Gedrückte Stimmung bei der Belegschaft des MZ-Werkes: Im Anschluss an die gestrige Pressekonferenz wurden die verbliebenen Mitarbeiter in einer Belegschaftsversammlung über die neue Entwicklung informiert.Foto: Andreas Truxa
Aus für Motorrad-Produktion in Hohndorf
Bankenkonsortium erteilt MZ Absage - Geschäftsführung will Umzug in anderes Bundesland prüfen
Hohndorf. Hohndorf. Die seit langem geplante Wiederaufnahme der Produktion von 125er Motorrädern am Hohndorfer Standort der Motorenwerke Zschopau GmbH ist in weite Ferne gerückt, wenn nicht gar gescheitert. Geschäftsführer Martin Wimmer gab am Mittwoch den Rückzug des für die Anschubfinanzierung benötigten Bankenkonsortiums bekannt.
"Wir sind darüber schon verwundert, zumal unser Geschäftsplan im August vergangenen Jahres von den lokalen Banken als innovativ und tragfähig bewertet wurde", zeigte sich Wimmer bei einer Pressekonferenz in Hohndorf enttäuscht. Damals hatte der Freistaat dem Unternehmen eine Landesbürgschaft in Aussicht gestellt und zugesichert, die Unterlagen zügig zu prüfen, sobald die dafür erforderliche Hausbank-Erklärung vorliegt. Die Kreditinstitute hätten zu jener Zeit den Eindruck erweckt, dass das Schriftstück nur noch Formsache sei. "Nach Vorlage aller Unterlagen im November bewegte nun ausgerechnet eine erst am 3. Februar von den Banken angeforderte und von Spezialisten aus der Automobilindustrie erstellte gutachterliche Stellungnahme zu unserem Geschäftsplan die Banken zum Rückzug", beklagte der Ex-Grand-Prix-Fahrer.
Konsequenzen: Die MZ-Führungsriege will nun prüfen, die Motorrad-Produktionsstrecke in andere Bundesländer oder ins benachbarte Ausland zu verlagern - "dorthin, wo man noch Arbeitsplätze schaffen möchte", so Wimmer. Unabhängig davon soll der Elektroroller Charly aber weiter in Hohndorf gefertigt werden. 80 Stück seien derzeit für den Verkauf im April vorbereitet.
Ebenso wollen die MZ-Inhaber ab nächstem Monat den mit einem Lithium-Ionen-Akku getriebenen Elektroroller Emmely EL1 am alten Produktionsstandort montieren sowie die Mountainbike-Fertigung dort in Angriff nehmen. Zunächst soll es keine weiteren Entlassungen geben. Zumindest solange die Regelung zur Kurzarbeit greift, bekundete der MZ-Geschäftsführer.
Unabhängig von der Motorenwerke Zschopau GmbH läuft indes das MZ-Rennsportprogramm. Das dafür benötigte Budget über 225.000 Euro stellt MZ-Mitinhaber Peter Ertel bereit. Die Entwicklung der Moto2-Rennmaschine, an der fünf Arbeitsplätze geknüpft sind, werde ebenso in Hohndorf vorangetrieben, um die Marke in der Region wieder zu etablieren, bekräftigte Martin Wimmer.