Maurice Jost (links) mit Bruder Melvin in seinem neuen Kinderzimmer in Heinrichsort. Das Bild an der Dachschräge vom Leipziger Künstler Michael Fischer-Art ist ein Geschenk der Uni-Klinik.
Foto: Andreas Kretschel
Maurice segelt mit Piraten nach Hause
Seitdem ein neues Herz in seiner Brust schlägt, ist der Neunjährige fast wieder ein ganz normaler Junge
Heinrichsort. Heinrichsort. Jeder neue Tag ist für Maurice Jost ein kleiner Schritt in Richtung Normalität. Seit der Neunjährige im vergangenen Oktober ein neues Herz erhalten hat, kämpft er sich in ein Leben zurück, wie es für andere Kinder in seinem Alter ganz normal ist.
Das schien lange Zeit unerreichbar. "520 Tage war ich mit meinem Sohn im Herzzentrum in Leipzig, bis endlich die erlösende Transplantation erfolgen konnte", sagt Yvonne Jost. Es war eine Zeit, die der gesamten Familie alles abverlangt hat, schließlich durfte auch Melvin, der große Bruder von Maurice, nicht hintenanstehen.
Nun sind Maurice und Melvin unzertrennlich. "Bislang haben sie sich noch kein einziges Mal gestritten", berichtet Yvonne Jost. Dies hat sich auch im neuen Heim in Heinrichsort nicht geändert. "Nach der Transplantation mussten wir unsere bisherige Wohnung auf dem Bauernhof aufgeben. Denn dort gibt es zu viele Keime, die für Maurice lebensbedrohlich sein können", sagt die 35-Jährige. Denn damit das fremde Herz nicht wieder abgestoßen wird, muss Maurice täglich Tabletten schlucken, um die normale Reaktion seines Immunsystems zu unterdrücken.
"Außerdem muss ich früh und abends meinen Blutdruck und die Temperatur messen", erklärt Maurice. Laut seiner Mutter macht er das alles ganz allein. "Maurice ist durch seine schwere Erkrankung sehr gereift", sagt sie. Selbst eine leichte Erkältung hat er im Winter ohne Probleme überstanden. Fieber darf er jedoch nicht bekommen.
Besonders gefreut hat er sich über sein neues Zimmer. Schließlich befindet sich an der Dachschräge ein unbezahlbares Unikat von Michael Fischer-Art. "Ich hatte mir für mein Zimmer ein großes Piratenschiff von dem Künstler gewünscht", erzählt Maurice. Das hat der Leipziger an nur einem Tag kunstvoll in seinem für ihn typischen Stil an die Wand des Kinderzimmers gebracht. "Das war ein Geschenk für Maurice vom Herzzentrum", sagt Yvonne Jost. Auch weiterhin muss Maurice regelmäßig in die Messestadt zur Nachsorgeuntersuchung. Und bislang verläuft alles so gut, dass einem normalen Leben für den Neunjährigen nichts im Wege steht.
Deshalb kann Maurice auch wieder in die Schule gehen. "Ich bin sehr gut aufgenommen worden", sagt er. Obwohl er nun erstmals auch Zensuren bekommt, ist seine Freude an der Schule ungebrochen. "Meine erste Note habe ich in Deutsch bekommen. Es war eine Zwei", berichtet er nicht ohne Stolz. Nach der langen Zeit im Krankenhaus darf Maurice auch endlich wieder einen Sommer erleben. "Ich freue mich bereits auf den Urlaub mit meinen Eltern."
Eine große Reise ist jedoch nicht geplant, denn es stehen auch noch einige Arbeiten an dem Eigenheim an. "Wir werden mit unseren Kindern verschiedene Ausflüge machen", sagt Yvonne Jost. Allerdings muss die Familie immer darauf achten, dass mögliche Krankheitserreger von Maurice fernbleiben. "Jeder Gast muss sich bei uns die Hände gründlich waschen und desinfizieren", erklärt die 35-Jährige. Auch ein täglicher Handtuchwechsel ist Pflicht.
Zudem darf Maurice niemanden die Hand geben. Doch mittlerweile sind die vielen kleinen Vorschriften in den Alltag der Familie übergegangen, sodass sie fast ein ganz normales Leben führen kann.


