Thomas Wolf (rechts) und Steffen Lange hatten zur Filmvorführung auch Infomaterial mitgebracht, mit dem die jungen Kinogäste das neue Wissen zum Thema Gewalt und ihre Folgen vertiefen können.
Foto: Thomas Michel
Polizisten geben ihr "Leinwanddebüt"
Werdauer Kriminalbeamte betreten bei Prävention in Kooperation mit Crimmitschauer Filmtheater Neuland
Crimmitschau.
Crimmitschau. Dass zwei Polizisten einander vor Publikum anpöbeln und dann auch noch handgreiflich werden, kommt eher selten vor. Manchmal aber erfordert es das Anliegen, das sie verfolgen. So am Dienstag in Saal 1 des Cine Star Filmtheaters in Crimmitschau. Dort betraten Polizeihauptkommissar Thomas Wolf und Polizeiobermeister Steffen Lange, beide im Revier Werdau im Bereich Kriminalprävention tätig, buchstäblich Neuland.
Sie nutzten zwei Vorführungen des neuen Spielfilms "Karate Kid", um in Räuberzivil gewandet dem jungen Publikum in einfachen Worten und zwanglosem Ton etwas darüber zu erzählen, welche gravierenden Folgen Gewalt, vielleicht in einem unbedachten Moment gegen einen anderen eingesetzt, haben kann. Dazu gehörte eben jene kaum 10 Sekunden lange Spielszene, in der Lange, maskiert mit Basecap und Sonnenbrille, seinen Kollegen anpöbelt, dafür von dem (zum Schein) postwendend voll auf die Zwölf bekommt und dann zu Boden geht.
"Wir wollen damit zeigen, wie schnell man vom Opfer zum Täter werden kann", erläutert Wolf. Zum Täter, auf den dann im schlimmsten Fall Konsequenzen warten, die sein ganzes weiteres Leben bestimmen - beim Strafrecht angefangen, über Schadenersatz und Schmerzensgeld bis hin zum Eintrag ins polizeiliche Führungszeugnis, das manchen Berufstraum schon im Keim zunichtemachen kann. Selbst dann noch, wenn das, was geschehen ist, alles in allem deutlich harmloser bleibt als im zurzeit deutschlandweit diskutierten Fall Dominik Brunner. Die achtjährige Nicole Fidorev jedenfalls zeigte sich nach dem Auftritt der Polizisten beeindruckt: "Das habe ich alles noch nicht gewusst."
In Sachen Präventionsarbeit vor Schulklassen erfahren, zeigten sich Wolf und Lange nach ihrem etwa halbstündigen "Leinwanddebüt" von der guten Resonanz überrascht. "Von der Pöbelszene an war es ganz still im Saal", hatte Uwe Kreibich beobachtet. Der Marketingassistent für die Cine-Star-Kinos in Zwickau und Crimmitschau hatte aus eigener Initiative die Polizisten eingeladen, den Film "Karate Kid", der ja bei seinen Wurzeln im Martial-Arts-Genre auch vom verantwortungsvollen Umgang mit Gewalt handelt, als Plattform für ihre Botschaft zu nutzen. Die ließ Wolf in seinem Lieblingssatz zur Kunst des Sich-nicht-provozieren-Lassens gipfeln: "Es ist manchmal ganz schön mutig, ein Feigling zu sein."
"Wenn es uns gelungen ist, heute auch nur bei einem Kind etwas zu bewegen, dann haben wir etwas erreicht", so Kreibich. Den Erfolg, die Aufmerksamkeit bei Kindern gewonnen zu haben, die eigentlich gekommen waren, um einen Spielfilm zu gucken, hält er für so tragfähig, um das Ganze bald in Zwickau zu wiederholen.


