Thomas Michel legt bei der Beseitigung der Schlaglöcher auf dem Kiefernberg selbst Hand an.
Foto: Thomas Michel
Waldsiedler flicken Straßen selbst
Löcher bis zu 40 Zentimeter tief - Material wird aus der Vereinskasse bezahlt - Stadt duldet Vorgehen
Werdau. Werdau. Thomas Michel ist Berufskraftfahrer und somit einige schlechte Straßen gewöhnt. Doch der Zustand des Ahornweges und des Kiefernberges in der Waldsiedlung ist dem 51-Jährigen schon lang ein Dorn im Auge. "Entlang der Straße reiht sich Loch an Loch. Davon sind manche bis zu 40 Zentimeter tief", wettert Thomas Michel.
Mit seiner Meinung steht der 51-Jährige nicht allein da. "Die Straßen in der Waldsiedlung sind so schlecht, dass man sie nur mit dem ersten Gang befahren kann", berichtet Walter Wieden. Für den 79-Jährigen, der seit 1947 am Kiefernberg ein Grundstück besitzt und zu den ersten Bewohnern der Siedlung gehört, ist das Problem nicht neu. "Wir haben deshalb schon mehrfach beim Vorstand vorgesprochen und auch die Stadt in Kenntnis gesetzt, doch getan hat sich nichts", erklärt der Senior.
Die Siedler wurden immer vertröstet. "Nach den jüngsten Aussagen der Stadtverwaltung sollten die Arbeiten im vierten Quartal realisiert werden", so Michel. Eine Aussage, die das Rathaus bestätigt. "Es gibt eine Prioritätenliste. Da die Straßen in der Siedlung nicht zum Hauptstraßennetz gehören, besitzen sie auch keine Priorität", so Stadtsprecher André Kleber.
Mit der Hinhaltetaktik der Verwaltung wollten sich die Siedler aber nicht länger zufriedengeben. Einige von ihnen ergriffen in Absprache mit dem Vereinsvorstand die Initiative und legten auf Kiefernberg und Ahornweg selbst Hand an. Zu ihnen gehörte Thomas Michel. Er karrte mit seinem Kipper 10 Tonnen Bitumen heran. Ein Dutzend Männer griff mit zu und verfüllte das Recyclingmaterial, das mit einer Rüttelplatte befestigt wurde.
Heinz John, seit 1987 Vorsitzender des 311 Mitglieder zählenden Siedlervereins, begrüßt die Aktivitäten. "Da uns der Straßenzustand seit längerem unter den Nägeln brennt, haben wir für Reparaturarbeiten, die die Vereinsmitglieder erledigen, jährlich 5000 Euro eingeplant", so John. 2010 sind erst 1000 Euro verbraucht.
Im Rathaus wird die Initiative der Siedler geduldet. "Wenn die Arbeiten fachgerecht ausgeführt werden und die Verkehrssicherheit gewährleistet bleibt, ist dagegen nichts einzuwenden", sagte Bauamtsleiter Karsten Piehler. Genauso sieht das die Landesdirektion. "Es ist eine zivilrechtliche Frage", sagt Pressesprecher Olaf Weiß. Entscheidend sei, ob mit den Arbeiten, die ja ohne Auftrag ausgeführt worden sind, der Zustand der Straßen verbessert wurde. "Das kann nur die Stadt einschätzen", so Weiß.


