Bundesstraße 173 Die komplette Bundesstraße 173 soll zwischen Chemnitz und Zwickau erneut unter die Lupe genommen werden. In Bernsdorf wehrt sich eine Bürgerinitiative gegen eine Brücke übers Tal. Ob das Bauwerk kommt, ist fraglich.

Foto: Andreas Kretschel

Ministerium prüft Alternative für Umgehungsstraße

Bau der Ortsumfahrung könnte ins Wasser fallen

Oberlungwitz/Bernsdorf. Für die Ortsumgehungen von Oberlungwitz und Bernsdorf an der Bundesstraße 173 zeichnet sich eine Entscheidung ab. Viele Jahre war die Straße versprochen, geplant und immer wieder verschoben worden. Nun wird die gesamte Trasse zwischen Chemnitz und Zwickau erneut im Sächsischen Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr geprüft. Eine Entscheidung soll im kommenden Jahr fallen.

Doch bereits jetzt zeichnet sich ab: Die Oberlungwitzer Ortsumgehung ist wohl vom Tisch. Ministeriums-Sprecher Ronald Krause bezeichnete die Variante mit Blick auf die bereits erkennbaren Kosten als "wenig aussichtsreich" - wenn Probleme auch mit kleineren Ausbaumaßnahmen gelöst werden können, "gegebenenfalls sogar besser", wie er sagte.

"Klarheit für die Bürger"

Als "eher unwahrscheinlich" schätzt der FDP-Landtagsabgeordnete Nico Tippelt den Bau der Ortsumgehung ein, nachdem er mit Staatssekretär Roland Werner vom Wirtschaftsministerium gesprochen hat. Aus seiner Sicht gehe die Tendenz dahin, dass entlang der bestehenden Strecke viele kleine Ausbaumaßnahmen umgesetzt würden. Vor allem die Kreuzung der Bundesstraßen 173 und 180 in Oberlungwitz soll geprüft werde, sagt Tippelt. Ministeriumssprecher Krause bestätigte dies der "Freien Presse".

Über die neue Entwicklung freut sich der Oberlungwitzer Stadtrat Ulrich Große (FDP). "Die Bürger haben es verdient, dass sie endlich Klarheit bekommen, wie es mit der Ortsumgehung weitergeht", sagte er. Bürgermeister Steffen Schubert (parteilos), der nach wie vor eine Umgehungsstraße für notwendig erachtet, hatte bereits in der vergangenen Woche Kritik geäußert. Damals war nach einem Besuch der Landtagsabgeordneten Ines Springer (CDU) bei der Bürgerinitiative "Ortsgestaltung Bernsdorf" öffentlich geworden, dass die Bundesstraße 173 möglicherweise herabgestuft wird. Aus Schuberts Sicht wollen Bundesregierung und Freistaat auf Kosten der Kreise und der Kommunen sparen. "Da werden Aufgaben immer schön nach unten abgegeben", kritisiert der Stadtchef, der vor allem auf den Freistaat schlecht zu sprechen ist.

Denn während das Weitergeben von Aufgaben mit sehr viel Elan betrieben werde, sehe das beim Geld laut Schubert anders aus. Vorhandene Zusatzeinnahmen würden nicht weitergereicht, klagt der Bürgermeister. Dass dann auch noch die Verantwortung für herab gestufte Straßen übernommen werden soll, sei einfach ein Unding. Deshalb wurde auch beim Landkreis Widerspruch dagegen eingelegt, die Verantwortung für die Straße Nutzung zu übernehmen. Diese soll zur Ortsstraße werden.

Die Pläne des Bundes und des Freistaates Sachsen, künftig Bundes- und Staatsstraßen nach unten abzustufen, bestätigte am Montag auch der Leiter des Straßenbauamtes, Thomas Lobe. "Welche Straßen konkret betroffen sind, ist uns zurzeit noch nicht bekannt", sagte er. Aus seiner Sicht wäre diese Verfahrensweise "eigentlich eine Katastrophe". Denn dann würden beispielsweise für den Unterhalt der B 173 statt 8000 nur noch 4000 Euro pro Kilometer zur Verfügung stehen. "Der Kreis müsste dann zur Gewährleistung der Verkehrssicherheit Geld aus dem Kreishaushalt beisteuern", sagte Lobe.

Gespräch mit Bürgermeistern

Die Bürgerinitiative (BI) "Ortsgestaltung Bernsdorf" hatte sich bereits vergangene Woche zufrieden darüber gezeigt, dass die Ausbauprojekte der B 173 kritisch hinterfragt werden. Denn den Bedarf für umfangreiche Neubauten sehen die BI-Mitglieder Uwe Zander und Thomas Nötzold nicht. Mit Blick auf die Situation in Bernsdorf wollen sie einen Ausbau der bestehenden Trasse - und keine Brücke über den Ort. Anfang des neuen Jahres soll es Gespräche mit den betroffenen Bürgermeistern geben, kündigte das Wirtschaftsministerium an.

 
erschienen am 19.12.2011 ( Von Thomas Mehlhorn und Markus Pfeifer )
 
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