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Seilbahn soll höchste Erzgebirgsgipfel verbinden

Ein seit vielen Jahren diskutiertes Vorhaben nimmt ein Stück weit Gestalt an

Von Gabi Thieme
erschienen am 06.09.2009

Oberwiesenthal. Während in Oberwiesenthal und anderen Gegenden des Erzgebirges die Diskussion über die Zukunft der nach 85 Dienstjahren altersschwachen Fichtelbergschwebebahn entbrannt ist, werden an anderer Stelle Nägel mit Köpfen gemacht. Zwei Oberwiesenthaler - Lutz Heinrich und Wolfgang Laas - haben jetzt ein detailliertes Projekt für eine Seilschwebebahn vorgelegt, die die beiden höchsten Gipfel des sächsischen und des böhmischen Erzgebirges miteinander verbinden soll: den Fichtelberg und den Keilberg (Klinovec). Die geplante Länderschaukel wäre die längste freischwebende Seilbahn Europas und die zweitlängste Gipfel-Gipfel-Bahn der Welt - nach der 2008 eingeweihten am Whistler-Mountain in Kanada.

Die Idee einer so genannten Länderschaukel ist nicht neu. Erste Pläne gab es bereits 1993. Beteiligt daran war schon damals das österreichische Unternehmen ATC, bei dem der Wahloberwiesenthaler Heinrich unter Vertrag steht und das mittlerweile 600 touristische Projekte in 60 Ländern entwickelt hat. Die seinerzeit diskutierte Gipfelverbindung sollte durch den Zechengrund führen, der die Grenze zwischen beiden Ländern bildet und als Landschaft unter strengem Schutz steht. "Als Problem wurde damals zudem der Grenzübertritt gesehen, der ja noch mit Ausweispflicht verbunden war", erinnert Heinrich an zwei Hemmnisse. "Inzwischen haben sich die politischen Verhältnisse geändert und hat sich die Technik weiterentwickelt."

Im Jahr 2000 gab es auf dem Dach Sachsens erneut eine Diskussion um eine Skischaukel zwischen beiden Ländern. Allerdings fiel das genau in jene Zeit, in der Oberwiesenthal finanziell am Ende war. "Beide Seiten haben das Vorhaben nicht wirklich mit Nachdruck betrieben", meint Heinrich. Damals hatten die Firmen Ecosign und der Lifthersteller Doppelmayr Pläne unterbreitet.

"Auf die haben wir im Grunde zurückgegriffen und sie mit Doppelmayr weiter präzisiert und angepasst", berichtet Wolfgang Laas. Er war 26 Jahre lang Chef der Oberwiesenthaler Schwebebahn und im Jahr 2000 an den Studien beteiligt. Zwischen 10 und 20 Millionen Euro werden die Baukosten betragen. Die Höhe sei vor allem davon abhängig, ob man eine einzige Kabine oder zwei pendeln lässt oder sich für 10 bis 20 kleinere Kabinen entscheidet.

Beide Männer sind überzeugt, dass die Bahn einen riesigen Image-gewinn für das ganze Erzgebirge bringen würde. Allerdings sollte das Vorhaben nicht durch Oberwiesenthal, sondern den Landkreis und den Freistaat gemeinsam mit der böhmischen Region vorangetrieben werden, und zwar als Länder übergreifendes EU-Projekt. "Oberwiesenthal bekommt weder die nötige Aufmerksamkeit noch hat es allein Durchsetzungskraft", weiß Heinrich aus langjähriger Erfahrung als Unternehmer in der höchstgelegenen Stadt Deutschlands. Betrieben werden sollte die Anlage durch ein deutsch-tschechisches Unternehmen, beispielsweise eine GmbH.

Für Laas ist wichtig, dass die Bahn auch außerhalb des Winters den Tourismus beleben würde. "Technische Bauwerke von Einzigartigkeit und mit Superlativen sind immer besondere Anziehungspunkte - auf der ganzen Welt. Außerdem stünde die Bahn als Symbol der Verbundenheit zweier Völker." Ihr Komfort würde auch Älteren und Behinderten das Mitfahren ermöglichen, "denn wir müssen auch den demografischen Wandel im Blick haben", ergänzt Heinrich. Er sieht zudem einen ökologischen Aspekt: "Da nur zwei Stützen zu bauen sind, halten sich die Eingriffe in die Landschaft in Grenzen. Außerdem sind beide Berge ohnehin schon verkehrsmäßig erschlossen. Man kann davon ausgehen, dass sich der Autoverkehr auf die Gipfel dann reduziert."

In den nächsten Tagen soll das Vorhaben mit dem Landrat des Erzgebirgskreises, Frank Vogel (CDU), besprochen werden. Die Oberwiesenthaler wollen ihn mit guten Argumenten für die danach anstehenden Gespräche in Dresden ausstatten.

 
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