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Schwärmerei für ein Moped mit Kultstatus
In Zwickau treffen sich Tausende Liebhaber des DDR-Mopeds Simson
Zwickau (dapd-lsc). Star, Spatz, Sperber, Schwalbe und Habicht versammeln sich am Wochenende (Samstag, 23. Juli) in Zwickau. Allerdings wird dort kaum ein Vogelzwitschern zu hören sein. Denn eingehüllt in eine blau-graue Abgaswolke werden Hunderte Mopeds und Mokicks der DDR-Marke Simson durch die sächsische Stadt knattern, denen der Hersteller einst die wohlklingenden Namen verpasst hatte.
Zur neunten Auflage des Simson-Treffens werden Tausende Besucher erwartet, Zaungäste entlang der Rundfahrtstrecke nicht mitgerechnet. "Anmeldungen gibt es von der Ostsee bis zum Alpenrand", sagt Lajos Babel. Der gelernte Kfz-Mechaniker ist einer der beiden Organisatoren des Treffens, das als größtes Simsontreffen Deutschlands gilt.
Auf dem Fahrübungsplatz im Stadtteil Planitz erwarten die Veranstalter mehr als 1.000 Mokicks und Mopeds der Marke Simson vom SR 1 über die Modelle der bekannten "Vogelserie" bis zur S 51, die in Suhl gefertigt wurden und in der DDR lange ein beliebtes Jugendweihe-Geschenk für Heranwachsende war.
Beim Start des Treffens vor neun Jahren waren die Veranstalter von der Resonanz überrascht. Dominic Würfel, ein gelernter Erzieher und Kaufmann, hatte damals über das Internet zu einem losen Treffen von Simson-Fahrern aufgerufen und nur mit wenigen Interessenten gerechnet. Am Ende kamen aber etwa 150 Männer und Frauen. Seither steigt die Zahl der Teilnehmer an.
Würfel und Babel, Jahrgang 1979 und 1986, sind erst nach dem Mauerfall mit den Maschinen in Kontakt gekommen. Würfel machte die S 50 seines Vaters aus dem Keller wieder flott. Auch Babel kurvt am liebsten auf Mokicks aus Suhler Produktion herum. Beide schwärmen für die Robustheit der Maschinen. Mit wenig handwerklichem Geschick lasse sich fast alles reparieren. "Ich habe meine S 50 jeden Winter zerlegt und wieder zusammengeschraubt", sagt Würfel. Wer Zünder und Vergaser nur hin und wieder sauber mache, der könne mit einem Motor 20.000 Kilometer schaffen.
Als großen Vorteil nennen beide, dass die zugelassene Höchstgeschwindigkeit bei Simson-Zweirädern bei 60 Stundenkilometer liegt. Dies sei einst im Einigungsvertrag für alle bis 1992 zugelassenen Fahrzeuge gesichert worden. Andere Zweiräder dieser Klasse mit 50 bis 70 Kubikzentimeter Hubraum dürfen demnach maximal 45 Kilometer pro Stunde fahren.
Auch die Benzinpreise sind für manchen wohl ein Grund, vom Auto aufs Zweirad umzusteigen. Zumindest technisch gibt es da kaum Schwierigkeiten, wie Harry Windisch sagt. Der 77-Jährige betreibt seit 1971 in Wilkau-Haßlau bei Zwickau ein Zweiradgeschäft und unternimmt nach größeren Reparaturen mit den Maschinen seiner Kunden immer noch selbst Probefahrten. "Es ist überhaupt kein Problem, eine 20 Jahre abgestellte Simson in Gang zu setzen", sagt er. Wenn noch DDR-Benzin mit hohem Benzolanteil im Tank sei, sei dieser meistens nicht einmal verrostet.
Beim Zwickauer Simson-Treffen ist Windisch immer dabei, um "mit Experten zu fachsimpeln". Auch viele ehemalige Simson-Werker und die Nachfolger von der Firma Meier-Zweiradtechnik-Ahnatal (MZA) aus Nordhessen sind regelmäßig dabei. MZA hat 2003 nach der letzten Simson-Insolvenz Lizenzverträge mit den Inhabern der Markenrechte geschlossen. In Vellmar bei Kassel und in Suhl werden seither Ersatzteile, Rahmen und komplette Motoren für Simson-Fahrzeuge gefertigt und an 1.500 Fachhändler deutschlandweit vertrieben, wie Unternehmenssprecher Sebastian Heuser sagt. In Suhl sind noch 15 Mitarbeiter beschäftigt, einige von ihnen Simson-Urgesteine.
Nach MZA-Angaben sind schätzungsweise mehr als 500.000 Simson-Fahrzeuge auf deutschen Straßen unterwegs, gebaut wurden mehr als fünf Millionen. Genaue Zahlen gibt es nicht, da die Zulassungen über Versicherungsschilder erfolgen und nicht vom Kraftfahrtbundesamt erfasst werden. Auch Dutzende Klubs in Ost und West widmen sich den Mopeds und Mokicks aus Suhler Produktion. Kultstatus hat dabei vor allem die Schwalbe. Mit einem solchen Gefährt fuhr einst auch Agnes Kraus als Gemeindeschwester Agnes in einer bekannten DDR-TV-Serie über die Dörfer.
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