Rohre Diese 3 Rohre wurden nun vom Kanalschacht quer über das Grundstück von Kerstin Friedrich verlegt. Bei Starkregen kann das Wasser jetzt in den Rödlitzbach abfließen. "Da fließen dann alle Fäkalien gleich mit in den Bach", ärgert sich die 38-jährige Anwohnerin.

Foto: Jens Arnold

Nach Fäkalienflut gibt's jetzt neuen Ärger

Baufirma verlegt Rohre über Privatgrundstück und beschädigt dabei Wurzeln alter Weimutskiefern - Besitzerin erstattet Anzeige bei der Polizei

Hohndorf/Rödlitz. Hohndorf/Rödlitz. Fäkalien auf einem Großteil des rund 2000 Quadratmeter großen Grundstücks An der Gärtnerei 1 in Hohndorf haben Besitzerin Kerstin Friedrich nach dem starken Regenguss vor einer Woche Nerven gekostet. Aber was jetzt passiert ist, das geht ihr zu weit.

Weil offenbar das weitere Überlaufen des unmittelbar an der Grundstücksgrenze anschließenden Sammlers verhindert werden sollte, hat der Abwasserentsorger drei Rohre zum Ableiten das Wassers von dort aus quer durch den Garten zum Rödlitzbach verlegt. Dabei wurde so unvorsichtig vorgegangen, dass die Wurzeln von zwei mehr als 70 Jahre alten Weimutskiefern stark geschädigt wurden. "Vor allem deshalb habe ich Anzeige erstattet", sagt Friedrich. Das hat Polizei-Pressesprecher Frank Fischer bestätigt. Die Anzeige gegen die im Auftrag des in Glauchau ansässigen Abwasserentsorgers (WAD) arbeitende Baufirma werde geprüft. "Wenn der Verdacht einer Straftat vorliegt, wird der Fall an die Staatsanwaltschaft weitergeleitet", sagt Fischer.

Ursache für das Überlaufen sind die im Bereich Hohndorf/Rödlitz neu verlegten Abwasserrohre, die derzeit noch mit dem alten System, das einen kleineren Rohrdurchmesser hat, verbunden sind. "Ich verstehe nicht, wieso die neuen Rohre verlegt wurden und erst jetzt das Überlaufbecken gebaut wird", sagt Kerstin Friedrich. Vom Grundstück blickt sie auf die Baustelle, die sich mitten in der benachbarten Rödlitzer Kleingartenanlage befindet und auch dort wegen des täglichen Lärms für Verärgerung sorgt.

Ob der an den Bäumen entstandene Schaden so groß ist, dass sie keine Überlebenschance mehr haben, ist unklar. "Folgeschäden, die sich erst in 3 oder vielleicht 5 Jahren zeigen, sind durchaus möglich. Zwingend passieren muss da aber nichts", sagt Thomas Reinhold, Geschäftsführer des in Hermsdorf ansässigen Baum- und Landschaftspflegebetriebes "Grünland". Seine Firma hatte sich den Schaden angeschaut. "Wir haben Frau Friedrich empfohlen, ein richtiges Gutachten erstellen zu lassen, damit sie etwas in der Hand hat, falls sich später doch Schäden zeigen sollten", sagt Reinhold. Er weist aber darauf hin, dass die Bäume bereits durch eine Krankheit vorgeschädigt sind. Und er zeigt Verständnis für die Baufirma: "Das war eine Havarie, da musste sicher schnell gehandelt werden."

WAD-Bauleiter Guido Günther bedauert den Vorfall. Aber es habe unverzüglich reagiert werden müssen. Wie er sagt, wird nur stark verdünntes Abwasser in den Rödlitzbach abgeführt. Welche Konsequenzen die Anzeige bei der Polizei haben könnte, dazu wollte er sich nicht äußern. Günther sieht allerdings auch Probleme, den geplanten Fertigstellungstermin des Bauvorhabens, der für Oktober angekündigt war, zu halten. Der Grund sind im Erdreich verborgen liegende Starkstromkabel, die in den Unterlagen nicht eingezeichnet waren. "Das hat uns zeitlich zurückgeworfen, sodass sich die Baustelle bis ins neue Jahr hineinziehen kann."

 
erschienen am 29.07.2010 ( Von Jens Arnold )
 
Kommentare
0
(Anmeldung erforderlich)

 
 
 
Artikel weiter empfehlen
per E-Mail per Bookmark
 
Facebook Teilen   Twittern