Hanna Siebenborn, Karla Schoppe, Axel Wunsch, Michaela List und Heidrun Weismann-Kahl (von links) suchen sich Glasuren für ihre Kunstwerke aus.
Foto: Andreas Kretschel
Kunst strahlt nach Brand in Blau
Zwölf Künstler kamen zum Keramik-Workshop "Türkis und Azur" nach Lichtenstein
Lichtenstein. Lichtenstein. Ein Blick in den 1050 Grad Celsius heißen, transportablen Gas-Brennofen im Garten von Karla Schoppe zeigt Peter Klube, Brandbetreuer und ehemaliger Schüler vom Leiter des Workshops Ralf Busz, wann die Tür geöffnet werden kann. "Die Glasur muss glatt sein und glänzen wie Schnee in der Mittagssonne", erklärt der Fachmann. Zwei bis drei Stunden waren die Töpfe, Becher oder Figuren aus Ton der Hitze ausgesetzt, nun warten die Künstler gespannt auf das Ergebnis. Das Urteil fällt sehr gut aus, sowohl Teilnehmer als auch Rolf Busz sind zufrieden.
Geformt wurden die Teile in Aufbaukeramik, das heißt die Endprodukte sind aus einzelnen Elementen mit der Hand zusammengesetzt worden. Eine Töpferscheibe wird dafür nicht benötigt. "Mit Aufbaukeramik wirken die Teile lebendiger, gedrehte Tassen oder Becher sind dafür im Gebrauch gefälliger", erklärt Peter Klube. "Mir gefällt das durch den Brand entstandene wilde Design ausgesprochen gut. Zudem finde ich den Krakeele-Effekt faszinierend. Meine Stücke sollen bewusst aussehen, als hätten sie Urmenschen gemacht", meint Hanna Siebenborn aus Pobershau. Die Malerin, Grafikerin und Textildesignerin probiert gern verschiedene kunsthandwerkliche Techniken aus.
Neben diesem Raku-Brand wurde beim diesjährigen Workshop auch erstmals der Brand im Pulverbett angewendet. Das besondere daran: Das fertige Produkt erstrahlt in einem leuchtenden Blau. "Diese Technik ist ein Vorläufer zur Herstellung von Glas und ein Beiwerk der frühen Bronzetechnik", erklärt der Wahl-Lichtensteiner Ralf Busz. Der 72-Jährige war 25 Jahre als Kunstprofessor an der Universität Kassel tätig. Sein Spezialgebiet ist das breite Feld der Keramik. Mit einem 30-köpfigen Forscherteam der Universität wurde der Brand im Pulverbett wiederbelebt. "Darauf gekommen sind wir durch historische Fundstücke", erklärt Busz.
Als Material für dieses Verfahren wird eine Kieselkeramikmasse benutzt. Künstlerin Meike Georgi aus Zwickau versuchte sich daran, eine eckige Dose mit Deckel zu formen. "Das ist ziemlich mühsam, die bröckelige Masse hält nur schwer zusammen. Aber es macht trotzdem viel Spaß. So ein Wochenende ist absolut interessant und anregend", meint die Malerin und Grafikerin.
Michaela List war zu allen drei bisher Workshops dabei, die bislang in Lichtenstein stattgefunden haben. "Es ist die tolle Atmosphäre unter allen Teilnehmern und eine ganz besonderes Flair bei Karla Schoppe und Ralf Busz, was mich fasziniert", sagt die Zwickauer Malerin und Keramikerin.


