Einträge im Gästebuch sind rar. Herbergsmutter Angelika Kosak zeigt den letzten. Er ist drei Monate alt.
Foto: T. Michel
Werdauer Jugendherberge steht vor dem Aus
Übernachtungsmöglichkeit schließt zum 31. August - Grund sind die niedrigen Gästezahlen - Nachnutzung des Stadtgutes offen
Werdau/Lichtenstein. Werdau/Lichtenstein. Die Werdauer Jugendherberge steht vor dem Aus. Ab 1. September sollen die Türen des Stadtgutes für Schulklassen und Familien geschlossen bleiben. Grund sind die schlechten Übernachtungszahlen. Bereits seit mehreren Jahren gehen sie zurück. "2009 waren gerade mal 1600 Besucher zu Gast", sagt Angelika Kosak. Mindestens das Doppelte sei nötig, um rentabel zu arbeiten.
Die 57-Jährige betreibt die Jugendherberge in Eigenregie. 1985 begann sie als Angestellte der Stadt. 2004 übernahm sie die Übernachtungsmöglichkeit. Drei Jahre später ging es abwärts. "Vor allem die Schulklassen blieben plötzlich aus. Viele fahren ins Ausland", sagt sie. Ein Problem sei die Mitgliedschaft im Jugendherbergsverband. Die ist Voraussetzung, um die günstigen Unterkünfte zu nutzen. Der jährliche Pflichtbeitrag schrecke viele Familien ab. In Ländern wie Dänemark sei er - anders als in Deutschland - bereits abgeschafft worden, so Kosak. Entsprechend leer bleiben die 44 Betten. "Erst im April kommt die nächste Gruppe. Es gibt Wochen, in denen kein einziges Zimmer belegt ist." Im Januar habe die Werdauerin 400 Euro eingenommen. Rund 2000 Euro betragen laut Kosak die laufenden Kosten. Aus der Schieflage wolle sie sich nun befreien. "Ich ziehe den Schlussstrich. Es geht so nicht mehr weiter."
Vor allem weil nach knapp 25 Jahren das Herz an der Jugendherberge hänge, habe Kosak trotz rückläufiger Gästezahlen weitergemacht. Das Stadtgut will sie nun in guten Händen wissen. Bislang hatte sie es von der Stadt Werdau gepachtet. Da Kosak aufhört, läuft der Vertrag aus. Am 23. März trifft sich die Herbergsmutter mit Vertretern der Stadt im Rathaus. Was bei dem Gespräch herauskommt und wie es mit dem Stadtgut weiter geht, wird sich dann zeigen.
Ganz anders sieht es in Lichtenstein aus. Dort kann sich die Herberge vor Familien und Schulklassen kaum retten. Schon mehrfach musste die Einrichtung Gäste abweisen und nach Werdau vermitteln. Auch so konnte sich Kosak noch über Wasser halten. Leiter Marcel Grasselt rechnet in diesem Jahr mit weiterem Besucherzuwachs. Bis Mitte September lägen bereits 5500 Anmeldungen vor, sagt er. Gerade auf internationales Publikum setzt er. Die Jugendherberge ist Partner des in Zwickau ansässigen Europa-Studien-Projektes und verfügt über Kontakte ins Ausland. Unter anderem kommen die Jugendlichen aus Russland, Japan und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Die Herberge läuft so gut, dass Grasselt bereits nach neuen Häusern im Landkreis Zwickau Ausschau hält. Die Werdauer Jugendherberge komme aber nicht infrage. "Zu klein", wie er sagt. Für Angela Kosak keine Überraschung. Gerade Gäste aus dem Ausland würden meist viele Betten benötigen und gleichzeitig kleine Zimmer bevorzugen. Da könne sie nicht mithalten. (mit JA)


