Protest gegen Motorsportareal in Niedermülsen: Rennstreckengegner verschärfen Gangart
Anwohner haben Dienstaufsichtsbeschwerde gegen den Bürgermeister gestellt
Mülsen. Wolf Sattler ist vor zehn Jahren nach Mülsen gezogen, weil er eigentlich ein dörfliches Umfeld gesucht hatte. Jetzt wohnt er 700 Meter vom möglichen ADAC-Rundkurs entfernt. Dieser soll neben Niedermülsens Kiesgrube entstehen, die Zufahrt würde genau an Sattlers Haus starten. Der 42-Jährige ist Sprecher der Bürgerinitiative "Lebenswerte Umwelt contra Rennstrecke", einer Gruppe der Naturschutzorganisation BUND mit 15 Aktiven. In deren Reihen finden sich ein Bauingenieur und ein Verwaltungsrechtler, die die Pläne kritisch betrachten.
Fünf Mitglieder der Initiative haben jetzt Dienstaufsichtsbeschwerde gegen Bürgermeister Hendric Freund (parteilos) erhoben. Sie werfen dem 57-Jährigen vor, dass Zeichnungen zum veränderten Flächennutzungsplan bei der öffentlichen Auslegung im November 2011- fünf Monate nach Vorstellung der ADAC-Pläne - nicht vollständig gewesen seien. So habe man die Pläne nicht mit denen von 2006 vergleichen können. Über die vermeintliche Verfehlung informierte die Initiative Mitte Januar per Post die Gemeinderäte. Bis heute haben sie darauf keine Reaktion erhalten.
Bürgermeister Freund erklärt, dass bisher nur die erste Änderung zum Flächennutzungsplan ausgelegen habe, die das gesamte Gemeindegebiet betreffe. Erst in der zweiten Änderung werde es um das Streckenareal gehen. "Wenn es so weit ist, informieren wir rechtzeitig."
Unstimmigkeiten im Plan
Schon am 24. November hatte die Initiative Beschwerde beim Landkreis Zwickau eingereicht wegen eines Fehlers im Flächennutzungsplan: Das Bergbaugebiet sei in jene Richtung vergrößert worden, in der die Rennstrecke entstehen soll. Die Beschwerde werde noch bearbeitet. Sattler kenne zudem andere Pläne, die das umstrittene Areal ursprünglich als "Untersuchungsgebiet für ein Landschaftsschutzgebiet" ausweisen.
Michael Sachse, Leiter Sport beim ADAC Sachsen, ist derweil optimistisch, in den nächsten Wochen einen positiven Zwischenbescheid zu erhalten, um danach Bauanträge stellen zu können.
Kieswerk-Betreiber bremst
"So weit sind wir noch nicht", sagt hingegen Joachim Schilling vom Kieswerk. Für den Fall, dass die Motorsportstrecke auf dem Gelände gebaut werden darf, bevorzugt er eine Verpachtung statt einen Verkauf an den ADAC. Er ergänzt, dass dasAreal in einem Bereich entstünde, in dem bisher kaum Kies abgebaut wird. Der Nutzen einer Rennstrecke für die drei Kieswerks-Betreiber liegt auf der Hand: Sie ist ein langfristiges Projekt und macht das Kieswerk unabhängiger von der Sandnachfrage von Baufirmen. Zudem entfällt das nötige Rekultivieren, wenn die Kiesvorräte erschöpft sind.
Lärmprognose steht noch aus
Ein weiterer Streit ist darum entbrannt, mit welcher Lärmbelastung zu rechnen ist. Wolf Sattler habe den Bürgermeisterum Einsicht in eine von der Gemeinde beauftragte Lärmprognose gebeten. Dies sei ihm verwehrt worden. Freund sprach von internen Vorgängen. Ein Planentwurf mit Lärmprognose des Antragstellers sei noch nicht eingereicht worden. Doch der sei Voraussetzung, um Auskünfte erteilen zu können. Zudem würden die Pläne öffentlich ausgelegt. Die Bürger könnten sie einsehen und ihre Rechte geltend machen.
Wolf Sattler traut dem Frieden nicht. Zumal der Maschinenbauingenieur nach Aussagen der Investoren befürchtet, dass auf dem Gelände neben internationalen Zweiradrennen und Fortbildungen für Lasterfahrer einige Veranstaltungen mehr geplant seien. Derzeit würden baulich und rechtlich Tatsachen geschaffen."Deshalb erwartet die Initiative die Berichtigung der Pläne und eine Wiederholung des Verfahrens", sagt Wolf Sattler.


