Wolfgang Dietrich gehört zu den Heimatfreunden, die bereits den Abschnitt rund um den Pavillon im Landwehrgrund auf Vordermann brachten.  
Wolfgang Dietrich gehört zu den Heimatfreunden, die bereits den Abschnitt rund um den Pavillon im Landwehrgrund auf Vordermann brachten.

Foto: Thomas Michel

Heimatverein aus Werdau liebäugelt mit Gartenschau

Bewohner des Landwehrgrundes schlagen die Stadt als Austragungsort vor - Rathaus hält sich bedeckt

Werdau. Wolfgang Dietrich ist im Landwehrgrund aufgewachsen und möchte auch nirgends anderswo in der Stadt leben. "Hier wohnt man mitten im Grünen, ist umgeben von mehreren Teichen, Gärten und Feldern", sagt der 73-Jährige. Was ihn stört, ist der Pflegezustand des Geländes. Damit steht der Werdauer nicht allein da. Anfang des Jahres gründeten mehrere Anwohner einen Heimatverein und schlossen sich im März als Abteilung dem SV Sachsen 90 Werdau an. "Wir haben seitdem schon eine Menge erreicht, beispielsweise das Areal rund um den Pavillon zwischen den beiden ersten Teichen in Ordnung gebracht. Doch in dem gesamten Gelände steckt noch mehr Potenzial", sagt Wolfgang Dietrich. Sein Vorschlag: Die Stadt könnte sich mit der Fläche als Austragungsort für die Landesgartenschau bewerben. "Dann erhält das Rathaus auch Fördergelder, mit denen der Landwehrgrund sein ursprüngliches Aussehen zurückbekommen könnte."

Er weiß noch aus seiner Jugendzeit, wie das Gelände einst aussah: Auf dem ersten der sechs Teiche sprudelte eine Fontäne, konnte man in Booten eine Runde drehen. Der Hang war terrassenförmig angelegt, auf dem Bänke zum Verweilen einluden. In dem Pavillon fanden regelmäßig Konzerte statt, zwischen den Teichen flanierten Familien. "All das könnte man in dem Zusammenhang wieder herrichten."

Mit seiner Meinung steht Wolfgang Dietrich nicht alleine da. Peter Hampel beispielsweise schlägt vor, auch den Stadtpark in das Projekt zu integrieren. "Dort wird mit der Permakultur ein anderes Konzept verfolgt als bei uns im Landwehrgrund. Doch genau die Vielfalt macht eine Landesgartenschau aus."

Das Werdauer Rathaus begrüßt den Vorschlag, steht einer Bewerbung der Stadt als Austragungsort jedoch skeptisch gegenüber. "Es fehlen einige Voraussetzungen, die für eine erfolgreiche Bewerbung erforderlich sind", sagt Stadtsprecher André Kleber. So müsse die Fläche, auf der die Schau stattfindet, eine Größe von 10 bis 15 Hektar haben. "Der Landwehrgrund ist ohne die Wasserflächen 2,8 Hektar groß, der Stadtpark noch kleiner", sagt Kleber. Außerdem müsste das Gelände eingezäunt werden, damit nur zahlende Gäste Zutritt haben. "Das ist im Landwehrgrund nicht möglich." Was ebenfalls fehlen würde, sei eine geforderte Ausstellungshalle.

Für Wolfgang Dietrich sind das alles Probleme, die sich lösen lassen würden. "In Reichenbach hat es 2009 auch geklappt. Dort profitiert die Stadt noch immer von der Schau. Das bestätigt auch die Pressesprecherin der Stadtverwaltung von Reichenbach, Heike Keßler: "Wir konnten durch die Schau etliche Brachen abreißen und die Flächen in Grünanlagen umgestalten, die noch immer rege genutzt werden. Der vor drei Jahren neu geschaffene Park der Generationen, am Ortseingang von der A 72 kommend, erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit."

Die Landesgartenschau in Reichenbach kostete nach Rathausinformationen 21 Millionen Euro, davon steuerte die Kommune 5 Millionen Euro bei. Ein Betrag, den Werdau offenbar nicht hat. "Wir befinden uns noch immer in der Haushaltskonsolidierung", sagt am Mittwoch André Kleber.

Wolfgang Dietrich sieht das Rathaus dennoch in der Pflicht: "Der Landwehrgrund gehört der Stadt. Die muss endlich was tun, damit das Gelände nicht weiter verwildert. Wir als Verein können das allein nicht stemmen."

 
erschienen am 20.06.2012 ( Von Uwe Mühlhausen )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
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