Der 74-jährige Gunter Weiß aus Cainsdorf sieht sich in seinen Arbeiten ganz den erzgebirgischen Schnitztraditionen verpflichtet.
Foto: Andreas Wohland
Schnitzmesser ist jetzt vergoldet
Gunter Weiß aus Cainsdorf engagiert sich für Nachwuchs
Zwickau. Zwickau/Annaberg-Buchholz. Gunter Weiß aus Cainsdorf ist am Sonntag anlässlich der 18. "Erzgebirgischen Schnitzertage" in Annaberg-Buchholz eine besondere Ehre zuteil geworden. Der 74-Jährige erhielt das "Goldene Schnitzmesser". Seit 2007 vergibt der Erzgebirgsverein in Zusammenarbeit mit dem "Verband Erzgebirgischer Schnitzer" diese Auszeichnung an verdienstvolle Meister des Schnitzmessers. Dass in diesem Jahr Gunter Weiß damit bedacht wurde, ist vor allem auf sein langjähriges Engagement in der Nachwuchsförderung zurückzuführen.
Etwa die Hälfte der heutigen Mitglieder des Cainsdorfer Schnitzvereines hat seit 1969 über seinen Kinderzirkel zu diesem Hobby gefunden. "Speziell Anfang der 1970er Jahre bekamen wir die Überalterung zu spüren. Irgendwann saßen wir nur noch zu dritt da. Um Kinder für die Schnitzerei zu begeistern, bin ich in die Schule gegangen und habe die Werbetrommel gerührt", berichtet Weiß. Kurzfristig war der Erfolg der Aktion enorm, sodass sich fast komplette Klassen zur Schnitzstunde einfanden. Das hat sich zwar schnell relativiert. Aber einige Nachwuchsschnitzer sind hängen geblieben. "Heute ist die Situation ähnlich, nur dass andere Faktoren eine Rolle spielen. Ausbildungs- und Arbeitsplätze befinden sich nicht selten weiter weg. Erfreulicherweise gibt es aber auch Rückkehrer, die sich auf ihr Steckenpferd besinnen", meint Gunter Weiß.
Eines seiner Grundprinzipien in der Kinder- und Jugendarbeit war seit jeher, den Heranwachsenden den typisch erzgebirgischen Schnitzstil beizubringen. "Nach der Wende war auch bei den hiesigen Schnitzern ein Trend zu spüren, verstärkt Einflüsse aus dem Allgäu oder Tirol zu übernehmen. Dem habe ich versucht, Einhalt zu gebieten. Bis heute bin ich ein Verfechter unserer heimischen Schnitztradition geblieben", so der 74-Jährige.
An seine ersten Versuche, mit dem Messer aus einem Holzklotz eine Figur zu zaubern, kann er sich noch ziemlich genau entsinnen. "Ich bin über meinen Onkel zum Schnitzen gekommen", erinnert er sich. Das erste Männel stellte ein Schaf dar. Sein Erstlingswerk war schon recht ansehnlich und brachte ihm sogar von gestandenen Schnitzern viel Lob ein. Noch heute steht es in einer Vitrine seiner Schnitzstube. Obwohl Gunter Weiß bereits mehr als sieben Jahrzehnte auf dem Buckel hat, verfügt er noch immer über ein sicheres Gespür für die kindliche Fantasiewelt. Wohl auch deshalb hat er sich eine eigene Kreation von geschnitzten Spielzeugtieren ausgedacht. Mit ihnen möchte er dem noch weit verbreiteten Schnitzereiklischee "Finger weg, da könnte was kaputt gehen" entgegenwirken. "Die Tiere sind anhand ihrer charakteristischen Formen klar erkennbar, aber bewusst so rustikal ausgeführt, dass Kinder problemlos damit spielen können, ohne Angst zu haben, gleich etwas abzubrechen", erklärt er.


