Feuerwehreinsatz Nach der Explosion: Die Feuerwehr löscht Glutnester. Es war nicht der erste Kesselbrand im damaligen Energiezentrum gewesen.

Foto: Eberhard Mädler

Explosion zerstörte einen Traum

Urteil gegen Ex-Produktionsleiter des Energiezentrums Wilzschmühle

Aue/Eibenstock. Der frühere Produktionsleiter des Energiezentrums Wilzschmühle ist am Dienstag vor dem Amtsgericht Aue zu einer Geldstrafe verurteilt worden. Im Vorfeld der Kesselexplosion vor zwei Jahren hatte er teils haarsträubende Fehlentscheidungen getroffen.

Am 29. Januar 2009 löste sich der Traum dreier Männer in Fetzen auf. Im Energiezentrum Wilzschmühle zwischen Carlsfeld und Wilzschhaus explodierte ein Trockenofen von der Größe eines Lastkraftwagens. Berstende Schamottsteine und Bruchstücke des Stahlmantels schossen wie Granatsplitter durch die Halle. Dass es keine Toten oder Schwerverletzten gab, war pures Glück: Die Mitarbeiter hatten Schichtwechsel, sie befanden sich am anderen Ende der Halle.

Erst ein Dreivierteljahr zuvor hatte das Energiezentrum die Produktion aufgenommen. Holzreste wurden gehäckselt, getrocknet und zu so genannten Pellets gepresst. Einer der Abnehmer war die Stadt Eibenstock, welche die Pellets in ihrem Nahwärmezentrum verfeuerte.

Klaus Doderer aus Baden-Württemberg hatte in der Holzbrikettfabrik die Chance auf ein Geschäft gewittert. Er holte seinen Sohn Rainer sowie Ullrich Zitterbart an Bord, der in Eibenstock einen kleinen Forstbetrieb besitzt. Doch schon im Dezember 2008 war die Firma pleite. Die Explosion im Januar, die einen Millionenschaden hinterließ, machte den Rest der Hoffnungen zunichte.

Wie sich jetzt herausstellte, war die Havarie die Folge haarsträubender Fehlentscheidungen. Rainer Doderer, der als Produktionsleiter die Verantwortung trug, wurde am Dienstag am Amtsgericht Aue wegen fahrlässiger Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion zu einer Geldstrafe in Höhe von 2800 Euro verurteilt. Zudem muss er die Verfahrenskosten tragen. Er nahm das Urteil an.

Der 45-Jährige ist gelernter Stuckateur. Von der Pellets-Produktion hatte er keine Ahnung, wie er vor Gericht zugab: "Ich musste ins kalte Wasser springen. Ich erhielt eine kurze Einweisung, danach habe ich versucht, die Anlage zu führen."

Der Trockenofen habe von Anfang an Probleme gemacht, sich ständig wegen zu hoher Temperaturen abgeschaltet. Kann nicht sein, dachte Doderer, und ließ einen Elektriker kommen, um den Temperaturfühler zu überbrücken.

"Wieso haben Sie nicht den Hersteller gerufen, wenn Sie dachten, die Anlage sei defekt?", wollte der Richter wissen. Da das Energiezentrum insolvent war, wäre die Firma nicht angerückt, erwiderte der Stuttgarter. Also lief der Trockenofen einen Monat ohne Temperaturwächter. Es kam zu mehreren Bränden in der Anlage, aber Doderer glaubte noch immer an einen kaputten Fühler. Einen Tag vor der Explosion bestellte er einen neuen. Warum so spät? "Ich hatte es verschwitzt."

Bei der Ursachenforschung stellten Experten des TÜV fest, dass sich aufgrund zu hoher Temperaturen im Feinstaubfilter des Ofens Funken gebildet hatten. Diese setzten Schwelgase in der Trockenkammer in Brand. Eine Verpuffung war die Folge. Die Schwelgase hatten sich gestaut, weil auch die Drucksensoren der Anlage nicht funktionierten.

Rainer Doderer konnte von Glück reden, dass ihm nur Fahrlässigkeit vorgeworfen wurde, kein Vorsatz. Doch das Gericht hielt ihm zugute, dass er mit der Anlage total überfordert war. "Es gibt ein Sprichwort", sagte der Richter. "Schuster bleib bei deinen Leisten." Das macht Doderer heute. Er arbeitet wieder als Stuckateur und stottert zirka 700.000 Euro Schulden aus der Firmenpleite ab.

Die Pellets-Fabrik arbeitet seit Herbst 2010 wieder. Sie wird heute durch eine andere Firma betrieben.

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erschienen am 22.03.2011 ( Von Mario Ulbrich )
 
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