ehrliches Völkchen. Das bestätigen Hoteliers in Hohenstein-Ernstthal, Lichtenstein, Wüstenbrand und Meerane nach dem Grand-Prix-Wochenende auf dem Sachsenring, das für ausverkaufte Häuser gesorgt hatte. Aufs Jahr gesehen sieht es mit der Ehrlichkeit der Schlafgäste mancherorts nicht so rosig aus: Badetücher, Salzstreuer oder Waschbeckenstöpsel verschwinden gelegentlich auf mysteriöse Weise.

Keines der 90 Betten im Bürgerhof Wüstenbrand war frei. Wie Chef Rene Schulz versichert, ist nach der Abreise jetzt noch alles da: "Kein Fernseher fehlt", sagt er lachend. Viele sind Stammgäste, die kommen gern wieder und wollen willkommen sein. Auch übers Jahr gesehen freut er sich über ehrliche Gäste. "Wir haben auch keine aufwändigen Signaturen in den Handtüchern oder in der Wäsche, die vielleicht als Souvenirs gelten können."

Im Hotel "Drei Schwanen" in Hohenstein-Ernstthal gab es keinen Grund zur Klage. "80 Prozent sind Stammgäste", sagt Peggy Rusitschka. Und die haben schon fürs nächste Jahr wieder gebucht. Das Haus, das 64 Betten bietet, sichert sich ab. "Wir haben von allen die Kontaktdaten und so einen engen Draht zu den Gästen." Wenn mal eine Kleinigkeit fehlt, unterstellt die Geschäftsführung ein Versehen. Was gelegentlich Beine kriegt, sind die verchromten Stöpsel in den Waschbecken. Warum, ist der Chefin schleierhaft. Die passen nicht überall. Glühbirnen oder eine Speisekarte sind schon verschwunden. Handelt es sich um hochwertiges Inventar, dann verstehen die Hoteliers keinen Spaß und gehen der Sache nach.

Einige Rennsportfreunde sind sogar noch jetzt im Lichtensteiner "Goldenen Helm", von dem Chefin Peggy Rusitschka in punkto Ehrlichkeit das gleiche sagen kann. Die 74 Betten waren belegt. "Sonst übernachten dort häufig Geschäftsreisende von Firmen, mit denen wir schon lange zusammenarbeiten", erklärt die Chefin, warum es keinen Ärger mit Langfingern gibt. "Wenn im Jahr was wegkommt, kann man das an einer Hand abzählen."

Im Parkhotel Meerane mit seinen 80 Betten ist man voll des Lobes über die Rennsportteams, die dort übernachteten. "Die bringen alles mit, was sie brauchen: Laptops, sogar die Kabel dafür", sagt Hotelmanager Ronny Herzog.

Auch der Meeraner Hotelier Andreas Barth hat ehrliche Häute verabschieden können. Übers Jahr gesehen sei das aber nicht die Norm. "Salz-und-Pfeffer-Streuer, Aschenbecher, Bademäntel - manche nehmen mit, was in die Jacke passt", ärgert sich der Chef vom Hotel Schwanefeld. Mittlerweile entsteht ihm dadurch ein wirtschaftlicher Schaden, der schon richtig wehtut.

 
erschienen am 20.07.2010 ( Von Uta Pasler )
 
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