Karo-Vereinschefin Cathrin Schauer (links) und Mitarbeiterin Sita Thomas entdeckten Baby Leon als erste.
Foto: Ellen Liebner
Plauener Babyklappe besteht Bewährungsprobe
Warmes Bettchen für Findelkind Leon - Einrichtung des Sozialvereins Karo erstmals benutzt
Plauen. Die Plauener Babyklappe hat ihre Bewährungsprobe bestanden. Am Samstag gegen 1.30 Uhr wurde sie erstmals seit ihrer Inbetriebnahme vor anderthalb Jahren benutzt. In dem Wärmebettchen lag ein erst wenige Tage alter Junge, der nach dem Wunsch seiner Mutter Leon heißen soll. Das habe in einem beigefügten Brief gestanden, so Cathrin Schauer vom Plauener Sozialverein Karo, der diese vogtlandweit einzigartige Einrichtung betreibt.
"Die Mutter ist sehr verantwortlich vorgegangen", lobte Schauer gestern die ihr unbekannte Frau. Das belege schon der Brief, in dem sogar das Geburtsdatum vermerkt wurde. Zudem sei das Kind ausreichend versorgt gewesen und gesund. "Er war putzmunter, hat gestrampelt und geschrien, als wir ankamen", sagte Schauer. Wo er zur Welt kam, sei offen.
Mit der Babyklappe will Karo Müttern in Not die Möglichkeit geboten, straffrei aus einer für sie ausweglosen Situation zu kommen. Vor dem Hintergrund zahlreicher Fälle, in denen Eltern ihre Kinder etwa aus Überforderung misshandeln oder gar töten, sei das eine Alternative. Die Vorrichtung ist so konstruiert, dass der Mutter sieben Minuten Zeit bleiben, um sich unerkannt vom Haus an der Plauener Holbeinstraße entfernen zu können, in dem die Babyklappe steht. Erst dann treffen Helfer ein, um den Säugling zunächst in ärztliche Obhut zu nehmen. Leon sei unverzüglich ins Helios Vogtlandklinikum gebracht worden, so Schauer.
Dem Kind gehe es gut, sagte gestern Lutz Kauerhof vom Jugendamt des Landkreises, das bis auf Weiteres für das Findelkind Verantwortung trägt. Weitere Angaben, etwa wann Leon in eine Pflegefamilie kommt, wurden nicht gemacht.
Der Verein Karo würde über den Jungen gerne eine Art Patenschaft übernehmen, sagte Cathrin Schauer. Schon um zu sehen, was aus ihm später einmal wird. Die Mutter habe nun acht Wochen Zeit, sich zu melden - auch anonym - beziehungsweise sich doch noch für ihren Sohn zu entscheiden.
Unabhängig davon sind Polizei und Staatsanwaltschaft in den Fall einbezogen, so Polizeisprecher Jan Meinel. Nicht um die Mutter strafrechtlich zu verfolgen, sondern um im Interesse des Kindes Angehörige ausfindig zu machen, die etwa bei späteren Erbschaftsfragen eine Rolle spielen können. Der Umfang der Ermittlungen werde aber noch mit der Staatsanwaltschaft abgestimmt.
Vor Einrichten einer Babyklappe in Plauen waren immer wieder Fälle bekannt geworden, in denen Eltern ihre Kinder ausgesetzt hatten. So etwa in den Jahren 2001 und 2008. Je ein Junge und ein Mädchen wurden in den Vorräumen von Sparkassenfilialen in Plauen und Hof entdeckt. Bei einem Gentest stellte sich inzwischen heraus, dass es sich um Geschwister handelt.