So viele Gefahrentage nacheinander - da staunt der Fachmann, und der Laie wundert sich.

"Ich kann den Wald ja nicht gießen"

Forstbezirksleiter muss wachsender Waldbrandgefahr tatenlos zusehen - Auch Borkenkäfer reibt sich die Krallen

Treuen/Werdau. Treuen/Werdau. Für Lothar Schneider gibt es da gar keine Frage: "Normal ist das Wetter schon lange nicht mehr." Der Leiter des Forstbezirks Plauen im Staatsbetrieb Sachsenforst macht seit 5. Juni eine Zeit durch, die er so nach eigenem Bekunden noch nicht erlebt hat. Von zweimal drei Tagen Ruhe abgesehen, mindestens Waldbrandwarnstufe 1 im Landkreis Zwickau, der zu seinem Bezirk gehört, dabei vom 25. Juni bis 5. Juli durchgängig Stufe3 - das ist schon eine, gelinde gesagt, nicht mehr alltägliche Situation. Froh ist er, dass es trotz dieser brenzligen Werte bisher in seinem Forstbezirk nicht gebrannt hat.

Aber die Waldbrandwarnstufen, die der Deutsche Wetterdienst erstellt und die auch der Staatsbetrieb Sachsenforst lediglich zur Kenntnis nehmen kann, sind ein Indiz für eine weitere höchst ungesunde Entwicklung. Stichwort: Borkenkäfer. Gerade die großen Fichtenbestände in Westsachsen, wie sie sich zum Beispiel im Werdauer Wald, bei Kirchberg, um Schönfels, Ebersbrunn, Mülsen und Glauchau finden, leiden unter dem Mangel an Regen: Trockenstress nennt der Forstexperte das Phänomen: "Der Saftfluss der Bäume kommt langsam zum Erliegen, damit werden sie anfälliger für den Borkenkäferbefall", erläutert Lothar Schneider.

Seit dem Jahrhundertsommer 2003 stehen die Borkenkäferpopulationen in Sachsens Wäldern recht gut da - auch der Sommer 2006 verschaffte ihnen noch einmal neuen Aufschwung. Aber einem gesunden, gut von Säften durchströmten Baum können die Insekten nicht viel anhaben. Bohrt der Käfer seine Löcher, lässt der Baum als Wundsekret sein Harz fließen - damit ist für Baum und Insekt die Sache erledigt. Zu Gunsten des Baums. Bei - und sei es nur durch Wassermangel - geschwächten Bäumen, speziell im Alter ab 50, 60 Jahren haben die Käfer dagegen leichteres Spiel. Trocknet der Baum aus, bildet er kein Harz mehr. Auf diese Weise können aus einem der Insekten, das im Frühling beginnt, in kranken Bäumen Nachwuchs abzulegen, bis zum Spätsommer 200 Käfer werden. Dabei, so Schneider, verschafft ein "guter" Sommer der Fruchtbarkeit der Tiere Schwung für mehrere Folgejahre.

Aber wie die Vermehrung der Borkenkäfer und auch die Waldbrandwarnstufen kann Schneider ebenso den Regenmangel nur zur Kenntnis nehmen. Zu ändern vermag er daran nichts. Darüber ist er sich im Klaren: "Ich kann den Wald ja nicht gießen."




Stichwort: Waldbrandwarnstufen

Der Deutsche Wetterdienst berechnet die Gefährdungslage von Waldbränden aufgrund des so genannten Waldbrandgefahrenindex M-68. Das M-68-Modell wurde in der DDR entwickelt und auf Grund seiner Zuverlässigkeit vom Deutschen Wetterdienst übernommen.

Meteorologische Eingangsgrößen sind Mittagswerte der Lufttemperatur, der relativen Luftfeuchte sowie der Windgeschwindigkeit, außerdem die 24-stündige Niederschlagssumme sowie im Frühjahr die morgendliche Schneehöhe. Diese Werte werden mit Daten zur Waldbrandgefahrenklasse und zum Vegetationszustand in dem jeweiligen Wald in Beziehung gesetzt. Erhöht trockener Waldbodenbewuchs die Brandgefahr, so wirkt grüne Vegetation gefährdungsmindernd.

Als Ergebnis werden örtlich bezogene Gefährdungsstufen berechnet - in Sachsen von 0 (sehr gering) bis 4 (sehr hoch). Ab Warnstufe 3 wird empfohlen, den Wald nicht mehr zu betreten. Rauchen, Grillen, das Entzünden von offenen Feuern und offenem Licht (auch Himmelslaternen) ist im Wald allerdings laut Sächsischem Waldgesetz sowieso ganzjährig verboten. (TK)

 
erschienen am 22.07.2010 ( Von Torsten Kohlschein )
 
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