Annoncenuhr in Werdau.Foto: Thomas Michel
Zwilling bleibt wohl für immer verschollen
Historische Postkarte beweist: Werdauer Annoncenuhr hatte ein Pendant am Lutherplatz in Kirchberg
Werdau/Kirchberg.
Werdau/Kirchberg. Die Werdauer Annoncenuhr hatte einen Zwilling in der Stadt Kirchberg. Beim Inventarisieren historischer Postkarten ist dem Leiter des Werdauer Stadt- und Dampfmaschinenmuseums, Hans-Jürgen Beier, eine Karte vom April 1906 in die Hände gefallen.
"Wir haben die Karte aus einem Nachlass bekommen. Auf ihr erkennt man ganz deutlich die Annoncenuhr, die am Lutherplatz/Königstraße gestanden hat. Sie sieht unserer in Werdau an der August-Bebel-Straße/Ecke Poststraße zum Verwechseln ähnlich", freut sich der Museumschef über die Entdeckung. Die nächste funktionierende Uhr stand seinerzeit in Leisnig, einer Stadt rund 50 Kilometer von Leipzig entfernt.
Wohin die Kirchberger Annoncenuhr verschwunden ist, das bleibt für Ortschronist Johannes Decker ein Rätsel. "Ich habe lange in dieser Sache recherchiert, bin aber zu keinem richtigen Ergebnis gekommen", meint der 83-Jährige. Der Lu- therplatz in Kirchberg sei mehrere Male umgestaltet worden. So zum Beispiel 1938 von den Nazis, die hier auch eine Eiche pflanzten. "Bei dieser letzten Umgestaltung könnte die Annoncenuhr verschwunden sein. Ich vermute, dass sie einst der in Kirchberg bekannte Baumeister Steinbach der Stadt gestiftet hat. Doch wohin sie verschwunden ist, das geht aus keinen Unterlagen hervor und auch alteingesessene Kirchberger wissen nichts darüber", bedauert der Historiker.
Die Werdauer halten ihre Annoncenuhr in Ehren. Seit 120 Jahren gehört sie zum Stadtbild. 1991 wurde sie grundhaft erneuert. Allerdings funktioniert derzeit das mechanische Umklappen der historischen Ansichten von Werdau nicht. Um das wieder in Gang zu setzen, seien noch Elektroarbeiten nötig, hieß es gestern dazu aus dem Museum. Wann diese ausgeführt werden sollen, steht bisher nicht fest.


