Menü
 
Matthias Moyé hat eine tote Forelle aus dem Schwarzwasser gefischt. Nahe Lauter sind womöglich sämtliche Fische im Fluss verendet. Foto: Marcel Weidlich
 

Fischsterben im Erzgebirge bestürzt Angler

In Schwarzwasser und Mulde sind tausende Flussbewohner Opfer einer Katastrophe geworden

Von Frank HommelUnd Frank Nestler
erschienen am 16.11.2010

Aue/Schwarzenberg. Auch einen Tag danach ist das Bild noch grauenhaft. Matthias Moyé vom Anglerverband Südsachsen, Ortsgruppe Aue-Zelle, taucht seinen Köcher am alten Landmannwehr nahe Lauter ins Flusswasser. Er fischt eine tote Bachforelle heraus: Die Kiemen stehen weit vom Körper ab, das Maul sperrangelweit offen. Vermutlich ist der Fisch rasch erstickt. Moyés Blick streift über die Sandbank. Das Wasser fließt dort etwas langsamer. Auf wenigen Quadratmetern lassen sich mehr als 50 tote Fische ausmachen.

"Es hat alle erwischt", zählt Moyé auf, "Saibling, Forelle, Äsche, Koppe, Gründling." Für Sonntagnachmittag um zwei war er zum Angeln verabredet. Eine dreiviertel Stunde vorher klingelte das Handy. "Komm sofort", hörte er einen Vereinskollegen, der bereits an der Angelstelle, der Hakenkrümme bei Aue, angekommen war. "Da ist was passiert."

"Ich angle seit 20 Jahren", sagt Moyé , "so etwas habe ich noch nicht gesehen." Tausende Fische sind tot. Zwischen Schwarzenberg und Lauter wurde womöglich der gesamte Bestand vernichtet. Angler berichten, dass alle Arten und Altersgruppen betroffen sind. Noch in der Mulde nahe Hartenstein sichteten sie Kadaver. Wolfgang Seidel, Vorsitzender der Schwarzenberger Angler, konnte noch am Sonntagnachmittag Entwarnung für die Mittweida geben. Die mündet hinter dem Rathaus ins Schwarzwasser, "das schon dort als ,Brühe' ankam. Der Geruch erinnerte an Jauche". Die ersten toten Forellen entdeckte Seidel dann an der Brücke beim Neustädter Hof. "Einige habe ich vorsorglich als Beweisstücke eingefroren." Mit seinen Möglichkeiten untersuchte er auch Wasserproben auf Säure, Nitrit, Nitrat und Phosphat - ohne Ergebnis. "Das ganze Ausmaß dessen, was hier passiert ist, kann ich noch nicht beurteilen", so der Schwarzenberger. "Aber was die Kormorane nicht geschafft haben, ist jetzt erreicht."

Matthias Moyé und andere versuchten, den Fluss abzufischen: "Nach wenigen Minuten im Wasser war mein Arm rot, die Haut wurde trocken, es fing fürchterlich an zu jucken". Ein Indiz dafür, dass ein ins Wasser gelangtes Gift für das mysteriöse Massensterben verantwortlich ist. Doch worum es sich dabei handelt, das blieb am MOntag im Dunkeln.

Die Ermittlungen der Behörden sind derweil trotz der Dramatik nur zögerlich in Gang gekommen. Zwar hatten die Angler noch am Sonntagnachmittag Anzeige bei der Polizei erstattet. Doch im Umweltamt des Landkreises kam die Information erst am Montagvormittag an. "Es gibt ein Notfalltelefon, die Rettungsleitstelle hat die Nummer", sagt Beate Unger, Sachgebietsleiterin für Wasserrecht im Landratsamt. "Doch am Sonntag wurden wir nicht gerufen."

Mittlerweile verdichten sich die Hinweise, dass das Gift auf Schwarzenberger Flur ins Schwarzwasser gelangt ist. Weiteres zu Ausmaß und Folgen für das Ökosystem muss das Umweltamt des Landkreises, das in Marienberg sitzt, noch herausfinden. Vielleicht kann dann jemand die Frage beantworten, ob Menschen gefährdet waren. Oder sind.

 
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Lesen Sie auch:
  • 29.07.2016
  • freiepresse.de
  • Marienberg
Dirk Trautmann
Kleiner Japaner bringt Eschen im Erzgebirge ins Wanken  

Olbernhau. Ein Pilz aus Ostasien hat nahezu alle Bestände befallen. Damit steigt die Gefahr an Straßen, Radwegen und in Parks. weiterlesen

  • 29.07.2016
  • freiepresse.de
  • Zschopau
Dirk Trautmann
Kleiner Japaner bringt Eschen ins Wanken  

Zschopau. Ein Pilz aus Ostasien hat nahezu alle Bestände befallen. Damit steigt die Gefahr an Straßen, Radwegen und in Parks. weiterlesen

  • 16.08.2016
  • freiepresse.de
  • Aue
Georg Dostmann/Archiv
Schwere Unfälle und Tote: Wo es im Erzgebirge oft kracht  

Aue/Schwarzenberg. Eine neue Statistik zeigt die gefährlichsten Unfallorte im Kreis. Trotz teils alarmierender Zahlen ist nicht für alle Brennpunkte schnelle Abhilfe in Sicht. weiterlesen

  • 14.07.2016
  • freiepresse.de
  • Zschopau
Georg Dostmann
"Auch ich bin ein Ausländer - fast überall weltweit"  

Schönheide/Bad Schlema. Bürgerpreis Erzgebirge: Deutsche Sprache, schwere Sprache - was schnell dahergesagt ist, erfährt eine Handvoll Flüchtlinge in Bad Schlema jede Woche aufs Neue. Ein Schönheider hilft ihnen über die Hürden. weiterlesen

 
Kommentare
0
(Anmeldung erforderlich)

 
 
 
 
 
 
am meisten ...
 
 
 
 
 
 
 
 
 
 
Unsere Top-News bei Whatsapp & Co.

MorePixels/istockphoto.com

Weitere Informationen finden Sie hier

 
 
 
 
 
 
 
 
 
|||||
mmmmm