Indianerdorf

Foto: In seinem Indianerdorf am Stausee Oberwald begrüßt Frank Schneider eigentlich Schulklassen und Familien. Foto: Andreas Kretschel

Indianerdorf-Chef rettet Mann vor Kältetod

Frank Schneider findet völlig unterkühlten Mann - Vorfall gibt viele Rätsel auf

Callenberg. Der Schreck sitzt bei Frank Schneider, Chef des Indianerdorfes "Indian Valley" am Stausee Oberwald, immer noch tief. Er hat am Samstag einem 40-Jährigen offenbar das Leben gerettet. "Das ist keine besondere Sache. So etwas sollte jeder tun", sagte er am Montag.

Am Eingang des "Indian Valley" hatte Schneider den Mann gegen 14 Uhr gefunden. "Er lag im Schnee und zuckte, war aber nicht ansprechbar", sagte Schneider. "Er hatte mehrere rote Stellen und Erfrierungen." Schneider reagierte sofort. Er alarmierte den Rettungsdienst und holte eine Rettungsdecke. "Ich habe sie über ihn gelegt, damit er nicht weiter auskühlt." Wenige Minuten später kamen die Rettungskräfte am Indianerdorf an. Sie kümmerten sich um den Mann. Mit dem Hubschrauber wurde er in ein Krankenhaus geflogen.

Die Polizei hat die Ermittlungen aufgenommen. Der Mann komme aus dem Raum Stollberg, sagte Jana Kindt, Sprecherin der Polizeidirek-tion Chemnitz-Erzgebirge. Am Freitagabend habe er sein Zuhause verlassen. "Am Samstagmittag wurde er als vermisst gemeldet." Zu den genauen Hintergründen wollte sie sich nicht äußern. "Die Ermittlungen dauern an. Gegenwärtig kann aufgrund der Art der Verletzungen ein Einwirken Dritter nicht ausgeschlossen werden", sagte sie. Aber auch ein Unfall könne es gewesen sein. Ebenso komme ein Selbstmordversuch infrage. Gegen einen Suizid spreche jedoch die Art der Verletzungen. "Sie sind über den gesamten Körper verteilt. So etwas kann man sich nur schwer selbst zufügen."

Gleichzeitig wurde aber eine Art Abschiedsbrief gefunden, einen per Hand beschriebenen Zettel. Die Beamten entdeckten ihn in einem Auto. Der weiße Caddy war auf dem Parkplatz des Indianerdorfes abgestellt. In dem Volkswagen befanden sich außerdem Medikamente. Zum Zustand des Mannes sagte Kindt am Montagnachmittag: Er schwebt aber wegen seiner schweren Verletzungen in Lebensgefahr.

Frank Schneider kommt der Vorfall merkwürdig vor. Er kann sich nicht erklären, warum der Mann im Schnee lag. "Seine Knie waren wund. Es war überall Blut." Schneider glaubt, dass der Mann ein Stück vorwärts rollte. "Das konnte man am Schnee erkennen. Deswegen waren seine Knie wohl auch aufgeschürft." Das Tor des Indianerdorfes sei verschlossen gewesen. "Es ist einen halben Meter hoch. Er ist unter dem Tor durchgerollt und blieb anschließend dahinter liegen."

Schneider wundert sich vor allem über die recht dünne Bekleidung. Der 40-Jährige habe keine Handschuhe und keine Mütze getragen. "Seine Jacke war eher herbstlich. Wir hatten um die minus 13 Grad. So leicht bekleidet geht man da eigentlich nicht nach draußen." Ebenfalls auffällig: An einem der beiden Füße fehlte der Schuh. Selbst die Socke war verloren gegangen. Den Schuh entdeckte Frank Schneider auf der Zufahrtsstraße, etwa 300 Meter entfernt. "Da das Auto auf dem Parkplatz des Indianerdorfes abgestellt war, muss er erst in die eine Richtung gegangen und später rückgekommen sein." Sicher ist Schneider sich jedoch nicht.

Dass der Mann überhaupt gefunden wurde, war eher ein glücklicher Zufall. Wegen des Frostes hatte sich Frank Schneider auf den Weg in das Indianerdorf gemacht. "Eigentlich gehe ich immer erst am Abend." Der 48-Jährige wollte heizen, damit die Leitungen nicht einfrieren. Stattdessen entdeckte er den Mann. "Ausgerechnet an diesem Wochenende hatten wir keine Feier. Es war also wirklich niemand da. Ich werde wohl noch eine Weile brauchen, um das alles zu verarbeiten. Vielleicht ist ja später mal ein Kontakt zu dem Mann möglich, wenn es ihm besser geht." Schließlich hofft Schneider, so wie die Polizei auch, auf mehr Klarheit. Die Beamten suchen nun Zeugen, die etwas beobachtet haben.

Polizeikontakt: 03723 4000

 
erschienen am 06.02.2012 ( Von Georg Müller )
 
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