Saxas kündigt dem kompletten Betriebsrat fristlos
Begründung des Vorstandes: Betriebsfrieden ist massiv gestört - IG Metall: Nur ein Vorwand, um sich der Leute endgültig zu entledigen
Werdau. Werdau. Die Saxas AG hat allen Mitgliedern des Betriebsrates die fristlose Kündigung ausgesprochen. Grund: Der Betriebsfrieden zwischen vielen Beschäftigten und dem Betriebsrat sei seit rund einem Jahr massiv gestört, heißt es in einer Pressemitteilung des Vorstandes des Unternehmens. Etliche Führungskräfte hätten gedroht, ihre Arbeit niederzulegen, wenn der Vorstand den Betriebsfrieden nicht wieder herstellt.
Das ist absoluter Unsinn und nur ein Vorwand, um sich des Betriebsrates komplett zu entledigen, meint Thomas Knabel, 2. Bevollmächtigter der IG Metall Zwickau, der die Interessen der acht Beschäftigten vertritt. "Der Betriebsrat soll an der schlechten Qualität einer Lieferung an einen namhaften Auftraggeber schuld sein. Und das, weil er innerhalb der geltenden Vereinbarung zur Kurzarbeiterregelung den Austausch eines oder mehrerer Mitarbeiter im Dienstplan gefordert hat. Hintergrund dieses Prozederes: Beschäftigte sollen nicht nach Sympathie vorgezogen werden und mehr Stunden als die anderen machen können." Allerdings hätte Saxas selbst in einen Schreiben an den Auftraggeber als Grund für die Qualitätsmängel "Schnee, stumpfe Säge und Krankheit" angegeben, so Knabel.
Die Entscheidung, ob die Kündigung ausgesprochen wird, liegt nun beim Amtsgericht Zwickau. Im April ist Verhandlungstermin. "Ist das der Fall, wäre es ein Skandal. Dann könnte sich jedes Unternehmen seines ungeliebten Betriebsrates entledigen", kommentiert der Gewerkschafter die Situation. Er wisse auch, dass Saxas eine Anwaltskanzlei aus Düsseldorf angeheuert habe, die damit wirbt auch "Unkündbare zu kündigen". Der Vorstand wollte das am Mittwoch nicht kommentieren.
Thomas Knabel baut auf den Zusammenhalt im Betrieb, in dem rund die Hälfte der Belegschaft in der IG Metall sei. "Diese Kollegen haben uns in der vorigen Woche fast einstimmig bestätigt, dass sie hinter ihrem Betriebsrat stehen." (RDL)


