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Historiker Thomas Erdmann zeigte den Gästen den neuen Ausstellungsbereich. Mit dem Einsatz der KZ-Häftlinge hat die Auto-Union ihre Unschuld verloren, sagte er.

Foto: Andreas Wohland (2) Bild 1 / 5

Auto-Union ließ Zwangsarbeiter schuften

Ein Chemnitzer Professor sagt: Das Unternehmen war tief in das NS-Regime eingebunden. In Zwickau wurden die KZ-Häftlinge besonders gequält.

Von Uta Pasler
erschienen am 30.01.2017

Zwickau. Eigentlich hatte er nichts auszustehen, erinnert sich Henri Bertrand. Im Werk ging es relativ human zu, vor allem war es warm. Henri Bertrand war einer von 2000 Citroën-Facharbeitern aus Paris, die im Zweiten Weltkrieg nach Westsachsen geschickt wurden, um in den Werken der Auto-Union Rüstungsgüter herzustellen. Bertrand, von November 1942 bis April 1945 in Zwickau, war Zwangsarbeiter, Mensch zweiter Klasse. Und es gab Menschen dritter Klasse: KZ-Häftlinge, geholt aus Flossenbürg. Als einem Häftling einmal die Suppe herunterfiel, fielen fünf Häftlinge über die Pfütze am Boden her. Bertrands Erinnerungen sind im neuen Teil der Ausstellung über die Geschichte der Auto-Union im August-Horch-Museum nachzulesen. Es zeigt die düstere Seite des gern mit chromblitzenden Karosserien glänzenden Unternehmens.

Freitagabend hatten das Museum und das Bündnis für Demokratie und Toleranz zu einer Gedenkveranstaltung eingeladen, um sich dieser düsteren Geschichte zu stellen. Rudolf Boch, Professor für Wirtschafts- und Sozialgeschichte der TU Chemnitz, schilderte das Wirken der Auto-Union während des Krieges, die "tief in das NS-Regime eingebunden und zunehmend integraler Bestandteil seiner Verbrechen" war.

Im November 1944, so Boch, wurden 500 Frauen aus dem KZ Auschwitz zur Arbeit im DKW-Werk nach Zschopau überstellt. Boch: "Auschwitz, das Synonym für den Holocaust an europäischen Juden, war nach Südwestsachsen gekommen." Das DKW-Werk gehörte wie das Wanderer-Werk in Chemnitz und das Horch-Werk in Zwickau zur Auto-Union, einst zweitgrößte Automobilfirma Deutschlands. Die griff, aus Mangel an Arbeitskräften für die Rüstungsfertigung, zu den letzten Ressourcen: KZ-Häftlinge.

Bis 1939 hatte der Anteil der Arbeiten für die Rüstungsindustrie noch deutlich unter 20 Prozent gelegen. Ab Sommer 1940 aber mobilisierte die Unternehmensführung die eigenen Werke. 1941 machte die Auto-Union 70 Prozent ihres Umsatzes mit Rüstungsgütern. Im Mai berief Reichsmarschall Hermann Göring zwei Vorstandsmitglieder in seinen Industrierat: William Werner und Richard Bruhn. Es ging um Großserienplanung und Fließbandfertigung bei Luftwaffengeräten und Panzern. Dafür wurden viele Arbeitskräfte benötigt.

Wie Boch herausfand, hatte das privatwirtschaftlich geführte Staatsunternehmen in Strategie- und Sachfragen lange Zeit freie Hand. Boch fand keine Hinweise darauf, dass die Auto-Union gezwungen wurde, KZ-Häftlinge einzusetzen. Opel verzichtete ohne erkennbare Konsequenzen auf KZ-Häftlinge. Von März 1942 bis September 1944 nahm die Belegschaft der Auto- Union um mehr als 40 Prozent zu. Im Februar 1945 waren es fast 50.000 Beschäftigte, darunter 3700 KZ-Häftlinge. Im Juni 1944 lag der Anteil der ausländischen Arbeitskräfte bei 35 Prozent.

Nach Zwickau kamen die ersten KZ-Häftlinge im Sommer 1944. Ihnen ging es besonders schlecht. 900 bis 1000 männliche Häftlinge wohnten in Baracken neben dem Werk, die Ernährung war mies, die SS-Wachen brutal. In Zwickau kam es Boch zufolge anders als in den übrigen Lagern an Auto-Union-Standorten zu gezielten Tötungshandlungen durch SS-Leute. Wie viele Menschen starben, konnte er nicht herausfinden, 280 Tote waren es mindestens. Die Unternehmensleitung missbilligte Gewaltexzesse, deckte aber das Tun fanatisierter Werkschutzangehöriger, selbst Mord und Totschlag. Am 15. April 1945 wurde das Lager evakuiert, für die letzten 688 Häftlinge begann der Todesmarsch gen Böhmen. An der Route fanden die tschechischen Behörden 1946 296 verscharrte Leichen.

 
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