Früher Rathaus, jetzt Kulturelle Begegnungsstätte: Wie die Zukunft des Hauses aussehen wird, steht in den Sternen, denn die Gemeinde will sich von dem Gebäude trennen.
Foto: Andreas Kretschel
Callenberg verkauft das Reichenbacher Tafelsilber
Das 5400 Einwohner zählende Dorf will den Haushalt sanieren
Callenberg. Wie der Rufer in der Wüste warnte Ratsmitglied Heinz Prüstel (CDU): "Grund und Boden verkaufe ich erst, wenn ich total am Ende bin." Geholfen hat es nicht: Das knapp 1300 Quadratmeter große Grundstück in Reichenbach, auf dem sich die Turnhalle und der Jugendklub befinden, soll an den Mann gebracht werden. Wie auch die Kulturelle Begegnungsstätte einschließlich des Grund und Bodens, auf dem sie steht. Der Callenberger Gemeinderat, der sich freiwillig zum Sparen verpflichtet hat, macht ernst, obwohl der Haushaltsplan, der den aktuellen Schuldenstand verrät, noch in Arbeit ist. Die Entscheidungen fielen mehrheitlich.
Nachdem die Räte mehrfach eine Steueranhebung abgelehnt hatten, erstreben sie nun andere Einnahmen. In Reichenbach haben sie den Anfang gemacht. Während für die Begegnungsstätte zunächst ein Wertgutachten erstellt werden soll, existiert das für das Areal Turnhalle und Jugendklub bereits: Bei 59.000 Euro liegt der Verkehrswert.
Aus dem Bauch heraus fielen die Verkaufsentscheidungen keineswegs: Die Reichenbacher hatten einen Arbeitskreis gegründet, in dem Vertreter von Feuerwehr, Jugendclub, Heimatverein, Verwaltung sowie Rat saßen. Deren Vorschlag: Halle und Jugendclub sollen verkauft werden mit der Option eines dauerhaften Mietvertrags für die Jugendlichen. Falls das scheitert, wollen die jungen Leute einen Verein gründen und das Gebäude in Erbpacht übernehmen. Auch beim Verkauf der Begegnungsstätte soll gesichert sein, dass der Heimatverein dort bleiben darf. Steffi Waldenburger, Vorsitzende des rund 40 Mitglieder zählenden Vereins, saß selbst mit in der Arbeitsgruppe. "An der Begegnungsstätte hängt für uns viel Herzblut. Wir hoffen, dass wir das eine Zimmer weiter mieten können." Der Verein veranstaltet dort Heimat- und Hobbyabende. Die Dauerausstellung zum Nickelerztagebau im Haus, die über höchst seltene Krokoit-Funde informiert, ist Eigentum der Kommune.
Marcel Mann (Freie Wähler) war gegen den Verkauf des Turnhallenareals: "Damit geht uns der Platz verloren, auf dem wir früher Feuerwehr- und Schützenfest gefeiert haben." Hendrik Stiegler (Freie Bürgerbewegung) pflichtete ihm bei: "Einen Dorfplatz verkauft man nicht." Auch Peter Reichel (Die Linke) sprach sich gegen den Ausverkauf aus: "Wenn Turnhalle und Begegnungsstätte weg sind, ist der Ortsteil bis auf die Feuerwehr freigeräumt." Friedhelm Walter (FDP) war da anderer Meinung: "Wir nennen uns Callenberger. Aber jeder Ortsteil will sein kulturelles Zentrum behalten." Das sei unbezahlbar. Callenberg besteht immerhin aus sieben Ortsteilen. Das Kleinkarierte müsse verschwinden, sagte Walter. Bürgermeister Andreas Matthäi (Freie Wähler) erinnerte, dass die Gemeinde den Zug verpasst hatte, die Begegnungsstätte mit Fördermitteln zu sanieren. Jetzt reiche das Geld gerade noch für Notreparaturen.

