In Frühbuß/Prebuz, der kleinsten tschechischen Stadt, hält sich der Winter meist sehr lange.

Foto: Helmut Schneider

Kleinste Stadt bewohnen 74 Menschen

594 Kommunen in der Tschechischen Republik besitzen Stadtrecht - Die kleinsten davon haben sage und schreibe weniger als 100 Einwohner

Frühbuß/Prebuz. Helena Pøibilova kennt wahrscheinlich jeden Einwohner ihrer Stadt persönlich. Das allerdings verwundert kaum. Denn seit knapp einem Vierteljahr ist sie die Bürgermeisterin des kleinsten Städtchens im tschechischen Erzgebirge. Die Kommune zählt gerade einmal 74 Einwohner.

Das in rund 880 Metern über dem Meeresspiegel gelegene Frühbuß/ Pøebuz ist mit dieser Zahl keineswegs ein Exot im Nachbarstaat. "Kommunen, die vor dem Mai 1954 das Stadtrecht besaßen, können dessen Erneuerung wieder beantragen", erklärt dazu Jan Horník, Senator und Bürgermeister des grenznahen Gottesgab/Boží Dar. 1954 waren diese Titel in der CSR aberkannt worden. Boží Dar, zwischenzeitlich sogar nach Sankt Joachimsthal/Jáchymov eingemeindet, bekam bereits 2006 das Stadtrecht zurück. "Inzwischen sind vor allem im böhmischen Erzgebirge mehrere Kommunen dem Beispiel gefolgt", so Horník und nennt Abertham/Abertamy, das 1579 Bergstadt geworden war. Nach einem zwischenzeitlichen Niedergang erhielt der Ort 1792 zunächst das Marktrecht, wurde 1876 erneut zur Stadt erhoben und bekam das Stadtrecht 2007 zum dritten Mal. Auch Platten/Horní Blatná - Bergstadt seit 1534 - erhielt das Stadtrecht zurück. Ebenso Böhmisch Wiesenthal/Louèná pod Klínovcem, das der Pöhlbach von Oberwiesenthal trennt. Mit 80 Einwohnern ist Louèná, das 1527 das Stadtrecht bekam sowie zwischen 1986 und 1991 sogar nach Weipert/Vejprty eingemeindet gewesen war, heute nur unwesentlich größer als Pøebuz.

Für die kleinen Kommunen ist das Stadtrecht vor allem Prestigetitel - maximal verbunden mit Wappen und Fahne, wie Jan Horník erklärt: "Sonderrechte oder höhere staatliche Zuweisungen gibt es deshalb nicht." Das bestätigt Karel Žentek, stellvertretender Bürgermeister von Pøebuz: "Wir bekommen Zuschüsse nach der Zahl der Einwohner. Da macht es überhaupt keinen Unterschied, ob wir Gemeinde oder Stadt sind."

Von Thorald Meisel

 

Zahlen und Fakten

Größte Städte: Prag/Praha (1,3 Millionen Einwohner), Brünn/Brno (372.000), Ostrau/Ostrava (306.000), Pilsen/Plzen (170.000).

Kleinste Städte: Frühbuß/Prebuz (74), Böhmisch Wiesenthal/Loucná pod Klínovcem (90), Gottesgab/Bozi Dar (188), Unterreichenstein/Rejstejn (241).

Größtes Dorf ohne Stadtrecht: Jesenice (6500 Einwohner).

Quelle: Prager Zeitung

 

 
erschienen am 07.03.2011
 
Kommentare
0
(Anmeldung erforderlich)

 
 
 
Artikel weiter empfehlen
per E-Mail per Bookmark
 
Facebook Teilen   Twittern  
 
 
Shop-Tipp

Anders leben

?Anders leben? ist der fünfte Band unserer ?Hausbuch-Serie?. Er mag ein wenig anders sein, als die vorherigen, weil er nicht nur Häuser und...
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Webtipps