Thomas Kolbe Thomas Kolbe, Vize-Präsident der IHK Chemnitz.

Foto: Andy Scharf

Firmen zweifeln am Sinn der Industrie- und Handelskammer

Interesse an der Wahl von IHK-Vertretern hält sich in Grenzen

Rochlitz/Döbeln. Rochlitz/Chemnitz. Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Chemnitz kämpft gegen das Desinteresse ihrer Mitglieder. Obwohl Mittelsachsen mit dem Döbelner Unternehmer Thomas Kolbe den Vize-Präsidenten stellt, fragen sich hiesige Unternehmer nach dem Nutzen ihrer Pflichtmitgliedschaft in der Interessenvertretung.

Zwar hilft die Kammer Chemnitz, zu deren Einzugsgebiet die Regionen Chemnitz, Plauen, Zwickau, das Erzgebirge und Mittelsachsen gehören, den Firmen bei alltäglichen Fragen zu Export, Versand, Zahlungsmodalitäten und der Lehrlingsausbildung. Doch die Kluft zwischen der Organisation und ihren Mitgliedern scheint tief.

Ein Indiz für diesen Befund ist die bisher stets geringe Beteiligung an den Wahlen zur Vollversammlung, dem Gremium, das die Interessen der regionalen Firmen vertritt. 2005 und 1998 hatten sich lediglich etwa zwölf Prozent der Firmen an der Wahl beteiligt. Seit vergangener Woche nun steht die Vollversammlung erneut zur Wahl. Rund 80.000 Mitgliedsunternehmen im Kammerbezirk und 17.000 in Mittelsachsen können bis zum 5. April ihre Stimme abgeben.

Die Unternehmer bringen das Dilemma auf den Punkt. "Es ist nicht ganz klar, wofür unsere Stimme bei dieser Wahl gut ist. Dennoch beteilige ich mich, wenngleich das Interesse aufgrund dieser Intransparenz nicht sehr groß ist", gibt Torsten Rölig, Betriebsleiter der Amand Umwelttechnik Rochlitz, zu. Er nutze zwar Informations- und Weiterbildungsangebote der IHK. Dennoch: "Die Pflichtmitgliedschaft ist generell in Frage zustellen."

Da kann Martin Bergmann nur zustimmen. Der Seniorchef der Peniger Bergmann Beton AG moniert ebenfalls die Anonymität der handelnden Personen. "Die Kammer verschickt zwar viel Papier, doch habe ich wenig davon. Auch, weil man die Leute kaum wahrnimmt", sagt Bergmann, der den Sinn der IHK generell in Frage stellt. "Doch die sitzen fest im Sattel."

Die IHK ist sich des Desinteresses viele Mitglieder bewusst. "Die Beteiligung ist mit Blick auf andere Regionen jedoch nicht so schlecht. Dennoch hinterfragen wir selbstkritisch, warum wir nicht mehr Unternehmen erreichen", konstatiert die Chemnitzer IHK-Sprecherin Angela Grüner. Für Mittelsachsens IHK-Geschäftsführer Hans-Christoph Moser ist dieses Dilemma vielschichtig. "Die wenigsten wollen sich zusätzliche Aufgaben auf den Tisch ziehen. Der Grundsatz gilt: Die Handelnden machen es doch ganz gut. Da können sie es auch weiter machen", vermutet Moser.

Hinzu komme eine gewisse Anonymität der Protagonisten. Diesen begegne man erstmals mit der Veröffentlichung von Fotos der Kandidaten für die Wahl zur Vollversammlung. "Wir wollen so den Bezug zwischen Firmen und dem Gremium sowie dessen Aufgaben herstellen", sagt Angela Grüner. Außerdem gibt es erstmals eine Regionalkammer Mittelsachsen mit Vertretern des Kreises. Diese tagt unabhängig von der Vollversammlung und soll explizit auf Probleme regionaler Mitgliedsfirmen eingehen.

Mittelsachsen hat im obersten Gremium der IHK bisher eine Führungsposition inne. Der Döbelner Thomas Kolbe fungiert als Vize-Präsident. Der Geschäftsführer der Max Knobloch GmbH, ein Produzent von Briefkästen und Infrarot-Heizgeräten, will sich für den Fall seiner Wahl erneut für den Posten bewerben. "Wenn wir schon dabei sein müssen, sollten sich die Unternehmen auch bestmöglich einbringen und die Angebote nutzen", sagt Kolbe. Zudem seien die Netzwerke der Kammer nützlich und wichtig.

 
erschienen am 22.03.2011 ( Von Andy Scharf )
 
Kommentare
1
(Anmeldung erforderlich)
  • 21.03.2011
    22:25 Uhr

    mylischer: Wo bleibt eine Wahl, wenn von 15 nur einer ( oder eine) auf der Strecke- sprich Wahl- bleiben?

    0 0
     
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