Stadträte erklären nicht den Krieg
Verbale Angriffe des Oberbürgermeisters lösen Eklat aus - Gremium fordert Einhaltung der Spielregeln
Werdau. Werdau. Einen Tag nach der "Palastrevolution" in Werdau haben sich die Gemüter etwas beruhigt. "Aber wir sind jetzt wohl an einem Punkt angelangt, wo man den Umgang miteinander neu definieren muss", sagte am Freitag CDU-Stadtrat Stefan Czarnecki.
Der verbale Angriff des Oberbürgermeisters Ralf Tittmann (Die Linke) gegen ihn war der Auslöser, dass vier der fünf Fraktionen des Stadtrates am Donnerstagabend den Sitzungssaal verlassen hatten. Czarnecki hatte Tittmann wegen seines Alleinganges bei der Einstellung eines persönlichen Referenten, der noch dazu ein Parteigenosse ist, öffentlich kritisiert. "Sie haben doch noch nie einen konstruktiven Beitrag zu diesem Thema geleistet", kanzelte das Stadtoberhaupt den 29-Jährigen daraufhin ab.
Das brachte das Fass für 16 Stadträte zum Überlaufen. Während einer schnell einberufenen Krisensitzung im Nebenzimmer des "Ratskellers" machten sie deutlich: Das lassen wir uns nicht bieten. Ralf Tittmann, der nur wenige Meter von ihnen entfernt im Gastraum mit einem Bierchen und einigen seiner Parteigenossen saß, war sich keiner Schuld bewusst. "Ich habe keinen Fehler gemacht." Die Einstellung des Referenten habe er aufgrund der geltenden Hauptsatzung vornehmen können. Er bedauerte, dass wichtige Themen wie die Bildung eines Aufsichtsrates für die Gebäude- und Grundstücksverwaltung oder die Vergabe von Bauleistungen für den Schulumbau in Langenhessen verschoben werden mussten. "Das alles können wir nun erst im März beschließen."
Bereits nächsten Donnerstag wollen die Räte in die Klausurtagung zum Haushalt gehen. "Wir wollen keinen Krieg. Aber beide Seiten müssen sich an die Spielregeln halten. Wir haben in den kommenden Wochen wichtige Entscheidungen für die Stadt zu treffen. Das geht nur miteinander", beurteilte am Freitag der Fraktionsvorsitzende der Freien Wähler, Sören Kristensen, die Situation. Trotzdem sei er von der Reaktion des Oberbürgermeisters bitter enttäuscht. Auch Stefan Czarnecki wird die nächsten Sitzungen auf dem Posten sein. "Alles andere wäre unprofessionell."


