Die neue Leiterin der Zwickauer Arbeitsagentur, Regine Schmalhorst, hat dem Getränkegroßhändler Huster ihren Antrittsbesuch abgestattet. An der Leergutsortier-Anlage werden behinderte Menschen eingesetzt.
Foto: Marcus Richter
"Fachkräftebedarf wird ein Thema sein"
Neue Leiterin der Zwickauer Arbeitsagentur spricht über den Arbeitsmarkt in der Region und die Aufgaben, vor denen die Akteure stehen
Zwickau. Seit Anfang des Monats leitet Regine Schmalhorst die Zwickauer Arbeitsagentur. Die 39-jährige promovierte Juristin war zuvor in Soest (Nordrhein-Westfalen) tätig. Dennis Kittler hat sie zu ihrer neuen Aufgabe befragt.
Freie Presse: Frau Schmalhorst, Sie leiten jetzt seit reichlich einer Woche die Zwickauer Arbeitsagentur. Ihr erster Eindruck: Wie bewerten Sie die Arbeitsmarktsituation im Landkreis?
Regine Schmalhorst: Im Landesvergleich haben wir eine positive Situation. Unsere Quote von 8,1 Prozent ist sachsenweit der zweitbeste Wert. Wir haben hier die Automobilwirtschaft: VW und die Zulieferer. Und weil Autos wieder stark nachgefragt werden, stehen wir in der Region gut da.
Freie Presse: Klingt, als könnten Sie sich zurücklehnen...
Regine Schmalhorst: Keinesfalls. Eine Herausforderung wird der Fachkräftebedarf sein, das ist 2012 unser großes Thema. Wir bekommen längst nicht alle Stellen besetzt, weil es nicht so viele Bewerber gibt. Wir laden alle Beteiligten ein, sich an einen Tisch zu setzen - von den Kammern über die Arbeitgeber und Arbeitnehmer bis zur Wirtschaftsförderung -, um zu überlegen, was wir tun können.
Freie Presse: Sie sprechen die Akteure an, die alle ihren Beitrag leisten müssen. Wie sollte der Ihrer Meinung nach aussehen? Fangen wir mit den Arbeitgebern an...
Regine Schmalhorst: Sie müssen sensibilisiert werden, was sie tun können, um auszubilden. Auch die Weiterbildung ist ein Punkt. Nicht zuletzt sollten sie versuchen, über ihren Schatten zu springen und Menschen mit Behinderung eine Chance geben.
Freie Presse: Und die Schulen?
Regine Schmalhorst: Wenn ich mit Arbeitgebern spreche, sage ich immer, dass sie Kontakt zu den Schulen aufnehmen und Praktika anbieten sollen. Meiner Meinung nach müssen die Arbeitgeber die Initiative ergreifen und aufzeigen, wie es in der Wirtschaft zugeht. Das ist weniger eine Aufgabe der Schulen.
Freie Presse: Schließlich die Arbeitnehmer...
Regine Schmalhorst: Sie müssen offen sein für neue Ideen, auch mal für eine neue Branche, die mit der eigentlichen Ausbildung nichts zu tun hat.
Freie Presse: Die erste Firma, die Sie besucht haben, war der Zwickauer Getränkegroßhändler Huster, weil der viele Behinderte beschäftigt - 14 von 220 Mitarbeitern. Was können andere Firmen von Huster lernen?
Regine Schmalhorst: Die Chefin Ulla Reichel hat gesagt, dass es am Anfang Befürchtungen gab, es könnte Probleme geben. Das hört man von vielen Unternehmern. Wichtig ist, dass sie den Einsatz von behinderten Menschen nicht allein als Risiko, sondern als Chance begreifen. Die Betroffenen haben schließlich auch Fähigkeiten.
Freie Presse: Welchen Fragen werden Sie sich als Leiterin der Arbeitsagentur nun als erstes widmen müssen?
Regine Schmalhorst: Ich will wissen, in welchen Bereichen es den größten Fachkräftebedarf gibt und wer in Betracht kommt, um ihn zu decken. Und was wir tun müssen, um diese Personen zu befähigen. Zudem frage ich mich, wie wir Leute aus anderen Regionen dazu kriegen, dass sie wieder hierher ziehen und hier arbeiten.

