Winterspaß am Fichtelberg Winterspaß am Fichtelberg: Der Erzgebirgsgipfel erlebte am Wochenende noch einmal einen riesigen Andrang.

Foto: Wolfgang Thieme

Extremer Winter sorgt für volle Pisten

Kalte Jahreszeit zeigt sich hartnäckig - Tourismuszentren kann das nur recht sein

Chemnitz. "Besser kann ein Winter nicht laufen", schwärmt Altenbergs Bürgermeister Thomas Kirsten bei einem ersten Resümee nach den Winterferien im Freistaat. Seit dem 5. Dezember seien alle Lifte ohne Pause in Betrieb und alle Loipen durchgehend gespurt. Die Auslastung der 4600 Gästebetten sei so hoch wie lange nicht gewesen. "Bei so einem Winter muss uns um die 1600 Arbeitsplätze im touristischen Bereich nicht bange sein", meint der Stadtchef. Er könne sich noch gut an den Januar 1994 erinnern. Da habe die Auslastung bei 18 Prozent gelegen. "Eine Katastrophe für den Ort, der es im Schnitt auf 500.000 Übernachtungen im Jahr bringt. Aber nur, wen der Winter als wichtigste Jahreszeit mitspielt." Sehr gute Resonanz habe auch der erstmals eingesetzte Skibus zwischen Holzhau und Altenberg gefunden, der täglich mehrmals fuhr und Gästen beider Osterzgebirgsorte die Möglichkeit bot, die benachbarten Skigebiete kennen zu lernen.

Auch im Vogtland kein Bett frei

Doch mit dem Ferienende wird in Altenberg noch keine Ruhe einziehen. Heute beginnen hier die Special Olympics National Winter Games, für deren Ausrichtung sich Altenberg gegen Oberstdorf durchsetzte. 650 geistig behinderte Wintersportler aus ganz Deutschland werden in acht Disziplinen auf dem Kamm des Osterzgebirges um Punkte und Medaillen wetteifern. "2000 Besucher erwarten wir allein zur heutigen Eröffnung. Für uns ist also die Wintersaison längst nicht beendet", freut sich Kirsten über das Event in dieser Woche.

Das gilt auch für das Vogtland und speziell den "Balkon" dieser Region: Schöneck. "Zwar sind am Wochenende viele Gäste abgereist. Aber in wenigen Tagen beginnen die Winterferien in Bayern und gerade für die nahe an Sachsen wohnenden Oberfranken und Oberpfälzer sind wir eine gefragte Adresse", berichtet Silke Kragl-Weigel, Leiterin der Touristinformation Schöneck. In den vergangenen zwei Wochen sei in der höchst gelegenen Stadt des Vogtlands kein Quartier mehr zu bekommen gewesen. "Für eine am Donnerstag aus dem Harz angereiste Familie habe ich mir die Finger wund gewählt, bis ich ihr wenigstens vier Betten in Muldenberg anbieten konnte."

Der Winter sei noch besser gelaufen als im schon guten vergangenen Jahr. Obwohl er im Dezember durch den vielen Schnee mit etlichen Pannen zum Beispiel bei der Vogtlandbahn gestartet war. Erstmals hätten in der 2006 eröffneten Skiwelt Schöneck die Liftanlagen ohne Unterbrechung laufen können. Selbst das Tauwetter Ende Januar habe zu keinerlei Einschränkungen geführt.

Der Geschäftsführer des Tourismusverbandes Vogtlands, Michael Hecht, bestätigt die Einbrüche vom Dezember, wo die Besucherzahlen im Vergleich zum Vorjahr gleich um 12,7 Prozent sanken. Immer mehr Gäste würden ihren Urlaub kurzfristig planen. Wenn es Schlecht- oder Unwetterwarnungen gebe, blieben sie eben zuhause. Auch Hecht glaubt, dass die anfänglichen Verluste bis zum Ende der Wintersaison kompensiert sind.

Am 12. März ist Frühlingsfest

Von einem guten Winter sprechen auch die Touristiker in Ostdeutschlands Skigebiet Nummer 1, am Fichtelberg. Das Kaiserwetter der vergangenen Ferientage habe erheblich dazu beigetragen, meint der Geschäftsführer der Fichtelbergschwebebahngesellschaft, Wolfgang Schmiedl. "Zwar hat uns Frau Holle in diesem Monat ganz schön im Stich gelassen. Aber durch unsere zusätzliche Beschneiung liegen auf den Hauptpisten immer noch reichlich 60 Zentimeter Schnee. Nur drei Abfahrtsstrecken mussten wegen Schneemangels gesperrt werden." Auch die Loipen seien zumindest im Fichtelberggebiet gut befahrbar, "allerdings ziemlich hart". Schmiedel ist überzeugt, dass man wahrscheinlich auf mehr Skitage als vor einem Jahr kommen werde, da die Saison drei Wochen früher losging. Damals wurden an 114 Skitagen rund 300.000 Gäste fast 2,3-Millionen Mal auf den höchsten Gipfel Ostdeutschland befördert. "Ich garantiere, dass wir auch ohne Neuschnee zumindest bis zu unserem großen Frühlingsspaß am 12. März noch gut über den Winter kommen."

Veronika Hiebl, Geschäftsführerin des Tourismusverbandes Erzgebirge, muss in das Klagelied ihrer Kollegen aus Thüringen nicht einstimmen. Weil dort selbst in den Kammlagen zu wenig Schnee liegt, bleiben etwa die Pisten von Masserberg weitgehend verwaist. "Im Erzgebirge war in den vergangenen 14 Tagen dagegen kurzfristig in den Kammlagen kein Bett mehr frei. Kurzentschlossene hätten bis zu den Pisten und Loipen eine längere Anfahrt in Kauf nehmen müssen. Auch das kurzzeitige Tauwetter habe zu keinen Stornierungen geführt.

Kaiserwetter lockt Tagesgäste

"Wenn das Wetter doch mal nicht nach dem Geschmack der Winterurlauber war, haben vor allem die Spaßbäder und das neu gestaltete Motorradmuseum auf Augustusburg davon profitiert", bilanziert Hiebl. Durch die Kälte der vergangenen Tage würden sich viele Lifte noch beziehungsweise wieder drehen, so in Augustusburg, Eibenstock und Seiffen. Vor allem in den Winterferien habe der Tagestourismus stark zugelegt. Besucher aus Leipzig, Dresden, Gera und Zwickau hätten das Erzgebirge vermehrt angesteuert. Davon hätten besonders gastronomische Einrichtungen und die Liftbetreiber profitiert. Der Tagestourismus mache im Erzgebirge zwei Drittel des erwirtschafteten Einkommens aus. Hiebl versprach, dass der gestern vorerst letztmalig im Osterzgebirge gefahrene Skibus am 22. April neu startet. "Dann soll er bis Oktober Wanderer befördern."

 
erschienen am 28.02.2011 ( Von Gabi Thieme )
 
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