Fünf Kommunen des Landkreises Zwickau haben in den ersten drei Quartalen 2009 laut Statistischem Landesamt mehr Gewerbesteuern eingenommen als im gleichen Zeitraum 2008. In der Karte sind sie dunkelgrün unterlegt. Alle anderen 28 Städte und Gemeinden hatten zum Teil deutliche Einbußen zu verkraften.

Westsachsen erlebt Gewerbesteuer-Debakel

Firmen leisten deutlich weniger Abgaben an Städte und Gemeinden des Landkreises Zwickau - Zum Teil Einbrüche von mehr als 50 Prozent

Zwickau. Die Städte und Gemeinden des Landkreises Zwickau haben in den ersten neun Monaten des vergangenen Jahres im Durchschnitt über ein Viertel weniger Gewerbesteuern eingenommen als im gleichen Zeitraum des Jahres davor. Laut Statistischem Landesamt sanken die Einnahmen von gut 60 Millionen Euro auf rund 40 Millionen Euro. Im Vergleich mit den Kommunen der anderen Kreise im Freistaat gingen die Gewerbesteuereinnahmen damit in der Region deutlich stärker zurück: Sachsenweit lag das Minus nur bei einem Siebtel.

Krise stoppt Aufwärtstrend

Unter den 33 Kommunen im Kreis Zwickau hat es den Zahlen nach Hohenstein-Ernstthal am härtesten getroffen. Um fast vier Fünftel brachen die Gewerbesteuereinnahmen in den ersten drei Quartalen 2009 ein. Statt rund zwei Millionen Euro (2008) flossen nur noch etwas mehr als 400.000 Euro. Dabei ist in der Stadt mit dem Solaranlagenhersteller Roth & Rau ein Unternehmen ansässig, das in den vergangenen Jahren stark gewachsen ist und seinen Umsatz von 2007 auf 2008 nahezu verdoppelt hatte.

Einen entsprechenden Sprung machten somit auch die Steuerzahlungen. Die Krise hat diesen Trend gestoppt. Die Roth & Rau AG schreibt in ihrem jüngsten Quartalsbericht, dass in den ersten neun Monaten 2009 der Umsatz im Vergleich zum Zeitraum Januar bis September 2008 um fast ein Fünftel zurückgegangen ist. Parallel verzeichnet Hohenstein-Ernstthal Steuerausfälle.

In der Kämmerei des Rathauses geht man von einem Minus von etwa 30 Prozent aus - und nicht von fast 80 Prozent. Wie der Wert des Statistischen Landesamtes zustande gekommen ist? "In den ersten beiden Quartalen von 2009 hatten wir erhebliche Rückzahlungen zu leisten", sagt Gabriele Arnold, Mitarbeiterin der Kämmerei. Das heißt: 2008 hatte Hohenstein-Ernstthal von seinen Unternehmen weit mehr Steuern vorausgezahlt bekommen, als diese dann nach der Abrechnung durch das Finanzamt tatsächlich hätten leisten müssen. Das zu viel gezahlte Geld überwies die Stadt zurück. In der Statistik tauchen nun als Vergleichsgröße zu den aktuellen Gewerbesteuern noch die Vorauszahlungen auf.

Aus Plus wird schnell Minus

Auch in Kirchberg irrt die Statistik. Die Siebenhügelstadt geht aus dem Zahlenwerk als Sieger hervor - mit einem Steuerzuwachs von 27 Prozent. Zum Jubeln ist Kämmerer Frank Hänel dennoch nicht zumute. "Wir sind im Sturzflug", sagt er. Dazu reichten zwei, drei große Betriebe in der Stadt, die ein schlechtes Ergebnis erzielt haben. Eiskalt erwischt hat es die Stadt nicht. "Es war zu erwarten, dass sich die Krise bei uns erst etwas später auswirkt", so Hänel. Die größten Probleme sieht er auf Kommunen zukommen, die hauptsächlich von Logistikunternehmen, Autoindustrie-Zulieferern und Maschinenbauern leben. "Ein Branchenmix wäre besser." Aber das kann sich eben keiner aussuchen.

Stichwort

Betriebe zahlen Gewerbesteuer an die Kommune, in der sie ansässig sind. Die Höhe legt das Finanzamt anhand der Betriebsergebnisse der vergangenen Jahre fest. Laufen die Geschäfte schlecht, kann die Firma eine Unterbrechung der Zahlungen beantragen. Mit einigen Monaten Verzögerung muss die Kommune sogar Geld zurückzahlen. Deshalb sind Statistiken nur eine Momentaufnahme. Erst Mitte 2010 wissen Kommunen ganz genau, wie viel Gewerbesteuer sie 2009 eingenommen haben. (mit nie)


 
erschienen am 12.01.2010 ( Von Sara Thiel und Dennis Kittler )
 
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