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Färbewanne Deutsche Einheit der Biker: Johannes (Erdmannsdorf), Egon (Waldheim), Clemens (Erdmannsdorf), Willi und Jörg (Dortmund) und Chris (Chemnitz, v. l.) hatten ihren Spaß in der Färbewanne aus der alten Spinnerei.

Foto: C. Dohle

Hohenfichte: Hunderte Biker feiern ihre Winterparty

Motorradfahrer fuhren am Wochenende in Hohenfichte ein

Von Katrin Kablau
erschienen am 09.01.2011

Hohenfichte. Stünde in Hohenfichte nicht die alte Baumwollspinnerei, sondern eine Burg, wäre es wohl eine stilechte Belagerung gewesen - ohne Gegenwehr, versteht sich. Eigentlich hatte Frank Friedemann nach der kurzfristigen Absage des 41. Wintertreffens auf Schloss Augustusburg nur "ein paar versprengte Motorradfahrer" aufnehmen wollen. Was er mit seiner Wortmeldung im Internet auslösen würde, konnte der Flöhaer anhand der Unmenge von Antwort-Mails nur erahnen. Am Sonnabend feierten am Ufer der Flöha Hunderte Biker, die deutschlandweit angereist waren, "Plan B Hohenfichte" und ihre ganz persönliche Party.

Noch kurz vor dem riesigen Industriegelände war nicht wirklich zu erkennen, welches Szenario sich dort bereits seit Freitag bot. Die alten Produktionshallen versperrten den direkten Blick aufs wild-wüste Fahrerlager und die sicher einmalige Show. Im Minutentakt fuhren Gespanne und Solomaschinen ein, die Neuankömmlinge zogen die Aufmerksamkeit der feiernden Fangemeinde auf sich. Allen stand der Triumph über den schwächelnden Winter und die Absage des Wintertreffens 2011 ins Gesicht geschrieben.

Zu den Belagerern, die es sich gleich am Eingang zum Areal gemütlich gemacht hatten, zählten Kneiper, Mongole, Otto und Öre aus Altenburg. Ihre Gefährte - darunter Dnepr K 750 und Ratbikes - standen aufgereiht an der abgewrackten Halle, in der einst ununterbrochen hauchdünne Baumwollfäden gesponnen wurden. Die achtköpfige Truppe kochte derweil ihr eigenes Süppchen. Über dem offenen Feuer brodelten bereits die Bohnen. Kartoffeln und Zwiebeln hatte man in Gemeinschaftsarbeit geschält und gestückelt. Dass man pro Motorrad nur fünf Euro Eintritt zu löhnen hatte, davon waren die Thüringer wirklich begeistert, die auch von einem netten Kurzbesuch der Ordnungshüter am Freitagabend berichteten. Sie würden sich hier gut aufgenommen fühlen und nicht wie im Zoo. Obwohl noch die Frage zu klären sei, wer in den vergangenen Jahren beim Wintertreffen auf Augustusburg die Affen gewesen seien, schränkten sie ein: Motorradfahrer oder Schaulustige?

"Das 41. Wintertreffen FÄLLT NICHT AUS!!!!!!", war auf dem eigens kreierten T-Shirt von Heiko Frobich aus Schöppenstedt (bei Braunschweig) zu lesen. Mit seinem Gaudi-Gefährt zog der Niedersachse trotz magerer acht Pferdestärken die Blicke auf sich. Weil an der Kons- truktion kein Platz für den Auspuff war, hatte der Schrauber die dazu umfunktionierte Milchkanne auf zwei Rädern einfach angehängt.

Apropos Blicke: Die weiteste Anreise beim ersten abgesagten Wintertreffen nahm nachweislich ein Finne auf sich, den die Nachricht von der Absage erst erreichte, als er mit seiner Jawa bereits gen Augustusburg aufgebrochen war: Während das Gespann zwischen den Motorrädern vor der offenen Halle stand, blieb dessen Besitzer jedoch am Sonnabend unauffindbar. So muss der Titel von den Gastgebern nachgereicht werden.

Eines wurde in den Benzingesprächen deutlich: Die Biker sind in Hohenfichte bestens aufgenommen worden. Frust machte sich darüber breit, dass ihnen die Auffahrt zum Schloss an diesem Wochenende verwehrt blieb. Freie Zufahrt wurde nur den 160 Fahrern gestattet, die sich in der Jugendherberge auf dem Schellenberg eingebucht hatten. An alles war gedacht, sogar Teilehändler hatten ihre Kostbarkeiten ausgebreitet. "Echter" Hingucker war die Badeschau von sechs Unerschrockenen, die sich stilecht mit Quietscheentchen in eine Färbewanne wagten. Das Wasser war zuvor über offenem Feuer erhitzt worden.

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