Mit unbewegtem Gesicht und ruhiger Stimme beendete Franz Josef Jung seine politische Karriere. Nach der Affäre um den vertuschten Bundeswehr-Bericht war der Arbeits- und ehemalige Verteidigungsminister nicht mehr zu halten.

Foto: Michael Kappeler

PORTRÄT: Jung geht nach oft glückloser Amtsführung

Sich selbst konnte Anwalt der Truppe nicht mehr helfen

Mit unbewegtem Gesicht und ruhiger Stimme beendete Franz Josef Jung seine politische Karriere. Nach 35 Jahren in verschiedenen Parteifunktionen der CDU und auf mehreren Ministerposten verließ der 60-jährige Hesse am Freitag die politische Bühne. "Ich übernehme damit die politische Verantwortung für die interne Informationspolitik des Bundesverteidigungsministeriums", gibt er kurz und knapp zu Protokoll. Nach der Affäre um den vertuschten Bundeswehr-Bericht war Jung, der in Berlin oft glücklos wirkte, ganz einfach nicht mehr zu halten.

Zum Verhängnis geworden ist dem studierten Juristen aus Hessen letztlich, dass er den Luftangriff stets verteidigt hat - obwohl der vertuschte Berichte klar von zivilen Opfern sprach. Der Angriff sei "dringend geboten" gewesen, verkündete er nach dem verheerenden Bombardement. Doch derlei schnelle Festlegungen brachten den Minister, der sich stets als Anwalt der Truppe gesehen hat, auch schon in der Vergangenheit in die Bredouille. So sprach er von "Gefallenen" in Afghanistan, ohne aber den Einsatz "Krieg" nennen zu wollen. Und als er vor drei Jahren vorschnell das Bundeswehr-Engagement im Libanon als "Kampfeinsatz" charakterisierte, musste er sich von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) öffentlich korrigieren lassen.

Solche verbalen Fehltritte Jungs waren kein Einzelfall in seiner Amtszeit als Verteidigungsminister. Die Parteifreunde waren auch irritiert, als er sich wohlwollend zu Bestrebungen der USA äußerte, den Handlungsradius der NATO über den atlantischen Raum hinaus bis zum Pazifik auszudehnen. Zustimmung von allen Seiten erntete Jung dagegen für seine vorpreschende Art, als er die Affäre um Bundeswehr-Soldaten in Afghanistan, die mit Totenschädeln posiert hatten, innerhalb kurzer Zeit aufklären und aus der Welt schaffen ließ.

Ansonsten aber tat sich der am 5. März 1949 als Sohn eines Winzers im hessischen Erbach geborene Jung auf dem Berliner Parkett vor allem am Anfang schwer. Als Vertrauter von Ministerpräsident Roland Koch (CDU) war er im November 2005 ins Bundeskabinett gekommen, nachdem er sich zuvor ganz der Landespolitik gewidmet hatte. Den Ruf des "U-Boots aus Hessen" wurde er nur mühsam los. Da half auch der Wechsel an die Spitze des Arbeitsministeriums nichts. Vielmehr musste er sich die Häme der Opposition gefallen lassen, er habe sein neues Resort nur bekommen, weil kein anderes mehr frei gewesen sei.

Jungs Laufbahn war jahrzehntelang politisch eng mit seiner hessischen Heimat verbunden. Nach absolviertem Wehrdienst, Jurastudium und Anwaltstätigkeit wurde er 1983 erstmals in den hessischen Landtag gewählt. Vier Jahre später rückte er zum Parlamentarischen Geschäftsführer der CDU-Fraktion in Wiesbaden auf, bevor er nach Kochs Wahlsieg 1999 die Leitung der Staatskanzlei übernahm. Zugleich war er hessischer Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten, musste beide Posten aber im Zuge der hessischen CDU-Spendenaffäre bereits 2000 wieder abgeben. Die Opposition sprach von einem "Bauernopfer".

Die politische Karriere Jungs wurde damals aber nur vorübergehend unterbrochen. 2003 wurde er Fraktionschef im hessischen Landtag, bevor ihm 2005 der Einzug in den Bundestag gelang. Ob er sich von seinem jetzigen Rücktritt auch wieder erholt, darf indes bezweifelt werden. Denn Franz Josef Jung hat sich gerade in jüngster Vergangenheit wenig Freunde gemacht im politischen Berlin.

 
erschienen am 27.11.2009
 
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