"Wir kleiden uns neu ein", mit dem Slogan reagierte die Schedewitzer Fankurve auf den FSV-Hinweis, "Thor Steinar"-Kleidung sei im Stadion unerwünscht. Zum jüngsten Spiel gegen Aue wurde dafür die Norwegen-Fahne gezeigt, ein möglicher Gruß an den Amokläufer Anders Breivik. 
"Wir kleiden uns neu ein", mit dem Slogan reagierte die Schedewitzer Fankurve auf den FSV-Hinweis, "Thor Steinar"-Kleidung sei im Stadion unerwünscht. Zum jüngsten Spiel gegen Aue wurde dafür die Norwegen-Fahne gezeigt, ein möglicher Gruß an den Amokläufer Anders Breivik.

Foto: Steffen Colditz

Kampf um die Stadionkurve

Hat der FSV Zwickau ein rechtes Problem? Diese Frage beurteilt der Verein ganz anders als Beobachter der Fan-Szenen

Zwickau. Von wegen Weihnachtsland Sachsen! In der Gartenkneipe "Neuland" in Zwickau-Schedewitz versprüht Plastik-Dekoration schrillen Charme zum Fest. Rentner diskutieren über Korrumpierbarkeit von Politikern. "Fast alle" seien korrupt, weiß der eine. "Nicht fast - alle", korrigiert sein Nachbar. Neben ihnen sitzt ein jüngerer Mann, der ein Lonsdale-Shirt unter der Jacke und das Haar millimeterkurz trägt. Kein Zufall, wie er dokumentiert. Über das ihm einmal drohende Loch bei den Renten schimpft er, über die Finanzhilfe für Griechenland und darüber, dass "von den Kanaken ja keiner was einzahlt". Unbeabsichtigt mag er Recht haben. Warum sollten melanesische Ureinwohner von Neukaledonien im Südpazifik in deutsche Rentenkassen einzahlen? Allerdings macht die weitere Unterhaltung klar, dass er es mit Begriffen nicht so genau nimmt und Ausländer schlechthin meint.

Die Stammtischrunde sitzt da, wo Zwickau seine braunsten Flecken hat. Wenn derzeit der Gästeansturm fehlt, liegt das nicht an der Dekoration, sondern an der Fußball-Winterpause und daran, dass der FSV Zwickau nicht mehr im maroden Westsachsenstadion spielt, sondern im Ortsteil Eckersbach. Als noch im nahen Stadion gekickt wurde, war das "Neuland" Treff von Fans aus dem A-Block, etwa der Jungs aus Schedewitz und der Kameradschaft "Autonome Nationalisten", die die Fan-Szene unterwandert.

2009 verkündete Neonazi-Wortführer Daniel P., es künftig "im Stadion knallen zu lassen". Der aus Meuselwitz in Thüringen Zugereiste war Einpeitscher der Gruppe "Autonomer Nationalisten", die ein Verwirrspiel mit Gegnern von links treibt und in schwarzen Kapuzenjacken auftritt. Seit 2007 versuchte die Gruppe, mit Demonstrationen die Straße zu erobern. Der Bundesverfassungsschutz machte sie schon damals als "neue SA" aus. Doch der Kampf um die Straße war zäh. Trotz der Kommunikation übers "Freie Netz" im Internet fanden sich dauerhaft nicht genug Demonstranten.

Kurz vor einem der meist hitzigen Lokalderbys zwischen dem FSV und dem FC Erzgebirge, das Ende Oktober 2009 stattfand, machte Daniel P. seine Ankündigung. Als der Kampf um die Straße lahmte, entsann man sich der Strategie des verstorbenen Hamburger Neonazis Michael Kühnen, der schon in den 80er-Jahren den "Kampf um die Stadionkurve" ausgerufen hatte.

Tage später sah sich die Polizei im Westsachsenstadion mit einem 100-köpfigen schwarzen Block konfrontiert, der die Sitzreihen des A-Blocks auseinandernahm. Auch gesangsstark zeigten sich schwarzbraune Fans, mit dem sogenannten "U-Bahn-Lied", mit dem man dem Gegner ein Transportmittel "von Aue bis nach Auschwitz" ankündigte. Bilanz des Polizeieinsatzes: 54 Festnahmen, 36 Verletzte. Einsatzleiter Jörg Kubiessa konnte von Glück sagen, dass seine Kollegen in fünf Hundertschaften aufgelaufen waren. Eine Woche zuvor hatte es beim Heimspiel des FSV Brandis gegen "Roter Stern Leipzig" einen schweren Übergriff gegeben. 50 vermummte Neonazis waren aufs Feld gestürmt, hatten Spieler und Fans mit Holzlatten und Stangen krankenhausreif geprügelt.

 
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erschienen am 29.12.2011 ( Von Jens Eumann )
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
20
(Anmeldung erforderlich)
  • 04.01.2012
    17:16 Uhr

    UdopiaZwickau: Wenn ich hier einige Kommentare lese komme ich aus dem Kopfschütteln nicht mehr raus.
    Stellt euch vor ich nehme sogar meine 12-jährige Tochter reglmäßig mit ins Stadion.Bin ich jetzt verrückt oder verletze ich meine Aufsichtspflicht?Jedenfalls sind wir noch nie in eine brenzlige Situation geraten.
    Registrierter..gehe ruhig mit deinen Kinder ins Stadion,es wird dir nichts passieren.

    0 1
     
  • 04.01.2012
    16:44 Uhr

    Dionysos: Kampf um die Stadionkurve??
    Das ist ein Kampf gegen den FSV Zwickau.
    Objektiver Journalismus sieht anders aus!!!

    0 1
     
  • 03.01.2012
    14:06 Uhr

    Registrierter: Interessant! Wie setzt sich das Publikum generell im Osten ./. Westen zusammen? Wie viele junge Leute unter 18? Familen? Fan-Nachwuchs? Etc.? Es könnten noch viel mehr sein :-)

    0 0
     
  • 03.01.2012
    13:38 Uhr

    SACHSENFranke: Wenn ich heute die Artikel in der FP über unseren FSV lese , komme ich mir etwa 30 Jahre zurückversetzt vor . So einseitig , populistisch und dazu noch schlecht recherchiert schafft es ja sonst nur die MoPo . Die B..."zeitung" recherchiert wenigstens noch , bevor sie ihren Müll über der Menschheit auskippt. Schade , wenn ich meine ehemalige Heimatzeitung jetzt mit solchen "Zeitungen" vergleichen muss .
    Übrigens , das Problem mit den braunen Idioten ( genau wie mit den roten ) gibt es schon lange und noch dazu überall ! Schaut euch doch einfach mal in anderen Ländern um .

    0 0
     
  • 02.01.2012
    19:56 Uhr

    schwerin7: Diese bloeden Jungs von der NPD versauen die ganze Stimmung beim Fussball und nicht nur beim Fussball.
    Leider sind sie zu dumm es selbst zu merken.
    Im Grunde sind es alle arme Schweine die eigentlich zu bedauern sind weil die meisten keine Zukunft haben.

    0 0
     

 
 
 
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