Archäologen haben bei Ausgrabungen am Kornhaus nicht nur die von ihnen gesuchten Reste der alten Tuchmacherbastei gefunden, sondern auch eine zweite Mauer, die älter ist als das Kornhaus. Silvio Bock ist einer der Forscher vor Ort - hier vermisst er die Gesteinsbrocken.
Foto: Marcus Richter
Archäologen finden steinalten Mauerrest
Am Fuße des Kornhauses haben Archäologen nach Resten der Tuchmacherbastei gesucht
Zwickau. Reste eines Wehrturms aus dem Mittelalter, entstanden irgendwann im 15. Jahrhundert, haben Archäologen am Kornhaus entdeckt. "Der rechteckige Wehrturm ist für uns ein völlig überraschender Fund, der nirgends verzeichnet ist", sagt Christiane Hemker vom Landesamt für Archäologie. Gesucht hatten die Forscher zwar tatsächlich nach einer Mauer, allerdings nach einer anderen: die der Tuchmacherbastei, die früher einmal an der Nordseite des Kornhauses angebaut war und die zur Verteidigung der Stadt diente. "Wir waren uns nicht sicher, ob davon noch Reste zum Vorschein kommen würden", sagt Hemker. Tatsächlich wurden die Archäologen fündig, im Fundamentbereich ist die Mauer gut erhalten.
Holz soll bei Datierung helfen
Laut Christiane Hemker ist das so etwas wie ein kleines Wunder. Im 18. und 19. Jahrhundert sei es häufiger passiert, dass Altes beseitigt wurde. "Man begann schnell, jene Gebäude, die aus gutem Baumaterial bestanden, abzubrechen und sie als Steinbruch auszubeuten", sagt sie. Deshalb sei es eine glückliche Fügung, dass die Tuchmacherbastei "im kompletten Grundriss erhalten" ist, wie Archäologe Silvio Bock sagt.
Aus den bisherigen Untersuchungen des Gesteins und der Art, wie die Mauer mit dem Kornhaus verbunden ist, lasse sich ableiten, dass die Tuchmacherbastei zur gleichen Zeit wie das Kornhaus gebaut wurde. Auch die Bastei stamme also aus der Zeit um 1480. Älter müsse dagegen jene zweite Mauer sein, die die Forscher zu ihrer eigenen Überraschung gefunden haben. Sie verlaufe nämlich teilweise unter der Basteimauer entlang. Wie alt diese zweite Mauer ist, können die Archäologen im Moment noch nicht mit Bestimmtheit sagen - nur dass sie aus dem 15. Jahrhundert stammt. Um die Entstehungszeit einzugrenzen, soll Holz, das in einer Grabensohle direkt neben der Mauer gefunden wurde, untersucht werden. Daraus könnten ziemlich exakte Rückschlüsse auch auf das Alter der Mauer gezogen werden.
Hinweise erhoffen sich die Archäologen um Grabungsleiterin Ute Krämer auch aus Gegenständen, die sie in der Erde gefunden haben. So kamen Scherben, Glas und Keramikreste zum Vorschein, auch ein Krug wurde gefunden. Allerdings: Nicht alles stammt aus jener Zeit, in der Kornhaus und Tuchmacherbastei gebaut wurden. "Das Spektrum reicht vom 14. Jahrhundert bis in die Neuzeit hinein", sagt Christiane Hemker. "Die Bevölkerung hat nämlich üblicherweise ihren Hausrat gern in die Stadtgräben entsorgt."
Bastei wird wieder aufgebaut
Dass die Mitarbeiter des Landesamtes für Archäologie in Zwickau gegraben haben, ist auf Pläne der städtischen Denkmalbehörde zurückzuführen. "Wir wollen die Tuchmacherbastei im Zuge der Kornhaussanierung bis zu einer gewissen Höhe wieder aufbauen", sagt deren Leiterin Steffi Haupt. Und da stand die Frage, wie viel von der Original-Bastei noch erhalten ist. Also habe man das Landesamt gebeten, vor Ort zu graben. "Nun, da wir wissen, was noch vorhanden ist, können wir unsere Bauplanungen darauf abstimmen", sagt Haupt. Bis zum Dachansatz des Kornhauses soll die Tuchmacherbastei wieder aufgebaut werden, laut Steffi Haupt etwa zehn bis elf Meter hoch. Die Nutzer der Stadtbibliothek, die einmal im sanierten Kornhaus unterkommen soll, können die Bastei dann mit nutzen - zum Beispiel als Leseraum.


