Eine Geisterfahrerin ist am Donnerstagnachmittag bei einem Unfall auf der A4 ums Leben gekommen. Eine Geisterfahrerin ist am Donnerstagnachmittag bei einem Unfall auf der A4 ums Leben gekommen.

Foto: Andreas Kretschel

82-jährige Geisterfahrerin kommt auf A4 ums Leben

Zwei weitere Fahrer verletzt - Getreide-Transport in Oberlungwitz umgekippt

Wüstenbrand/Oberlungwitz. Gleich zwei Unfälle innerhalb kurzer Zeit haben am Donnerstagnachmittag die Rettungskräfte der Region in Atem gehalten. Hunderte Autofahrer mussten Umleitungen und stundenlange Staus in Kauf nehmen. Bis zum Abend reihte sich eine Stoßstange an die andere.

Dramatische Szenen haben sich am Donnerstagnachmittag auf der A 4 abgespielt: Die Tour einer betagten Geisterfahrerin endete an der Abfahrt Wüstenbrand tödlich. Die 82-Jährige war mit ihrem Peugeot mit Glauchauer Kennzeichen gegen 15.20 Uhr offenbar an der Anschlusstelle Hohenstein-Ernstthal auf die Autobahn gefahren - zunächst in Richtung Gera. Dann aber wendete sie plötzlich. Knapp acht Kilometer fuhr sie dem Verkehr auf der vollen A 4 entgegen - bis Wüstenbrand. Während ein anderer Fahrer per Handy den Notruf der Polizei wählte und die Beamten informierte, stieß die Rentnerin in ihrem Auto mit drei entgegenkommenden Fahrzeugen zusammen. Die Frau starb.

Die Fahrer eines Ford und eines VW Caddy wurden schwer verletzt. "Der Fahrer des anderen Ford kam mit dem Schrecken davon", sagte Polizeisprecher Frank Fischer. Im Einsatz war auch die Freiwillige Feuerwehr Hohenstein-Ernstthal. "Wir sind mit 14 Leuten ausgerückt. Als wir ankamen, waren die Opfer schon geborgen", sagte Einsatzleiter Uwe Bodach. Rund eine Stunde brauchten die Männer, um die Fahrzeuge zu sichern und Ölspuren zu beseitigen.



Umleitung übers Vogtland

Die Autobahn wurde in Richtung Gera bis in die späten Abendstunden gesperrt, der Verkehr ab Wüstenbrand durch die Karl-May-Stadt bis zur Auffahrt Hohenstein-Ernstthal umgeleitet. Dem überregionalen Durchgangsverkehr empfahl die Polizei per Verkehrsfunk sogar, schon am Kreuz Chemnitz auf die A 72 und dann bis zum Dreieck Vogtland zu fahren. Dennoch staute es sich bis zum Abend quer durch Hohenstein-Ernstthal.

"Ich bin auf dem Weg nach Rudolstadt. Da es nicht weitergeht, verlege ich meine Pause nach vorn", sagte etwa Laster-Fahrer Knut Kühn, der auf einem Parkplatz an der Straße Am Sachsenring seinen Laster stoppte. Wie es zu dem Unfall kommen konnte, war zunächst unklar. Die Polizei sucht dringend Zeugen.

Fast zeitgleich gab es in Oberlungwitz einen weiteren Unfall: Ein Traktor der Bernsdorfer Getreidehandelsgesellschaft bog mit seinem Anhänger von der Hofer Straße nach rechts auf die Stollberger Straße ab. Dabei kam der Hänger ins Kippen. Rund sechs Tonnen Getreideschrot landeten auf einem Skoda und auf der Straße. Beide Fahrer blieben unverletzt. Schaden entstand nach erstem Stand nicht. Es bildeten sich lange Staus.

Ein mit Getreideschrot beladener Hänger ist am Donnerstag in Oberlungwitz umgekippt. Ein mit Getreideschrot beladener Hänger ist am Donnerstag in Oberlungwitz umgekippt.

