Politesse Eine Stelle von vielen: Carmen Martin, Politesse der Stadt, nimmt am Eckgebäude August-Bebel-Straße/Schützenstraße in Hohenstein-Ernstthal ein Wildwuchs-Vergehen auf.

Foto: Markus Pfeifer

Unkraut wuchert ohne Geldwucher: Städte verwarnen kaum

Grün wächst gerade an herrenlosen Grundstücken vor sich hin - Viele Eigentümer kommen ihren Pflichten nicht nach - Selten Verwarngelder

Hohenstein-Ernstthal/Lichtenstein/Oberlungwitz. Hohenstein-Ernstthal/ Lichtenstein/ Oberlungwitz. Gras auf dem Bürgersteig, Sträucher und kleine Bäume an den Mauern, völlig zugewachsene Verkehrszeichen - wenn Hauseigentümer der Natur freien Lauf lassen, können sie schon mal ein "grünes Knöllchen" bekommen. Die Städte halten sich jedoch beim Thema Verwarngeld meist zurück. Nur in schweren Fällen verhängen sie Strafen.

Erst zweimal sind in diesem Jahr Verwarngelder wegen zugewachsener Bürgersteige in Hohenstein-Ernstthal verhängt worden. Abstrafen könnte die Stadt öfter. "Es gibt Eigentümer, bei denen es immer wieder Probleme gibt", sagte Urte Reichel, Sachbearbeiterin im Hohenstein-Ernstthaler Ordnungsamt. Viele würden es einfach drauf ankommen lassen. 25 Euro Verwarngeld seien eben günstiger als ein Hausmeisterservice. Oft kämen Grundstücksverwaltungen daher nicht ihrer Pflicht nach. Unkraut kann dann ungehindert wachsen. Am Ort des Geschehens aktiv wird die Stadt erst, wenn Gefahr im Vollzug ist. Zum Beispiel könne ein zugewachsenes Verkehrszeichen ein Risiko darstellen. Bringt die Verwarnung nichts, greift die Stadt selbst zu Harke und Astsäge. Die Ersatzvornahme wird den Verursachern in Rechnung gestellt. Im Schnitt müssen laut Reichel etwa 100 Euro bezahlt werden.

In besonders schweren Fällen könnte die Stadt zudem Zwangsgelder verhängen. Je nach Fall betragen sie bis zu 200 Euro. Sollte der Abgestrafte nicht zahlen, sind Lohnpfändungen möglich. "Vor zwei, drei Jahren gab es Zwangsgelder in Hohenstein-Ernstthal noch. Sie wurden aber abgeschafft", sagt Urte Reichel. Vielmehr werde versucht, auf die Verursacher zuzugehen und mit Gesprächen Lösungen zu finden. Allerdings sei das nicht immer möglich. Es gebe mehrere herrenlose Grundstücke. Sorgt die Stadt an ihnen für Ordnung und Sauberkeit, bleibt sie auf den Kosten sitzen. "Wir machen das nur, wenn es unbedingt nötig ist."

Ebenfalls zurückhaltend gibt sich die Stadt Lichtenstein. "Grüne Knöllchen wegen der Nichterfüllung der Anliegerpflichten werden in Lichtenstein kaum verteilt", sagte Beigeordnete Dagmar Hamann. Insgesamt 111 Eigentümer seien in diesem Jahr bislang angeschrieben und zum Handeln aufgefordert worden. Gründe für Verstöße gebe es viele. "Manche Grundstückseigentümer wohnen nicht in ihrem Haus. Dann haben sie die Flächen nicht im Blick. Andere sind nicht in der Lage, Ordnung zu halten, oder sie kennen ihre Pflichten nicht", erklärte Hamann.

Keine "grünen Knöllchen" gebe es in Oberlungwitz, so Bürgermeister Steffen Schubert (parteilos). Es werde eine andere Arbeitsweise bevorzugt. "Bevor Verwarngelder eingefordert werden, sprechen oder schreiben wir die Grundstückseigentümer an. Das hat meist zur Folge, dass die festgestellten Mängel umgehend abgestellt werden", sagt er. "Dadurch werden die Bürger nicht übermäßig verärgert." In den vergangenen Jahren sei so die Anzahl der angezeigten Mängel durch Nachbarn oder Passanten kontinuierlich zurück gegangen.

 
erschienen am 30.07.2010 ( Von Georg Müller )
 
Kommentare
0
(Anmeldung erforderlich)

 
 
 
Artikel weiter empfehlen
per E-Mail per Bookmark
 
Facebook Teilen   Twittern