Beten und Singen: Mehr als 6000 Zeugen Jehovas kamen zum Bezirkskongress nach Dresden

Foto: André Wirsig

Leben auf Abstand

Freistaat ist Hochburg der Zeugen Jehovas - Tausende trafen sich bei Bezirkskongress in Dresden - Ein Besuch bei Menschen, die auf das Ende warten

Dresden. Reinhold Becker* trägt einen schwarzen Anzug mit Nadelstreifen und lächelt viel. Das künstliche Licht im fensterlosen Raum lässt ihn blass aussehen. Becker ist 43 Jahre alt und seit 30 Jahren ein Zeuge Jehovas. Er glaubt daran, dass die Welt in Kürze untergehen wird und nur denen das Paradies offensteht, die nach dem Willen Gottes gelebt haben. "Wenn Sie mit uns reden, reden wir mit Ihnen", sagt er und faltet die Hände.

Becker ist einer der Sprecher beim Bezirkskongress der Zeugen Jehovas am vergangenen Wochenende. "Gottes Königreich komme!", lautet diesmal das Motto. Es sei dem Vaterunser entlehnt, erklärt Becker. "Es bedeutet, Gott wird bald seine Herrschaft auf der Erde übernehmen." Einmal im Jahr kommen Jehovas Zeugen in großen deutschen Städten zusammen: Köln, München, Dortmund, Berlin. Fast immer sind es Stadien, in denen sie sich treffen. Fast immer bekommt der Normalbürger nichts davon mit. Im Stadion, wo sonst bis zu 32.000 Fußballfans Dynamo Dresden anfeuern, sitzen jetzt mit geradem Rücken knapp 6500 Menschen - Rentner, Kinder, Ehepaare. In Sonntagsstaat, das Gesangbuch auf den Knien.

Becker hat sein Buch in weiches, schwarzes Leder einschlagen lassen. Er arbeitet als Innenausstatter, ist verheiratet und hat zwei Kinder. Sein Lebensziel jedoch sind nicht die Büromöbel, die er verkauft, oder ein sorgenfreier Ruhestand. "Ich möchte meinen Mitmenschen die biblische Wahrheit nahe bringen", sagt er. Etwa 200.000 sogenannte "Verkündiger" gibt es in Deutschland, Menschen, die wie Becker die Lehre der Zeugen Jehovas von Haus zu Haus tragen oder mit den beiden Zeitschriften der Organisation "Wachtturm" und "Erwachet" bei Wind und Wetter wortlos an der Straße stehen. "Die Welt macht es uns nicht leicht, Diener Gottes zu sein", sagt Becker. In großen Städten wie Dresden hätten mittlerweile fast alle Häuser Sprechanlagen. "Die Leute öffnen in 80 Prozent der Fälle nicht einmal die Tür." Vom Volksmund oft noch als Sekte bezeichnet, sind die Zeugen Jehovas auch in Sachsen seit 2009 als Körperschaft des öffentlichen Rechts anerkannt, genießen die gleichen Rechte wie die großen Kirchen. Einzig Baden-Württemberg, Bremen, Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz verweigern der Glaubensgemeinschaft bislang eine Gleichstellung. Als Munition dienen Berichte über Todesfälle nach verweigerten Bluttransfusionen und der Umstand, dass Jehovas Zeugen nicht wählen gehen.

 
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erschienen am 30.07.2011 ( Von Ulrike Nimz (text) )
 
Kommentare
2
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  • 06.08.2011
    21:53 Uhr

    LeserFP: Berichterstattung wie zu DDR Zeit!
    Voreingenommen & nicht objektiv.
    Bereits in der Überschrift wird Parteilichkeit des Journalisten offensichtlich!
    Intelligenten Lesern wird auch der Widerspruch am Bericht auffallen (in Papierzeitung aus ganzen Text ersichtlich), wenn suggeriert wird :
    "Abends schaut die ganze Familie Nachrichten" , später liest man, dass
    "Mitglieder gedrängt werden, herkömmliche Medien zu meiden und sich ausschließlich mit den Publikationen der Gemeinschaft zu beschäftigen." ALLES KLAR oder?
    Da ich Zeugen Jehovas kenne und ich weis, dass hier viel aus dem Zusammenhang gerissen wurde, macht mich das aber neugierig, mich mal unvoreingenommen direkt an der Quelle zu informieren - meinem Fall dann wohl bei meinem völlig ferngesteuerten hirnmanipulierten Arbeitskollegen (Bankkauffrau mit Hochschulabschluss!!!)

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  • 03.08.2011
    00:29 Uhr

    langhals: Die Zeugen Jehovas sind Anti-Demokraten und Gewalttäter im Geiste: Sie befürworten, dass in Kürze unser demokratischer Rechtsstaat zugunsten der Herrschaft ihres Gottes beseitigt wird. Zuvor soll der größte Teil der Menschheit im Gottesgericht "Harmagedon" umgebracht werden - all jene, die nicht ihrem Gott Jehova dienen wollen. Es ist mir völlig unverständlich, dass der Freistaat Sachsen eine solche Organisation als Körperschaft des Öffentlichen Rechts anerkannt hat.

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