In der früheren Textilfabrik an der Zschopauer Straße 52, die gerade abgerissen wird, wurde laut Stadtverwaltung bis 1945 Garn hergestellt.  In der früheren Textilfabrik an der Zschopauer Straße 52, die gerade abgerissen wird, wurde laut Stadtverwaltung bis 1945 Garn hergestellt.

Foto: A. Seidel

Millionen für den Abriss von Chemnitzer Industrie-Ruinen

Mithilfe von EU-Fördergeld verschwindet gerade eine alte Fabrik an der Zschopauer Straße - Weitere Brachen sollen folgen

Chemnitz. Schräg gegenüber dem neuen Bundesbank-Gebäude zertrümmert seit einigen Tagen ein Abrissbagger eine alte Textilfabrik. Bis Ende August, so der Zeitplan, sollen der marode Komplex an der Zschopauer Straße dem Erdboden gleichgemacht und der Schutt abtransportiert sein. Anschließend wird die Fläche voraussichtlich erst einmal begrünt, teilte André Lossin, Geschäftsführer der Jüdischen Gemeinde Berlin, am Dienstag auf Anfrage mit. Die Gemeinde ist Eigentümerin des Grundstücks, das ihr vom früheren jüdischen Eigentümer übertragen wurde, nachdem er es zurückerhalten hatte.

Für den Abriss, dessen Kosten laut Stadtverwaltung mit knapp 400.000 Euro veranschlagt sind, erhält die Gemeinde neben rund 50.000 Euro von der Stadt auch 150.000 Euro aus dem Förderprogramm der Europäischen Union zur "Revitalisierung von Industriebrachen und Konversionsflächen". Das ist der übliche Fördersatz von 75 Prozent der Kosten, der allen Eigentümern winkt, die im Zeitraum von 2009 bis 2013 solche Ruinen beseitigen oder belasteten Flächen sanieren lassen. Auch die Stadt hat davon bereits kräftig profitiert und tut es noch. Nach Angaben der Landesdirektion Sachsen erhält Chemnitz für die genannten fünf Jahre insgesamt knapp 1,8 Millionen Euro aus dem besagten EU-Programm. Hinzukommt rund eine Million Euro Fördergeld aus dem Landesprogramm zur Brachenrevitalisierung. Es decke bis zu 90 Prozent der entstehenden Kosten ab.

Am meisten EU-Fördergeld ist in dieser Zeit mit jeweils mehr als 500.000 Euro in den Abriss der alten Union-Bäckerei an der Kalkstraße im Jahr 2010 sowie der Überreste der Molkerei an der Forststraße geflossen, der in diesem Jahr abgeschlossen werden soll. Gegenwärtig größtes Vorhaben der Stadt ist der Abriss der alten Kasernengebäude an der Heinrich-Schütz-Straße, der von der EU mit 450.000 Euro bezuschusst wird. Bereits bewilligt sind laut Landesdirektion zudem 71.000 Euro Fördergeld für den Abbruch einer ehemaligen Verdichterstation an der Zschopauer Straße 63 sowie 61.000 Euro für den Abriss des ehemaligen Fröschl-Marktes an der Wolgograder Allee. Beide Vorhaben sollen bis 2013 abgeschlossen werden.

Aus dem Landesprogramm wurde ebenfalls seit 2009 unter anderem der Abriss des alten Keplergymnasiums an der Hans-Ziegler-Straße mit rund 400.000 Euro gefördert. Für dieses Jahr seien 192.000 Euro für den Abbruch der ehemaligen Lungenheilstätte an der Wittgensdorfer Straße 192 bewilligt.

Die Stadtverwaltung plant indes noch weitere Abrisse von Industriebrachen, für die sie sich ebenfalls Fördergeld verspricht. So sei für das nächste Jahr mit dem Eigentümer der Abbruch der ehemaligen Firma Hunger-Hydraulik an der Uferstraße vereinbart, teilte die Pressestelle am Dienstag auf Anfrage mit. Die Förderung werde gerade beantragt. Nach dem Abriss solle die Fläche begrünt werden. Auch für die bereits 2011 beantragte Altlastensanierung des früheren Chemiehandel-Geländes an der Otto-Schmerbach-Straße stehe die Bewilligung noch aus.

Weil die bis 2013 zur Verfügung stehenden Fördergelder aufgrund der großen Nachfrage nicht für alle Ruinen ausgereicht hätten, hoffe die Stadtverwaltung auf eine neue Förderperiode ab 2014, um die Abrisse fortsetzen zu können.

 

 
erschienen am 23.05.2012 (Von Michael Brandenburg)
© Copyright Chemnitzer Verlag und Druck GmbH & Co. KG
 
Kommentare
2
(Anmeldung erforderlich)
  • 23.05.2012
    16:54 Uhr

    Luzifer: es werden handelsflächen für lidl, penny netto und aldi

    2 0
     
  • 23.05.2012
    15:13 Uhr

    Jothade: ... hoffentlich finden sich dann in der kommenden Zukunft Leute, die aus den innerstädtischen Flächen etwas zaubern können - und wenn es auch neue innerstädtische Siedlungen mit Einfamilienhäusern werden. Oder Parks mit Hundefreilaufflächen. Oder... Oder...

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