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Dominik Jung- Diplom-Meteorologe

Foto: Wetter.net

"Langfristtrends sind pure Unterhaltung"

Wetter-Experte Dominik Jung zieht eine Winter-Bilanz: Der Trend lag daneben

erschienen am 28.02.2014

Chemnitz. Den Langfristtrend des "Freie Presse"-Wetterexperten Dominik Jung zum Winter 2013/ 2014 kann man mit zwei Worten gut beschreiben: Voll daneben. Dietmar Bartel konfrontierte den Meteorologen vom Internetportal Wetter.net pünktlich zum morgigen meteorologischen Frühlingsbeginn mit seinen Aussagen aus dem vergangenen September und bat um eine ehrliche Bilanz.

Freie Presse: Herr Jung, Hand aufs Herz. Ihr Langfristtrend vom September war wohl nix.

Dominik Jung: Ja, stimmt, der lag daneben. Es war kein Frostwinter, es war ein Winter, der von milden Westwindwetterlagen geprägt war: vermutlich Platz 5 der mildesten Winter seit 1881. Aber es war ja nicht "mein" Trend.

Wie bitte, wollen Sie sich jetzt etwa herausreden oder wie sollen wir das verstehen?

Nein, nicht herausreden. Aber ich gebe ja nur die Ergebnisse der entsprechenden Klimamodelle wieder. Ich verwerte hauptsächlich das Modell des amerikanischen Wetterdienstes: CFS, Climate Forecast System, übersetzt also Klima-Vorhersage-System. Die Trends reichen dort bis zu sieben Monate in die Zukunft.

Was aber diesmal eher dem Blick in die berühmte Glaskugel glich.

Es gab diesen Jahrhundertwinter - nur eben nicht bei uns, sondern um uns herum: im Süden Österreichs die heftigsten Schneefälle seit hundert Jahren, ebenso in Teilen der Schweiz, Eisregen-Katastrophe in Slowenien, den heftigsten Wintereinbruch seit 50 Jahren in Israel und Jordanien, mehr als zwei Meter Schnee im Iran. Und nicht zuletzt die USA und Kanada mit den heftigsten Winterereignissen seit mehr als 20 bis 30 Jahren.

Was aber den falschen Trend für die Region nicht besser macht.

Stimmt natürlich. Aber wie ich schon immer sagte, sind diese Langfristtrends pure Unterhaltung. Meinen Urlaub würde ich danach nicht planen.

 

Diese Schlagzeile stand am 13. September 2013 auf Seite Ratgeber.
 

Wo sehen Sie die Ursache, dass der Trend diesmal daneben lag?

Zum einen hatte ich in einem früheren Interview bereits darauf hingewiesen, dass man klar zwischen einer Wetterprognose und einem klimatologischen Langfristtrend unterscheiden muss. Eine detaillierte Prognose, also Vorhersage, ist nicht möglich, ein Trend schon. Eine Wettervorhersage kann man nur für drei bis fünf Tage abgeben. Und schon nach drei Tagen liegt die Trefferquote bei nur noch 85 Prozent.

Und zum anderen?...

... war wohl der heftige Winter in den USA der Todesstoß für unseren Winter. Die Kälte blieb auf dem amerikanischen Kontinent hängen.

Nun gibt's keinen Winter mehr?

Zumindest sehen die ersten Trends bis Mitte März mildes und weitgehend sogar sehr trockenes Wetter. Zur Monatsmitte rückt sogar die 20-Grad-Marke in greifbare Nähe.

Haben Sie nach diesem Reinfall die Lust auf Trends verloren?

Wieso? Auch der Deutsche Wetterdienst zum Beispiel gibt einen Jahreszeitentrend heraus. Nach diesem ist ein Frühling der Klasse "warm" am wahrscheinlichsten.

 
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