Nicht nur Medizinpersonal und chronisch Kranke, sondern auch gesunde Kinder und Erwachsene sollen sich nun gegen die Schweinegrippe impfen lassen. Das empfahl die Ständige Impfkommission (Stiko) in Berlin.Foto: Henning Kaiser
Länder erwägen Abgabe von Schweinegrippe-Impfstoff
Verkauf oder kostenlose Lieferung an Entwicklungsländer
Die Bundesländer erwägen offenbar die Abgabe nicht benötigter Schweinegrippe-Impfdosen ins Ausland. Es sei sinnvoll, im Rahmen der Entwicklungshilfe überzähligen Impfstoff abzugeben, sagte der Staatssekretär im thüringischen Gesundheitsministerium, Hartmut Schubert (SPD), dem Bielefelder "Westfalen-Blatt". Afghanistan habe bereits angefragt. Auch ein Verkauf komme in Frage. So gebe es Überlegungen, der Ukraine zwei Millionen Dosen zu überlassen, sagte Schubert. Eine Abgabe ins Ausland müsse aber von der Bundesregierung geregelt werden.
Bis Ende November hatten die Länder nach Angaben des "Westfalen-Blatts" etwa 9,6 Millionen Einheiten des Impfstoffs Pandemrix vom Hersteller erhalten, aber nur vier bis 5,8 Millionen an die Bevölkerung verabreicht. Insgesamt war bis Ende März kommenden Jahres die schrittweise Auslieferung von 50 Millionen Impfdosen vereinbart worden. Als Gründe für die niedrige Nachfrage nannte Schubert eine geringe Impfbereitschaft vieler Menschen sowie die Tatsache dass - entgegen früherer Annahmen - eine statt zwei Impfungen zur Immunisierung ausreicht.
Die Bundesländer dürften nicht auf den Kosten für überzählige Impfdosen sitzenbleiben, sagte der Staatssekretär. Auch der Bund müssen sich beteiligen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hatte am Freitag bekanntgegeben, dass die Schweinegrippe in Westeuropa ihren Höhepunkt so gut wie erreicht hat und ein allmähliches Abklingen zu erwarten ist. Für Mittel- und Osteuropa sowie in Asien rechneten die UN-Experten aber mit steigenden Infektionsraten.