Post an Kinder ärgert die Eltern

VfL 05 Hohenstein-Ernstthal lässt rund 300 Werbebriefe versenden - Verbraucherschützer: Vorgang ist rechtens

Hohenstein-Ernstthal/Oberlungwitz. Hohenstein-Ernstthal/Oberlungwitz. Annett und Uwe Hallbauer aus Oberlungwitz haben Wut. Sie glauben, dass mit Daten ihrer Kinder rechtlich nicht einwandfrei umgegangen worden ist. Anders können sie sich nicht erklären, wieso die Söhne Andreas (9) und Christian (13) jetzt Post vom Hohenstein-Ernstthaler Sportverein VfL 05 bekommen haben.

Familie Hallbauer hatte beim Anblick der Briefe sofort einen Verdacht: "Die sehen so aus wie das Papier, auf denen die Essenpläne von Elli Spirelli gedruckt sind." Das allein wäre nicht verwunderlich. Aber die Tatsache, dass Christian inzwischen eine Schule besucht, die Elli Spirelli gar nicht beliefert, macht die Hallbauers stutzig.

Laut Marion Schmidt von der Verbraucherzentrale Sachsen ist daran nichts auszusetzen. Denn der Essenanbieter versichere, dass er die Adressen für jene rund 300 Briefe, die im Auftrag der Jugendabteilung des Sportvereins verschickt wurden, nicht dem Verein genannt habe. Vielmehr seien sie firmenintern bearbeitet worden. "In dem Fall handelt es sich um Werbepost, die man als Empfänger nicht annehmen muss", sagte Schmidt. Man könne auch eine Unterlassung fordern, weiterhin solche Briefe zu erhalten. Die Eltern bleiben skeptisch, denn VfL-Vorsitzender Heiko Fröhlich ist auch Geschäftsführer der Firma Frische Vielfalt, zu der Elli Spirelli gehört. Hat Fröhlich also quasi mit sich selbst die Adressen getauscht?

Er versichert, dass die Idee mit den Faltblättern von VfL-05-Jugendwart Christian Pätzold stammt. Der habe mit Elli-Spirelli-Geschäftsführerin Heike Schmalfuß den Vertrag über das Versenden der Briefe ausgehandelt.

Werbung sei auf den Essenplänen ein wichtiger Faktor. Der habe dazu beigetragen, dass die Preise für die Mittagessen an Kindereinrichtungen stabil bleiben können. Dabei werde darauf geachtet, dass es sich ausschließlich um Werbung handelt, die etwas mit der Persönlichkeitsentwicklung von Mädchen und Jungen zu tun hat. Auch Werbung von Sport- oder anderen Vereinen werde gern veröffentlicht. Die VfL-Werbung wäre laut Fröhlich normalerweise ebenfalls auf den Essenplänen erschienen, wenn nicht gerade Ferien wären.

Dass Christian Hallbauer Post bekam, liegt daran, dass er früher ebenfalls von Elli Spirelli Essen bezogen hat. Dass sein Name nicht aus den Firmenlisten entfernt wurde, sieht Verbraucherschützerin Marion Schmidt nicht als Problem.

 
erschienen am 23.07.2010 ( Von Jens Arnold )
 
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