Motorrad-WM: MZ bleibt in der Warteschleife
Noch kein Startplatz für Zschopauer Team mit Fahrer Anthony West - Entscheidung am Freitag
Zschopau. Trotz der überzeugenden Ergebnisse bei den Testfahrten in Spanien hat das Team von MZ bisher noch immer keinen Startplatz für die Motorrad-Weltmeisterschaft 2010 sicher. Die internationale Fahrer- und Teamvereinigung Irta, die ursprünglich am Dienstag eine Entscheidung fällen wollte, hat die Zschopauer vorerst auf den Freitag vertröstet. "Wir sind dennoch guter Dinge, in dieser Woche einen positiven Bescheid zu bekommen. Die Testfahrten haben gezeigt, dass MZ in diesem Jahr in die neue Moto2-Klasse gehört", sagte am Mittwoch in Zschopau Geschäftsführer Martin Wimmer.
Das Team von MZ war im Januar vom Selektionskomitee der Irta für diese Saison noch außen vor gelassen worden. Für die WM bestätigt wurden bisher 38 Teams. Da sechs Rennställe aus den unterschiedlichsten Gründen bisher noch nicht bei den offiziellen Testfahrten in Valencia und Jerez erschienen waren, erhofft sich MZ als erster Nachrücker noch eine Chance. "Ich sehe die ganze Sache ebenfalls positiv", meinte Ralf Waldmann. Der 20-fache Grand-Prix-Sieger war in den vergangenen Monaten maßgeblich an der Entwicklung der neuen Moto2-Maschine von MZ beteiligt, die innerhalb weniger Wochen zur WM-Reife geführt wurde.
Diese in der WM neu geschaffenen Klasse tritt mit einem 600-ccm-Viertakt-Motor von Honda an. Veränderungen dürfen nur an der Abstimmung des Fahrwerks vorgenommen werden. Auf der Basis des Honda-Supersport-Motorrades wurde in Zschopau in einem Team von fünf Fachleuten der Rahmen Schritt für Schritt den neuen Anforderungen anzupassen. "Wir sind auf einem guten Weg, uns dem Niveau der international führenden Fahrwerks-Hersteller anzunähern und besitzen noch Potenzial nach oben", fügte Waldmann hinzu.
Dass MZ-Projekt in der WM umsetzen soll als Fahrer Anthony West. Der Australier, der am Mittwoch einen Vorvertrag unterschrieb, bestätigte die Aussage von Ralf Waldmann. "Ich bin überzeugt, dass wir Podestplätze erreichen können. Unseren großen Entwicklungsschritt, das Gewicht um zehn Kilo weiter zu reduzieren, steht nämlich noch vor uns", sagte der Australier, der vor allem am Wochenende auf dem Grand-Prix-Kurs von Jerez sein Können unter Beweis gestellt hatte.
Der als ausgesprochener Regenspezialist bekannte ehemalige Kawasaki-Werksfahrer hatte am Dienstag sogar die Bestzeit der 22 gestarteten Fahrer erzielt und war damit zum Beispiel schneller als der ehemalige MotoGP-Pilot Alex de Angelis aus San Marino sowie der 125-ccm-Weltmeister von 2008, der Franzose Mike de Meglio. Auch der Schweizer Thomas Lüthi, Weltmeister in der Achtelliterklasse 2005, hatte das Nachsehen.
Klappt es mit der WM-Teilnahme von MZ, die hauptsächlich von einem privaten Sponsor in Höhe von etwa 250.000 Euro finanziert werden soll, könnte noch ein weiterer Fahrer hinzu kommen. Klappt es nicht, wird eine Teilnahme an der spanischen Meisterschaft ins Auge gefasst. Dann ist der 19-jährige Toni Wirsing für eine zweite Maschine vorgesehen. Der Chemnitzer gehörte vergangene Saison zum BMW-Superbike-Team in der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft (IDM).
Auch wenn die Serienproduktion von Motorrädern und Motorrollern in andere Bundesländer ausgelagert wird, soll die MZ-Motorsport-Zentrale weiter in Zschopau bleiben. "Die Kosten für die Rennsportteilnahme werden unabhängig vom Geschäftsbetrieb der Firma getragen", versicherte Wimmer.