Vielen Kindern schmeckt Schulessen nicht
In Lichtenstein regt sich Widerstand
Lichtenstein. Lichtenstein. Seit fünf Jahren bemüht sich Antje Knoll darum, dass sich etwas am Schulessen ihrer Tochter, die die Kleist-Mittelschule besucht, ändert. Denn die sagt ständig, dass es ihr nicht schmeckt. Jetzt schöpft Antje Knoll Hoffnung.
Der Schulträger, die Stadt, hat für alle Einrichtungen einen Vertrag mit der Speiseversorgung Wilfried Fritzsche in Limbach-Oberfrohna abgeschlossen. Dieser Vertrag läuft seit elf Jahren. Über einen Wechsel des Anbieters ist allerdings noch nicht ernsthaft nachgedacht worden. Bürgermeister Wolfgang Sedner (CDU), der die Kritik vieler Eltern kennt, sagt: "1,75 Euro konstant über zehn Jahre zu bezahlen, das wird bei einem Wechsel nicht möglich sein zu halten."
Immer wieder hatte Antje Knoll mit Elternrat und Schulleitung über das Mittagessen gesprochen. Inzwischen weiß sie, dass auch andere so denken wie sie. Gemeinsam mit Elternvertretern des Schneider-Gymnasiums entstand ein Fragebogen, der in allen Schulen verteilt wurde. Die Eltern sollen mit den Kindern unter anderem klären, wie ihnen das Essen schmeckt, ob zu viel oder zu wenig auf dem Teller ist und ob die Zeit fürs Mittagessen reicht. Gefragt wird in den Klassenstufen 1 bis 7. "Bei den Großen essen ohnehin nicht mehr viele mit", sagt die Mutter. Schon jetzt steht fest: An der Kleist-Grundschule bleibt die Speiseversorgung Fritzsche Partner. Für die anderen Schulen besteht Handlungsbedarf. Dort habe man sich gegen den bisherigen Speiseversorger ausgesprochen, sagt Knoll.
Sedner will die Verträge allerdings nicht Hals über Kopf kündigen. Unterstützung erhält er von der Vernetzungsstelle Kita- und Schulverpflegung Sachsen. Deren Mitarbeiterin Heide Lülow-Püschmann war am Mittwochabend Gast eines Forums des Kreisverbandes Bündnis 90/Die Grünen zum Thema Schulspeisung. Sie plädiert dafür, mit dem Essenversorger über mögliche Probleme zu sprechen und in den Verträgen kontrollierbare Qualitätsmerkmale festzulegen. Dabei sollte man sich an die Standards halten, die die Deutsche Gesellschaft für Ernährung herausgegeben hat. Und Lülow-Püschmann findet noch einen Fakt ganz wichtig: "Auch die Lehrer sollten in der Schule mitessen, damit sie wissen, wovon die Kinder sprechen."
In Glauchau bestand das gleiche Problem wie in Lichtenstein. Fast 20 Jahre lang war dort das Limbach-Oberfrohnaer Unternehmen Partner für die Schulspeisung. Nach anhaltender Kritik einigten sich Schulleitungen, Elternvertreter und Stadtverwaltung im Februar darauf, die Verträge zu kündigen und neu auszuschreiben. Wilfried Fritzsche, Geschäftsführer der Speiseversorgung, war am Donnerstag für ein Gespräch nicht erreichbar. Im Fall Glauchau hatte er im Februar aber Kritik an der Qualität des Essens zurückgewiesen.
Zufrieden mit dem Essenanbieter aus Limbach-Oberfrohna ist hingegen der Trägerverein Eurogymnasium Waldenburg, der Schulen in Waldenburg, Meerane und Lichtenstein sowie einen Kindergarten betreibt. Nach der Diskussionsrunde vom Mittwochabend steht für Vorstand Rüdiger Baars trotzdem fest: "Wir werden die Essenpläne von der Vernetzungsstelle prüfen lassen." Das Ergebnis soll mit der Firma Fritzsche ausgewertet werden.


