Peter Sodann Mehrmals sammelte Peter Sodann mit Lesungen Geld, so auch vor dem Karl-May-Haus.

Foto: Andreas Kretschel/Archiv

Silberbüchse: Peter Sodann gibt Vorsitz ab

Ehemaliger Tatortkommissar widmet sich Bibliotheks-Traum

Hohenstein-Ernstthal. Paukenschlag im Karl-May-Jahr: Peter Sodann will künftig nicht mehr Vorsitzer des Hohenstein-Ernstthaler Vereins "Silberbüchse" sein. Am 25. Februar, dem 170. Geburtstag des Abenteuerschriftstellers, soll ein neuer Vorstand gewählt werden. So lange ist der ehemalige Tatortkommissar noch im Ehrenamt.

"Ich möchte mich voll und ganz einer anderen Aufgabe widmen. Es ist an der Zeit", erklärte er. Diese Aufgabe sei die neue Peter-Sodann-Bibliothek in Staucha bei Pirna. Dort gebe es jede Menge zu tun. Sodann will für seine rund 500.000 Exemplare umfassende Büchersammlung ein neues Zuhause schaffen. Dem Verein bleibe er treu - als normales Mitglied. "Man muss nicht immer im Vorstand sein, um etwas zu bewegen", sagte der 75-Jährige.

Sodann war im Mai 2009 von der Linken ins Rennen um die Wahl des Bundespräsidenten geschickt worden. Bereits damals fehlte ihm als Vereinsvorsitzender häufig die Zeit für alle vorgenommen Aufgaben. In den nächsten Jahren wird es nicht einfacher. Schließlich gibt es viele Herausforderungen. Sodann: "Der Verein braucht eine stetig wachsende Zahl von Mitgliedern, damit die Dinge, die wir uns vorgenommen haben, realisiert werden können." Derzeit sind es rund 130. Sie kommen aus ganz Deutschland und aus dem Ausland. Der Verein fördert das Karl-May-Haus. Im Jahr 2011 bekam die Interessengemeinschaft Karl-May-Haus drei Nachbargebäude geschenkt. Die Ausstellung könnte erweitert werden.

Hohenstein-Ernstthals Oberbürgermeister Erich Homilius (parteilos) findet es schade, dass Sodann nicht noch einmal antritt. "Irgendwann ist eben Schluss, man muss das akzeptieren", sagte er. Sodann hinterlasse große Fußstapfen. "Peter Sodann hat sich unheimlich eingebracht. Ich kann die Entscheidung verstehen", sagte André Neubert, Leiter des Karl-May-Hauses.

Nachfolgerin soll Griseldis Wenner werden. Die gebürtige Meeranerin, die in Callenberg aufwuchs, moderiert beim MDR die Talkshow "Unter uns - Geschichten aus dem Leben". Zudem ist sie seit mehreren Jahren ehrenamtliches Mitglied in der "Silberbüchse". Wolfgang Hallmann, Hohenstein-Ernstthaler Ortschronist, ist Patenonkel von Wenner. "Sie ist auf alle Fälle geeignet, allein wegen der Kontakte in den Medienbereich", sagte er.

Wenner sei die Wunschkandidatin, sagte Andreas Barth, Geschäftsführer des Vereins. "Sie ist bekannt, hat einen Bezug zu Karl May und kommt aus der Region." Entsprechend gut stehen die Chancen, dass die rund 130 Vereinsmitglieder sich bei der Vorstandswahl für die 41-Jährige aussprechen. Schließlich soll wieder ein prominentes Aushängeschild den Vorsitz übernehmen. "Mit Peter Sodann haben wir eine sehr bekannte Persönlichkeit an der Spitze. Er hat sich unheimlich engagiert." Um Geld für das Karl-May-Haus zu sammeln, gab Sodann zum Beispiel Lesungen.

Nicht nur beim Vorsitz kommt es zu Veränderungen. Auch Barth will'' sein Amt aufgeben. Zu den Gründen äußerte der Geschäftsführer sich am Montag nicht. Am 25. Februar soll sein Nachfolger gewählt werden. Einziger Kandidat ist derzeit Vereinsmitglied Ralf Harder. Der 49-Jährige kümmert sich als Redakteur um das Magazin "Der Beobachter an der Elbe". Das Blatt berichtet unter anderem über die Hohenstein-Ernstthaler Karl-May-Szene.

Innerhalb des Vorstandes wollen weitere Mitglieder sich nicht erneut zur Wahl stellen. Gibt es Schwierigkeiten oder Querelen? Barth: "Der Verein funktioniert. Es existiert eine gute Zusammenarbeit, auch mit der Stadt. Die Wahl stand turnusgemäß an. Sie findet aller drei Jahre statt." 2006 war die "Silberbüchse" gegründet worden. Seitdem sind Peter Sodann und Andreas Barth im Amt. Karl Mays 170. Geburtstag sei bewusst als Wahltermin ausgesucht worden. "Im Karl-May-Haus wird eine neue Sonderausstellung eröffnet. Unsere Mitglieder können dadurch erst abstimmen und später bei der Schau dabei sein." (mit pstp)

 
erschienen am 23.01.2012 ( Von Georg Müller )
 
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