Günter Pietzschmann von der SAQ Zwickau begutachtet den Zustand der Dampfmaschine in der ehemaligen Spinnerei Schmidt an der Peterstraße in Crimmitschau. Auf den Stahlkoloss hat das Textilmuseum ein Auge geworfen.
Foto: Thomas Michel
Stahlkoloss: Vergessen und begehrt
Letzte Dampfmaschine Crimmitschaus steht in ehemaliger Spinnerei Schmidt - Museum liebäugelt mit Restauration
Crimmitschau. Crimmitschau. Jahrelang hat die alte Dampfmaschine in der ehemaligen Spinnerei Julius Schmidt an der Peterstraße unbeachtet vor sich hingerostet. Jetzt rückt der Stahlkoloss wieder in den Fokus. Das Textilmuseum hat Interesse an der Anlage bekundet. Die Einrichtung möchte die letzte in der Stadt noch vorhandene Dampfmaschine für die Nachwelt erhalten und auf dem Museumsgelände an der Leipziger Straße wieder aufbauen.
Standort soll das ehemalige Maschinenhaus sein. Das müsste für die Präsentation der Anlage allerdings noch umgebaut werden. Darin sieht Claudia Schindler vom Museum nicht die vorrangige Aufgabe. "Zuerst muss die desolate Anlage restauriert werden", sagt sie. Die Restauration sollen Experten im Industriemuseum Chemnitz übernehmen, mit dem das Crimmitschauer Haus im Zweckverband zusammenarbeitet. "Erste Gespräche dazu hat es bereits gegeben", so Schindler.
Ob das Textilmuseum die Anlage bekommt, ist freilich noch unklar. Eigentümer der alten Fabrik ist die Sächsische Aufbau- und Qualifizierungsgesellschaft (SAQ) in Zwickau. Das Unternehmen aus der Muldestadt hat das Firmengelände in Crimmitschau, das zuletzt dem VEB Bilder und Rahmen gehörte, in den 1990er-Jahren gekauft. Das besondere Interesse der SAQ galt damals der Dampfmaschine. Der Koloss sollte in Crimmitschau demontiert und auf dem Firmengelände an der Horchstraße in Zwickau wieder aufgebaut werden. Die Pläne wurden allerdings nie verwirklicht, inzwischen hat sich die SAQ davon verabschiedet.
"Die Anlage passt heute nicht in unser Firmenkonzept", sagte Kai Ettrich. Er leitet erst seit drei Jahren die Geschicke der SAQ. Seitdem hängt dem Geschäftsmann die Brache wie ein Klotz am Bein. Das Gebäude ist inzwischen derart verfallen, dass für Ettrich nur noch ein Abriss infrage kommt. Die Kosten dafür würden sich auf rund 250.000 Euro belaufen. Dafür fehlt dem Unternehmen allerdings das Geld, deshalb hofft Ettrich auf die Unterstützung Crimmitschaus. Im Gegenzug könne die Stadt die Dampfmaschine bekommen.
Im Rathaus zeigt man sich von der Idee weniger begeistert. "Wir setzen in diesem Gebiet auf den Erhalt von Gebäuden. Die uns zur Verfügung stehenden Fördergelder für den Stadtumbau würden auch nicht ausreichen, um den Abriss der ehemaligen Fabrik zu unterstützen", sagt Stadtsprecher Sascha Vogelsang. Das Rathaus werde mit der SAQ und dem Textilmuseum gemeinsam nach Lösungen suchen, wie die Dampfmaschine gerettet werden könnte.


