Für Steffi Kraft (links) und Gisela Seltmann ist ein Leben ohne das Kinder- und Jugendtheater nicht vorstellbar. Steffi Kraft ist auch Regisseurin und arbeitet die Märchen für die Bühnenfassung um.
Foto: Thomas Michel
"Harlekine" wären ohne Duo nicht komplett
Steffi Kraft und Gisela Seltmann gehören seit 40 Jahren zum Kinder- und Jugendtheater Crimmitschau - Mit Mini-Sprechrolle fing alles an
Crimmitschau. Crimmitschau. Eine Anzeige in der "Freien Presse" im Jahr 1969 macht Gisela Seltmann, damals 13, und Steffi Kraft, 11 Jahre alt, neugierig: "Gesucht werden Mitglieder für ein Pionier- und Jugendtheater in Crimmitschau." Im Clubraum des Theaters der Pleißestadt stellen sich die Jugendlichen, die sich vorher nicht kannten, der künftigen Leiterin des Ensembles, Andrea Link, vor. ",So ein Kerl', das waren meine ersten drei Worte. Ich spielte einen Wächter im Märchen ,Das kluge Schneiderlein'", kann sich Gisela Seltmann noch genau erinnern. Auch Steffi Kraft fängt ganz klein an. Als einer von drei Schneiderlein. Im Frühjahr 1970 beginnt die Erfolgsgeschichte des Kinderensembles.
Keine der beiden Frauen hätte damals gedacht, dass das Laientheater künftig ihr Leben bestimmt. Die Crimmitschauerinnen sind die "Urgesteine" des heutigen Kinder- und Jugendtheaters "Harlekin", quasi seit der ersten Stunde auf den Brettern, die die Welt bedeuten. Obwohl keine von beiden ernsthaft daran gedacht hat, dieses Hobby zum Beruf zu machen. "Meine Eltern sagten, du lernst was Anständiges. Mach' es in der Freizeit, dann macht es auch Spaß", erzählt Gisela Seltmann. Die heute gestandenen Frauen haben den Rat ihrer Eltern beherzigt. Beide machten eine Bürolehre, lernten Freunde beziehungsweise Ehemänner kennen, gründeten Familie. Und blieben dem Theater treu.
1993 ist ein entscheidendes Jahr: Steffi Kraft übernimmt die Leitung des Ensembles und den Vorsitz des Vereins, der sich gründet. Gisela Seltmann wird ihre Stellvertreterin. Über den Namen "Harlekin" für das neu formierte Ensemble hat die Vereinschefin lange nachgegrübelt. "Es ist bei uns Tradition, dass der Harlekin das Vor- und Nachspiel zum jeweiligen Bühnenstück macht. Also fiel die Entscheidung auf diesen Namen", erzählt Steffi Kraft. Seit 1993 trägt die Crimmitschauerin, die seit einiger Zeit in Werdau wohnt, täglich ihre goldene Kette mit einem Harlekin-Anhänger. "Der ist unser Glücksbringer. Ohne diese Kette gehe ich nicht aus dem Haus." Und es ist Tradition, dass die quirlige Frau mit den kurzen, dunklen Haaren den Part des Harlekins bei jeder Aufführung übernimmt.
Für die mittlerweile 18. Aufführung wird bereits fleißig geprobt. "Die Bremer Stadtmusikanten" werden den Theaterbesuchern die Vorweihnachtszeit verschönern. "Wer hier mitmachen möchte, braucht Durchhaltevermögen, Energie und Biss. In der heißen Phase proben wir mehrmals pro Woche", meint Gisela Seltmann, der die "grummeligen" Rollen am besten gefallen. 40 Kinder, Jugendliche und Erwachsene stehen bei den "Harlekinen" auf der Bühne. Bis zu 15 Vereinsmitglieder wirbeln hinter den Kulissen für den Erfolg jedes Stückes. Die Weihnachtsgeschenke für ihre Lieben kaufen Gisela Seltmann und Steffi Kraft immer bis September. "Später kommen wir nicht mehr dazu. Aber Weihnachten ohne das Theater, das wäre nichts."


