Städteehe: Bürger wollen Chemnitz nicht
Bürgerinitiative setzt sich für Zusammenschluss der Nachbarstädte Oberlungwitz und Hohenstein-Ernstthal ein
Oberlungwitz/Hohenstein-Ernstthal. Oberlungwitz/Hohenstein-Ernstthal. Aus Angst, die Stadt Oberlungwitz könnte spätestens 2025 zu einem Ortsteil von Chemnitz werden, hat sich jetzt eine Bürgerinitiative "Für eine gemeinsame Stadt" gegründet. Die verfolgt das Ziel, die Nachbarstädte Oberlungwitz und Hohenstein-Ernstthal zum "Radebeul von Chemnitz" zu machen. Das sagte Albrecht Mugler, einer von derzeit 35 Mitgliedern der Bürgerinitiative (BI). Rabebeul sei einst aus mehreren Orten entstanden und heute beliebter Vorort von Dresden - in Radebeul wohne und in Dresden arbeite man.
Auch die jetzt noch eigenständigen Städte Hohenstein-Ernstthal und Oberlungwitz hätten solches Potenzial: "Es ist eine gute Wohn- gegend mit Südhanglage und Blick aufs Erzgebirge, es gibt eine passable Infrastruktur und eine hervor- ragende Wirtschafts-Infrastruktur", sagte er. Aber erst die Summe aus all dem mache die Qualität des Standortes aus. Das könne nur gemeinsam geschafft werden. Erreicht werden müsste aber in jedem Fall, dass sich ein Zusammenschluss für beide Orte vorteilhaft auswirke.
Thomas Lindner hat das in einem Faltblatt, das an alle Oberlungwitzer Haushalte verteilt werden soll, optisch deutlich gemacht. Eine Grafik zeigt die Stadt Chemnitz, wie sie gewachsen ist. 1994 kam Euba hinzu. 1997 wuchs die Stadt um die Gebiete von Klaffenbach, Einsiedel und Kleinolbersdorf-Altenhain. 1999 wurden noch Mittelbach, Grüna, Röhrsdorf und Wittgensdorf zur Stadt zugeschlagen. Dieses Schicksal könnte auch Hohenstein-Ernstthal und Oberlungwitz drohen, befürchtet BI-Mitglied Thomas Schubert. Grund für diese Sorge ist das angekündigte Leitbild des Freistaates Sachsen für die künftigen Verwaltungsstrukturen. "Orte in der Nähe von Oberzentren müssen dann mindestens 8000 Einwohner haben. Wenn wir uns also nicht rechtzeitig mit Hohenstein-Ernstthal einigen, könnte es sein, dass uns Chemnitz einfach übernimmt", sagte Schubert. "Besser mit Hohenstein-Ernstthal zusammengehen, als uns nach Chemnitz eingemeinden lassen", das ist auch für Pfarrer Ragnar Quaas die einzig mögliche Option. Er hat aus Urlaubsgründen bei der ersten öffentlichen Präsentation der Bürgerinitiative gefehlt, seine Gedanken aber in einem Schreiben kundgetan. Das hat Heinz Schlamber, katholischer Pfarrer mit Zuständigkeit für beide Stadtgebiete, vorgelesen. Schlamber unterstützt das und sagt: "Es war insgeheim schon immer mein Wunsch, dass die Städte nicht nur kirchlich, sondern auch politisch zusammenkommen."
Die Namensliste der BI-Mitglieder kann sich sehen lassen: Albrecht Mugler ist Vorstand der weltweit tätigen Mugler AG, Thomas Lindner ist Chef der Strumpfwerke Lindner und Dietmar Roth ist Vorstandsvorsitzender von Roth und Rau, Thomas Schubert ist Gynäkologe in Oberlungwitz und Michael Ackermann Rektor der Humboldt-Grundschule. Die Liste aus Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens beider Städte, die die Bürgerinitiative unterstützen, könnte fortgeführt werden. Sie alle wollen Impulse an die Einwohner beider Städte, vor allem aber an die Oberlungwitzer Stadträte geben. "Wir wollen, dass unsere Bürgervertreter dieses Thema nicht länger abblocken", sagte Dorit Brodhun.