Foto: Andreas Kretschel

Getreide dient als Tierfutter

"Wir mussten etwa zwei Stunden warten, bis die Polizei den Unfall aufnahm", sagte Thomas Uhlig, Mitarbeiter der Getreidehandelsgesellschaft. Er organisierte mit seinen Kollegen mehrere Radlader, Besen und Schaufeln. "Wir hätten das Getreide schnell beseitigen können." Jedoch mussten die Männer warten, bis die Polizei alle Spuren gesichert hatte. Der Fahrer des Traktors wollte sich nicht äußern.
Warum der Hänger ins Kippen geriet, ist noch unklar. "Ich habe nur einen lauten Knall gehört", sagte ein Anwohner. Uhlig: "Dass ein Hänger ins Wanken gerät und umkippt, kommt schon mal vor." Die sechs Tonnen will das Unternehmen nicht entsorgen, sondern nach wie vor als Tierfutter verwenden.

 
erschienen am 22.03.2012
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
5
(Anmeldung erforderlich)
  • 24.03.2012
    18:46 Uhr

    gelöschter Nutzer: @ZwenAusZwota, man wird doch vom Gesetz gezwungen eine Fahrschule zu besuchen, eine Prüfung abzulegen und diese auch zu bestehen. Ist das kein Zwang - vom Gesetz -zum Lernen...."
    Jeder Mensch ist selbst für sein Wissen und Können verantwortlich - richtig - aber auch dafür, dass andere mit ihrem Allerwertesten nicht auf dem Obduktionstisch landen. Und das sieht nämlich nicht besonders schön aus, das können Sie mir glauben.
    Man sollte staatlicherseits daran arbeiten, dass wieder eine gewisse Einsicht vor gesetzlichen Regelungen wie der StVO einzieht. Manche scheinen der Meinung zu sein, dass es sich hiebei nur um Vorschläge des Gesetzgebers handelt, deren Einhaltung nach Gutdünken erfolgen kann und über deren Kontrolle der geneigte Fahrzeugführer zu entscheiden hat.
    Ab einem gewissen Alter sollte man sich regelmäßig einem Test unterziehen müssen aber - und jetzt kommts - es kann ja nicht sein, dass man dann feststellt, dass der Mensch zwar noch mit 70 zur Arbeit gehen darf, ja gehen, denn den Führerschein müsste der eine oder andere dann schon abgegen haben.
    Das halte ich für den eigentlichen Grund warum man ältere Menschen nicht zum Test schickt.

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  • 24.03.2012
    11:48 Uhr

    schnellleserin: @ZwenAusZwota: Ich weiß... aber vielleicht sollte man es deshalb so machen, dass alle in bestimmten Abständen gehen müssen. Ich kenne Frauen, die einen Führerschein haben, aber seit mind 25 Jahren keine Fahrpraxis. Ich kenne junge Menschen mit Drogenproblemen bzw. ungesundem Alkkonsum, die auch im berauschten zustand fahren....

    Letztendlich muss man auch mit einem 3 Jahre alten Auto zum TÜV und nicht erst mit einem 10jährigen.

    Vielleicht müsste man bei diesem Thema einfach die Lobby ins Boot holen, die da auch was von hätte ;-)

    0 0
     
  • 23.03.2012
    14:05 Uhr

    ZwenAusZwota: @schnelleserin: ich hatte diesbezüglich mal eine Petition beim Bundestag eingereicht. Antwort: jeder Mensch ist für sein Wissen und Können selbst verantwortlich und kann und darf nicht vom Gesetz zum Lernen oder zur Überprüfung seiner Fähigkeiten gezwungen werden... Petition abgelehnt!
    Die Sache ist die, die Rentner stellen eine nicht zu unterschätzende Käuferschaft von u.a. teuren Autos dar. Deshalb wird die KFZ-Lobby alles daransetzen, zu verhindern, dass ältere Bürger ihren Führerschein verlieren...

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  • 23.03.2012
    12:54 Uhr

    Wahrheit: Sorry aber "82-jährige[...]" sagt doch alles....

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  • 23.03.2012
    12:43 Uhr

    schnellleserin: Der Unfall der 82jährigen ist einer der Gründe, weshalb ich regelmäßige Tests einführen würde, die man absolvieren muss, um den Führerschein zu behalten.

    Nicht unbedingt nur bei älteren Menschen.
    Aber der Straßenverkehr heutzutage stellt schon teilweise sehr hohe Anforderungen an die Autofahrer; man muss schnell reagieren können und den ÜBerblick behalten.
    Sicher kann das auch ein Mensch mit 82 durchaus noch - aber die Wahrscheinlichkeit sinkt.

    Bei jüngeren Menschen kann es andere Ursachen geben (z. B. Drogen, Alkohol).

    Das Auto muss zum TÜV - leider stellt aber die Technik in den selteneren Fällen ein Problem dar - richtig gefühlich wird es, wenn der Mensch hinter dem Steuer versagt

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