Kämpft schon lange für die Kennzeichen-Vielfalt: der Heilbronner Professor Ralf Bochert. Kämpft schon lange für die Kennzeichen-Vielfalt: der Heilbronner Professor Ralf Bochert.

Foto: Mario Hösel

125 Städte erlauben alte Kennzeichen

Schon ab nächstem Jahr könnte sich der Wunsch vieler Sachsen erfüllen

Chemnitz. Mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit werden im nächsten Jahr in den meisten Bundesländern neben den aktuellen auch alte Kfz-Kennzeichen wieder ausgegeben. 125 deutsche Städte haben entsprechende Stadtratsbeschlüsse gefasst, Willensbekundungen verabschiedet oder Anträge an ihr jeweiliges Verkehrsministerium gestellt. In Sachsen sind es 18 Kommunen, darunter Hainichen, Hohenstein-Ernstthal, Glauchau, Mittweida, Plauen, Rochlitz und Stollberg.

Grundlage bildet ein Beschluss der Verkehrsministerkonferenz der Länder vom April dieses Jahres. Darin wurde der Bund gebeten, die Länder bei der Wiedereinführung ausgelaufener Kennzeichen zu unterstützen - durch eine Änderung in der Fahrzeug-Zulassungsverordnung. So soll rechtssicher ermöglicht werden, dass von einer Zulassungsstelle unterschiedlich Kennzeichen zugeteilt werden können.
"Sachsen ist in der daraufhin gebildeten Bund-Länder-Arbeitsgruppe zur Ausgestaltung einer bundesweit einheitlichen Regelung vertreten. Sie befasst sich seit Juni damit", bestätigte die Sprecherin des sächsischen Wirtschaftsministeriums Isabel Siebert. Die Ergebnisse werden im nächsten Frühjahr den Verkehrsministern vorgelegt. Geben sie ihre Zustimmung, muss das Papier noch den Bundesrat passieren. "Es ist aber nicht damit zu rechnen, dass er die Pläne stoppt. Er wird sich vielmehr an das halten, was die Minister vorschlagen", sagte gestern der Heilbronner Professor Ralf Bochert. Er hatte die Wiedereinführungsdebatte ins Rollen gebracht.

Mittlerweile hat er mit einem Team von Wissenschaftlern in 111 deutschen Städten mehr als 25.000 Interviews mit Bürgern zu ihren persönlichen Wünschen und ihren Beweggründen geführt. Im Herbst sollen in weiteren 30 Städten Gespräche folgen. Bochert ist sich sicher, dass vor allem in Sachsen, Thüringen und Mecklenburg-Vorpommern die alten Kennzeichen eine Renaissance erleben werden. In Sachsen waren sie stufenweise, zuletzt 2008 im Zuge der Kreisreform, abgeschafft worden. Im neu gebildeten Landkreis Mittelsachen hatten sich aber die meisten Döbelner und Mittweidaer beispielsweise nie mit dem neuen Kennzeichen FG, das für den Kreissitz Freiberg steht, identifiziert. Im Vogtland wollten die Plauener kein V, sondern PL am Auto haben.

Auch in den alten Bundesländern, wo die Kennzeichen zum Teil schon seit den 1970er-Jahren gelten, sei das Stimmungsbild erstaunlich, sagte Wissenschaftler Bochert. In Nordrhein-Westfalen wollen zehn, in Baden-Württemberg zwölf Städte die alten Kürzel. In Bayern liege die Zahl der Städte bundesweit am höchsten, aber dort gebe es auch die meisten Orte. Kaum diskutiert wird das Thema bisher im Saarland und in Rheinland-Pfalz. Bochert geht davon aus, dass die wenigen Länder, die alles beim Alten belassen wollen, die Neuregelung auch nicht einzuführen brauchen.
 

 
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125 Städte erlauben alte Kennzeichen
Das mögliche Vorgehen
 
erschienen am 08.08.2011 (Von Gabi Thieme )
 
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