Suchtberater fordert Sozialarbeiter
Erste Reaktionen auf geplante Verschärfung der Polizeiverordnung in Crimmitschau
Crimmitschau. Crimmitschau. Die geplante Verschärfung der Polizeiverordnung löst aus Sicht der Crimmitschauer Ortsgruppe des Blauen Kreuzes nicht das Grundproblem Alkoholmissbrauch. Zu der Einschätzung kommt der stellvertretende Gruppenleiter Jörg Gerth: "Die Ansatzpunkte der Stadt sind richtig und gut. Das Problem wird damit aber nicht gelöst, sondern nur von der Bildfläche geschoben", warnt Gerth, der in seiner Ortsgruppe mit 20 bis 25 trockenen Alkoholikern zusammenarbeitet.
Die Diskussion um den Alkoholmissbrauch hat vor allem eine Personengruppe ausgelöst, die sich regelmäßig am Taubenmarkt versammelt. Schon in den frühen Vormittagsstunden sind die Männer mit Bierflaschen anzutreffen. Oft feiern sie bis in die Nacht hinein. Die Folge: Anwohner und Händler ärgern sich über Ruhestörung und Hinterlassenschaften der Biertrinker. Die Mitglieder des Blauen Kreuzes, die ehrenamtlich im Einsatz sind, sehen sich mit der Situation am Taubenmarkt überfordert. Versuche zur Kontaktaufnahme sind bislang gescheitert. "Hier greifen nur professionelle Hilfsangebote. Am besten wäre es, wenn die Stadt eine Stelle für einen Sozialarbeiter einrichtet und den Leuten einen Treffpunkt anbietet", schlägt Jörg Gerth vor.
Diese Forderung kann Oberbürgermeister Holm Günther (Für Crimmitschau) nicht erfüllen. "Die Einstellung eines Sozialarbeiters sehen wir nicht als erforderlich an", sagt Rathaussprecher Sascha Vogelsang. Stattdessen verweist die Stadt auf bestehende Angebote. Dazu gehört die Kontakt- und Informationsstelle für Jugendarbeit und Suchtprävention. Zudem gebe es etliche andere Anlaufpunkte. Dazu gehören neben den Blauen Kreuz auch der Kreuzbund, das Beratungs- und Therapiezentrum, der Verein zur Förderung von Ausbildung und Beschäftigung (FAB) und die Sucht-Selbsthilfegruppe. Die Rathausmitarbeiter hätten diese Angebote den Biertrinkern mehrfach unterbreitet. "Allerdings sind diese Hilfsangebote freiwillig und setzen auf die Bereitschaft der Betroffenen. Diese ist leider bei nur wenigen Personen vorhanden", so Vogelsang.
Schon am 26. August soll die Diskussion zur neuen Polizeiverordnung auf die Tagesordnung des Stadtrates kommen. Die wichtigste Änderung: Personen, die bereits durch Alkoholmissbrauch aufgefallen sind, soll der Alkoholkonsum auf öffentlichen Plätzen verboten werden können. (HOF)


