Anfang der Woche demonstrierten 150 Diskobesucher in Gornau für den Erhalt ihrer Dorfdisko "Dom". Foto: T. Fritzsch
Ausgetanzt: Immer mehr Diskotheken drehen Musik ab
Auch ohne höhere Musikgebühren ist es in vielen Diskos der Region schon still geworden - In Werdau und Gornau stehen weitere Clubs vor dem Aus
Gornau/Werdau. Das Diskotheken-Sterben in der Region geht weiter. Neben dem "Fabrix-Club" in Werdau, der bereits Ende Juli seine letzte Tanzrunde veranstalten wird, muss auch die Diskothek "Dom" in Gornau Ende des Jahres ihre Türen schließen. "Das ist eindeutig ein Trend", sagt Frank Lehmann, Hauptgeschäftsführer des Landesverbandes des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga).
Die Gründe für diese Entwicklung sind vielfältig. "Zum einen ist die Mobilität der Menschen viel größer geworden", erklärt Lehmann. Viele nähmen kilometerlange Anfahrtswege in Kauf, um in angesagte Diskotheken zu kommen. Zum anderen könne man kaum noch von einer reinen Diskothek leben, da sich die Kosten massiv erhöht hätten. Die Schnelllebigkeit der Gesellschaft mache zudem hohe Investitionen in Umbauten und neue Konzepte notwendig, die sich viele Betreiber nicht leisten könnten. "Spätestens aller drei Jahre muss investiert werden, um die Gäste bei Laune zu halten", sagt der Dehoga-Geschäftsführer. Die Folge: Vor allem im ländlichen Raum fehlen attraktive Angebote für junge Menschen. Wer in eine Diskothek möchte, muss in die nächste Stadt oder noch weiter fahren.
Nischenkonzept ging nicht auf
Für den Betreiber des "Fabrix-Clubs" in Werdau bedeutet dieser Trend das Ende seines Traums. Im Juli schließt die Diskothek. "In den vergangenen Jahren ist es einfach nicht mehr gut gelaufen", sagt Florian Harbeck. Neben den schleichenden Preiserhöhungen für Getränke, Strom, Werbung und Lizenzgebühren für Musik macht der DJ fehlende Gäste für das Scheitern verantwortlich. "Das größte Problem für die Region ist die Abwanderung der jungen Leute", sagt der Club-Chef. Er hätte sich mehr Unterstützung von der Stadt gewünscht. "Immerhin verliert Werdau mit uns wieder ein Stück Jugendkultur."
Als er vor neun Jahren anfing, wollte Harbeck Nischen bedienen. Schnell machte sich der Werdauer Club in der Schwarzen Szene einen Namen. "Doch hier geht der Nachwuchs aus", sagt er. Zudem habe sich der Pro-Kopf-Verzehr in den letzten Jahren halbiert. Anfangs tranken die Gäste für zehn Euro, jetzt nur noch für fünf bis sechs Euro. Das ist auch für den Deutschen Diskothekenverband ein Grund für das Aussterben von Diskotheken in Ostdeutschland. "Die Kaufkraft ist relativ gering", erklärt Verbands-Geschäftsführer Stephan Büttner. Zudem habe sich der Wettbewerb verschärft. "In den vergangenen 10 bis 15 Jahren ist das Freizeitangebot vielfältiger geworden. Diskotheken und Clubs konkurrieren mit Musikkneipen, Multiplexkinos und natürlich auch dem Internet", sagt Büttner. Zusätzlich habe sich das Zielgruppenpotenzial verändert. "Wo weniger junge Menschen leben, gibt es auch weniger Bedarf."
Dass man mit Diskotheken nur schwer Geld verdienen kann, weiß auch Hendrik Drechsler. Er ist einer der Betreiber der Dorfdisko "Dom" in Gornau. "Wir haben die letzten zehn Jahre kein Geld damit verdient. Aber es ist einfach wichtig, so etwas zu erhalten", sagt er. Mit Motto-Partys und regelmäßigen Komplettumbauten hielt er die Jugend aus der Umgebung bei der Stange. Doch Ende des Jahres soll Schluss sein. Die erzgebirgische Gemeinde will das Gebäude an einen Investor verkaufen. Selbst eine Demonstration der Disko-Besucher vor der Gemeinderatssitzung erzielte kein Einlenken.
Auch Gaststätten in Gefahr
"Wenn sie alles schließen, wo sollen wir da noch hin?", fragt sich Cindy Schubert aus Gelenau. Und auch für die 23-jährige Silvana Ihle wird sich zukünftig vieles ändern. "Ich bin dann immer auf einen Fahrer angewiesen. Außerdem kannte ich fast alle Gäste. Das wird mir in einer anderen Disko fehlen", sagt die Gornauerin. Für Hendrik Drechsel steht fest, dass sich das Konzept nicht einfach auf ein anderes Gebäude übertragen lässt. "Deshalb weiß ich noch nicht, ob ich danach wieder etwas in Gornau aufbauen werde."
Sollte es ab 2013 zur geplanten Tarifveränderung für Musiklizenzen durch die Gema kommen, stehen für Dehoga-Chef Lehmann nicht nur Diskotheken auf dem Spiel. Dann seien auch Gaststätten und Kneipen in Gefahr. Bei einer Pressekonferenz des Verbandes rechnete ein Wirt gestern vor: "Bisher war die Gema mit 2500 Euro im Jahr zufrieden. Ab 2013 müsste ich knapp 19.000 Euro aufbringen."